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Landsberg
10.06.2021

Landsberger Kulturreferent: Haucks Brief ist unverschämt

Kulturreferent Axel Flörke von der Landsberger Mitte.
Foto: Thorsten Jordan (Archivfoto)

Der Kulturschaffende Wolfgang Hauck kritisiert die Stadtspitze für die Erinnerungsarbeit. Es folgt die prompte Antwort.

Der offene Brief von Wolfgang Hauck zur von der Stadt geplanten Erinnerungskultur im öffentlichen Raum ist in der Sitzung des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses des Stadtrats von Kulturreferent Axel Flörke (Landsberger Mitte) scharf kritisiert worden. Er bezeichnete das Schreiben als unverschämt. Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV) stellte klar, dass sie es als wichtige Aufgabe der Stadt sieht, in diesem Bereich tätig zu werden. Das vorgestellte Konzept wurde von den Ausschussmitgliedern einstimmig befürwortet.

Wolfgang Hauck, der in Landsberg etliche Kulturprojekte (Die Stelzer, Die Kuntsbaustelle) organisiert hat, hatte in seinem offenen Brief, wie in unserer Zeitung berichtet, unter anderem geschrieben, dass die Oberbürgermeisterin zunehmend eine immer größere Zuständigkeit für die Erinnerungskultur beanspruche. Andererseits werde das Defizit bei der Bewältigung der Aufgabe immer deutlicher. Als Beispiele nannte er unter anderem den Umgang der Stadt mit der Bronzefigur "Panther" im Inselbad oder die Namensnennung des größten Gebäudes im neuen Stadtviertel „Urbanes Leben am Papierbach“ nach dem früheren Leiter der dortigen Pflugfabrik Karl Schrem. Dieser sei Nationalsozialist gewesen, zudem seien in der Pflugfabrik als Rüstungsbetrieb während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiter beschäftigt gewesen. Der alte Schrem-Bau war marode, wurde abgerissen und wird nun nachgebaut. Er soll dann wieder den Namen "Karl-Schrem-Bau" tragen.

Dass sie die Stadt, und damit auch Stadtrat und Oberbürgermeisterin, für die Erinnerungskultur zuständig sieht, machte Doris Baumgartl gleich zu Beginn der Diskussion in der Sitzung deutlich. „Wir wollen das Thema endlich voranbringen“, sagte sie. Das zeige sich auch daran, dass das neue Ausstellungskonzept im Stadtmuseum einen Schwerpunkt auf die Zeitgeschichte lege und gemeinsam mit der Marktgemeinde Kaufering, dem Landkreis und der Stiftung Bayerische Gedenkstätten eine Webseite zu den KZ-Außenlagern in Landsberg und Umgebung entwickelt wurde.

Der Panther im Landsberger Inselbad.
Foto: Julian Leitenstorfer

Kulturreferent Axel Flörke distanzierte sich in seiner Wortmeldung deutlich vom Inhalt des offenen Briefs und wies die darin geäußerten Vorwürfe gegen die Oberbürgermeisterin zurück. Es sei Aufgabe der Stadt, sich um die Erinnerungskultur zu kümmern. Der Brief sei unverschämt, zumal er von einer Person stamme, die in den vergangenen Jahren häufig vom Stadtrat unterstützt worden sei.

Claudia Weißbrodt vom Kulturbüro der Stadt stellte das Konzept für die Erinnerungskultur im öffentlichen Raum in der Sitzung kurz vor. Als Ziel werde ausgegeben, Bedeutung und historischen Hintergrund von Denkmälern, Skulpturen und Kunstwerken im öffentlichen Raum sowie von Straßennamen zu vermitteln. Erläuternde Texte könnten dies nur in verkürzter Form. Ausstellungen, Publikationen, eine zusätzliche digitale Datenbank, ein interaktiver digitaler Stadtplan und eine Stadt-App, die das Stadtmuseum im Zuge der Neukonzeption entwickeln werde, könnten die Informationen ergänzen. Zudem soll eine Gedenkform im öffentlichen Raum für die Opfer des Nationalsozialismus in der Stadt entwickelt werden. Der Umgang mit der Geschichte ende nicht im Hier und Jetzt, sondern wirke weiter in die Zukunft, sagte Weißbrodt. Manche der „Geschichtsträger“ in Landsberg seien bereits in einen Kontext gesetzt, manche noch nicht. Zudem würden wichtige Erinnerungsformen noch gänzlich fehlen, wie das Gedenken an die jüdischen Bürger, die unter der nationalsozialistischen Herrschaft vertrieben und zu Opfern wurden.

Auch mit den Opfern beschäftigen

Die Erinnerung an die Opfer ist für Stefan Meiser (ÖDP) wichtig. Wie in anderen Städten und Gemeinden auch, könnten sogenannte Stolpersteine auf Gehwegen an das Schicksal der Opfer des Dritten Reichs erinnern. Man solle sich nicht nur mit Tätern, sondern auch mit den Opfern beschäftigen. „Das fehlt uns im Moment noch“, sagte Meiser. Claudia Weißbrodt unterstützte Meiser dabei. Das Opfer-Gedenken sei ein wichtiger Punkt der Erinnerungskultur. Stefan Meiser sagte zudem, die Stadt dürfe nicht davor zurückschrecken, Straßen umzubenennen. Die Stadt Augsburg habe dies getan. Das sollte auch in Landsberg ergebnisoffen diskutiert werden. Zweiter Bürgermeister Moritz Hartmann (Grüne) nannte dazu zwei in den vergangenen Jahren immer wieder diskutierte Namen: den Hindenburgring und die Otto-Leybold-Anlagen unweit des Gefängnisses.

Wolfgang Hauck von der KunstBauStelle initiierte unter anderem die Landsberg History App.
Foto: Thorsten Jordan

Diskutiert wurde auch darüber, wer etwas zur Erinnerungskultur beitragen könne. Stefan Meiser wollte niemanden ausschließen. Jeder, der sich in diesem Bereich engagiere, müsse gehört werden. Das sagte auch Claudia Weißbrodt. In Landsberg gebe es viele Akteure, die sich stark in der Erinnerungsarbeit engagieren. „Die müssen wir unterstützen.“ Am Tag nach der Sitzung äußerte sich auch Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl dazu. Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte sie, jeder, der fachlich kompetent ist, soll sich einbringen können. „Es geht um die Stadt.“

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