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Landsberg

19.10.2019

Landsberg: Wie Sven Plöger das Wetter erklärt

ARD-Metereologe Sven Plöger spricht beim Anlegerforum der Sparkasse Landsberg-Dießen zum Thema Klimawandel.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Der ARD-Metereologe Sven Plöger ist beim fünften Anlegerforum der Sparkasse Landsberg-Dießen zu Gast. Was er zum Thema Klimawandel und zu extremen Wetterverhältnissen sagt.

Das Thema Klimawandel interessiert nicht nur die Fridays-for-Future-Bewegung – Meteorologe Sven Plöger füllte damit das Landsberger Stadttheater: Beim fünften Anlegerforum der Sparkasse Landsberg-Dießen platzte das Stadttheater aus allen Nähten. Manche Besucher verfolgten die Veranstaltung gar auf der Leinwand im Foyer. Und sie wurden nicht enttäuscht, es gab einiges zu hören und sehen.

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Die Mischung, den bekannten TV-Meteorologen Sven Plöger einmal live zu erleben, und dazu noch zum derzeit sehr populären Thema „Klimawandel“, kam offensichtlich gut an. Schon als Kind sei Plöger von Wolken und Himmel fasziniert gewesen, führte Vorstandsvorsitzender Thomas Krautwald in den Abend ein.

Wenn jemand seine Leidenschaft zum Beruf macht, dann überträgt sich diese Begeisterung auch auf das Publikum– und so schaffte es der 52-Jährige mit seiner lässigen Rheinländer Art, ein großes, wissenschaftliches und vor allem physikalisch schwieriges Thema, in verständliche Sprache übersetzt so zu präsentieren, dass ihm alle bis zum Schluss gespannt zuhörten.

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„Die Chinesen schauen auf Deutschland“

Spätestens dann war klar – unsere Welt wird sich verändern, auch wenn wir es schaffen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Beeinflussen können wir laut Plöger nur noch den Grad der Veränderung. 80 Prozent der Energie werde derzeit weltweit fossil erzeugt, obwohl die Sonne 6000 Mal so viel Energie liefere, wie wir verbrauchten. Der eingeschlagene Weg hin zu alternativen Energien aus Sonne, Wasser, Wind oder Biomasse sei der richtige, so Plöger.

Der Energieverbrauch werde weiter steigen, es gelte daher, ihn von den Emissionen zu entkoppeln. Anstatt sie zu reduzieren, wie viele Länder sich vorgenommen hätten, stiegen diese jedoch unentwegt an. Deutschland liege in Europa keinesfalls an der Spitze bei den Einsparungen, sondern nur auf Platz acht. Um ein Stück weit die Welt zu retten, müsste Deutschland die Energiewende gelingen: „Die Chinesen schauen auf Deutschland. Wenn sie hier gelingt, machen es die Chinesen nach, und im Nachmachen sind sie gut“, so Plöger.

45 Prozent weniger Regen

Anhand vieler Bilder zeigte er die dramatischen Auswirkungen von Wetterereignissen der letzten Jahre wie Starkregen, heftige Schneefälle, Hagel und Dürre. In einer Grafik zu Temperaturanomalien zwischen April und Juli der Jahre 1881 bis 2018 war zu sehen, dass es seit den 1990er-Jahren sprunghaft wärmer wird, und 2018 noch einmal alle davorliegenden Werte toppte. Im Sommer 2018 gab es ein Regenminus von 45 Prozent, in Ostdeutschland fielen gar nur drei Liter auf einen Quadratmeter. „Die Böden waren dort bis in eine Tiefe von 1,80 Meter ausgetrocknet. Wir brauchen wieder einmal ein richtig nasses Jahr“, erklärte Plöger.

Unwetter entstehen häufiger. Grund dafür ist, dass die Hochs beziehungsweise Tiefs nicht weiterziehen, sondern stehen bleiben, wie Plöger erläuterte. Die Folgen seien Starkregen, massiver Schneefall wie heuer im Januar in den Alpen, oder Dürre. Dieser Wetterwandel sei bedingt durch das Abschmelzen des Eises an den Polkappen. Dadurch werde die Sonneneinstrahlung immer weniger reflektiert, die nördlichen Breiten werden wärmer. Dies wiederum habe Auswirkungen auf den Jetstream. Dieser schwäche sich ab, was dazu führe, dass Hochs oder Tiefs stehen bleiben, weil ihnen der Antrieb fehlt.

Der Mensch ist Täter und Opfer zugleich

„Die Welt braucht uns nicht, aber wir sie. Der Mensch ist Täter und Opfer zugleich“, mahnte der Meteorologe zu einem respektvolleren Umgang mit der Welt – und zur Veränderung. „Doch wie soll man 7,7 Milliarden Menschen unter einen Hut bringen, damit sie vernünftig agieren? Jeder muss erkennen, er ist Teil des Ganzen.“ Doch davon scheint die Menschheit weit entfernt: Bei einer weltweit durchgeführten Befragung gaben die meisten Menschen zwar als größte Bedrohung den Klimawandel an, wie Plöger darstellte. Gleichzeitig sei der SUV das am stärksten wachsende Segment in der Autoindustrie.

Ein Prozent sei die Temperatur in den letzten 100 Jahren gestiegen. Das erscheint wenig, relativiert sich aber, wenn man bedenkt, dass laut Plöger seit der letzten Eiszeit vor 11.000 Jahren die Temperatur nur um vier Prozent gestiegen ist. Zwei bis vier Prozent Anstieg werden in den nächsten 100 Jahren erwartet.

Damit es bei zwei Prozent Anstieg bleibe, müsse viel Veränderung geschehen – das machte Plöger in seinem Vortrag deutlich.

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