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Landkreis Landsberg

08.04.2020

Landsberg: Wenn der Pfarrer im Video predigt

Aufgrund der Corona-Krise finden derzeit keine Gottesdienste statt. Deshalb schicken Seelsorger wie der Landsberger Stadtpfarrer Gregory Herzel Videobotschaften.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Während der Corona-Krise finden auch keine Gottesdienste statt. Deshalb setzen viele Pfarreien aus dem Landkreis Landsberg auf moderne Technik und zeichnen Ansprachen auf. Worum es in den Videos geht.

Der Palmsonntag hatte Landsbergs Stadtpfarrer Gregory Herzel bereits einen Vorgeschmack auf das Osterfest verschafft: Die Segnung der Palmbuschen blieb aus und die Heilig-Engel-Kirche leer. „Da blutet einem Pfarrer natürlich das Herz“, sagt Herzel, doch um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, sei das die einzig sinnvolle Maßnahme. Alleingelassen werden die Gläubigen an Ostern trotzdem nicht – dank der neuen Medien. So kommen die Seelsorger per Livestream zu den Gläubigen auf Laptop, Smartphone oder Tablet. Und die evangelische Kirche hat sich noch etwas ganz Besonderes einfallen lassen.

Auf Livestreams von den Gottesdiensten müssen die Gläubigen der Landsberger Pfarreien zu den Heiligen Engeln und Mariä Himmelfahrt verzichten. Stattdessen erhalten die Gemeindemitglieder von Pfarrer Herzel Videos per E-Mail mit Anleitungen für einen Hausgottesdienst. „So auch zum Palmsonntag, damit wurden die Palmbuschen doch noch gesegnet“, sagt Gregory Herzel.

Stadtpfarrer Michael Zeitler hat seine Ansprache zum Palmsonntag bei YouTube veröffentlicht.
Bild: Screenshot

Auf der Homepage stellt er zudem Videos mit Impulsen ein. „Wir versuchen mit diesen Möglichkeiten, mit unseren Gläubigen verbunden zu bleiben.“ Das scheint zu funktionieren – knapp 500 Aufrufe hatte sein Video zum Palmsonntag. Allerdings sei es schwierig, damit auch die älteren Menschen zu erreichen. „Aber die wissen inzwischen, wo im Fernsehen Gottesdienste übertragen werden“, weiß Herzel dank der Telefonate, die er geführt hat. Er selbst sieht dem Osterfest in der leeren Kirche mit gemischten Gefühlen entgegen. „Ich bin vielleicht physisch alleine in der Kirche, aber ich weiß, dass zur selben Zeit irgendwo auf der Welt auch jemand einen Gottesdienst feiern wird.“

Hunderte Mal werden die Videos aufgerufen

Zum Beispiel in Mariä Himmelfahrt. Auch für Stadtpfarrer Michael Zeitler ist es eine schwierige Zeit: „Am Palmsonntag, als die Kirche leer war, da ist man schon nah ans Wasser gebaut“, gibt er zu. Bei dem strahlenden Sonnenschein wurden Erinnerungen wach, an die Prozessionen im Vorjahr und die gefüllte Kirche mit vielen Kindern.

Das wird es dieses Jahr nicht geben und so behilft auch er sich anderweitig. Mit Videos auf der Homepage gibt er Impulse für die Gläubigen. „Etwa 300 Mal wurde es aufgerufen, das entspricht einem normalen Gottesdienst“, ist er zufrieden. „Wichtig ist, dass man weiterhin sichtbar bleibt“, sagt Zeitler. Deshalb hatte er sich auch entschieden, einen Brief an alle Gemeindemitglieder zu schicken. „Ich will auch die älteren Menschen erreichen, die mit dem Internet nicht so vertraut sind.“ Gerade die Kirche lebe schließlich von der Gemeinschaft, aber „so kann jedes Wohnzimmer zu einer kleinen Kirche werden.“ Außerdem verweisen Zeitler und Herzel auf die Fernsehgottesdienste von Bischof Bertram Meier und die Livestream-Angebote der Klöster St. Ottilien oder St. Bonifaz in München. Ihnen selbst würden die technischen Möglichkeiten dazu fehlen.

Pfarrerin Jutta Grimm in der Evangelischen Christuskirche in Landsberg mit der Osterkerze. Auch sie dreht Videos für die Gläubigen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Bei der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Landsberg gibt es bereits Livestreams für Andachten, den „Kreuz+Quer-Onlinegottesdienst“, die Möglichkeit zu chatten, was gut angenommen wird, wie Pfarrerin Jutta Krimmsagt. „Wir haben die Andachten schon seit zwei Wochen online.“ Und digitale Chorproben seien über die Videoplattform Zoom möglich. Aus der Christuskirche in Landsberg den Ostergottesdienst online zu übertragen, ist nicht geplant. „Wir laden dazu ein, Gottesdienste im Fernsehen mitzufeiern“, sagt Krimm. Aber man werde auf die Homepage Videos mit Lesungen und Musik stellen, etwas Meditatives. Jeden Tag formuliere ein Mitarbeiter der Pfarrei Gedanken.

Wie wird es für sie als Geistliche sein, ohne Gemeinde ein Osterfest zu feiern? „Sehr ungewohnt und sehr befremdlich“, sagt Krimm. Es habe noch nie eine Zeit gegeben, in der so lange kein gemeinsamer Gottesdienst gefeiert werden konnte. Vor dem theologischen Hintergrund, dass der protestantische Glaube aber von einem „Priestertum aller Gläubigen“ spricht, geht die Pfarrerin davon aus, dass die Gläubigen auch daheim eine Feier mit Lied und Lesung gestalten können.

Ostern vom Balkon

Und schließlich kann man am Ostersonntag doch noch gemeinsam feiern: Vor Kurzem hat Pfarrerin Jutta Krimm die Nachricht erhalten, dass ein Flashmob „Ostern vom Balkon“ geplant ist: Deutschlandweit soll am Ostersonntag bis 10.15 Uhr das Ostergeläut – möglichst ökumenisch – erschallen. Danach, ab Punkt 10.15 Uhr, soll das Lied „Christ ist erstanden“ aus allen Kirchen, von den Balkonen und auf Plätzen (unter Einhaltung der Versammlungsregeln) gesungen werden. Der Zeitplan ist abgestimmt mit dem Ostergottesdienst, der im ZDF zu sehen sein wird. „Ich finde das eine tolle Idee“, sagt Krimm – sie werde auf jeden Fall die Glocken läuten und dann wohl mitsingen. Glockengeläut dürfte auch von der Kirche Heilig Engel ertönen. „Unser Organist kommt aus Bobingen, dafür kann er nicht extra kommen“, sagt Stadtpfarrer Gregory Herzel. „Aber am Glockengeläut soll es nicht scheitern.“ Und so kann es an Ostern doch noch ein Stück Gemeinsamkeit geben.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Ostern und Corona: Die sozialen Kontakte fehlen

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