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Landsberg

06.02.2020

Landsberg: Zwei Jungs sagen dem Müll den Kampf an

Der zwölfjährige Kilian Seiffert und sein gleichaltriger Freund Efe Fischer sammeln Müll auf einem Parkplatz in Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Seit einem Jahr macht die Bewegung Fridays for Future im Landkreis Landsberg mobil. Was hat sich seitdem in Sachen Umwelt- und Klimaschutz getan? Jugendliche zeigen beim Thema Müll Einsatz.

2019 stand im Zeichen der Demonstrationen für mehr Klimaschutz, angestoßen von der Bewegung Fridays for Future (FFF). Diskutiert wurde im vergangenen Jahr viel, aber hat sich vor Ort etwas getan? Das LT beleuchtet in einer Serie verschiedene Bereiche, die beim Klimaschutz eine Rolle spielen. Diesmal geht es um das Thema Müll. Denn dieser verseucht unter anderem als Mikroplastik nicht nur die Umwelt – er ist immer auch ein Kennzeichen für Ressourcenverbrauch. Das LT zeigt ein Beispiel von jungen Leuten auf, aber auch, wie sich die Müllmengen im Landkreis entwickelt haben.

Protest allein genügt nicht – inspiriert von FFF haben Kilian Seiffert und Efe Fischer, beide Sechstklässler der Waldorfschule in Landsberg, eine eigene Initiative gegründet. Unter dem Motto „Change“ wollen die beiden etwas für die Umwelt tun. „Im Sommer pflanzen wir Bäume und fahren viele Strecken mit dem Fahrrad, und wir sammeln bei fast jedem Wetter Müll“, so die beiden Zwölfjährigen.

Mit Eimer, Handschuhen und Zange unterwegs

Das LT hat die Jungs beim Müllsammeln begleitet: Jeder ist ausgerüstet mit einem Zehn-Liter-Eimer, Handschuhen und Zangen zum Müllaufheben. So manches, was der Wind hergeweht hat, wie Folien und Styropor, hängt im Gebüsch. Die größte Menge macht jedoch der Müll aus, der aus vorbeifahrenden Autos geworfen oder beim Aufenthalt in einem kleinen Wäldchen einfach an Ort und Stelle nach dem Konsum fallengelassen wurde: Flachmänner, Bier- und Sektflaschen, Zigarettenschachteln und vor allem Coffee-to-go-Becher. Innerhalb kurzer Zeit sind die beiden Eimer voll.

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Kilian und Efe besuchten 2019 zwei FFF-Schülerdemos – nach dem Unterricht. Schnell war beiden klar: „Nur Parolen rufen und demonstrieren, reicht nicht aus.“ Sie wollten ihre eigenen Ideen umsetzen und die Sache selbst in die Hand nehmen. So fingen sie im November mit dem Müllsammeln an. Sie halten auch schon mal mit dem Funkgerät Kontakt und informieren sich gegenseitig über Fundstücke. „Mir macht es Spaß, nach dem Sammeln die Straße oder an einem Gebüsch entlang zu schauen und zu sehen: jetzt ist es sauber“, sagt Efe. Bis auf wenige „eklige Sachen“ werde alles mitgenommen – sogar Taschentücher und Zigarettenstummel. Besonders viel Müll haben die beiden nach Silvester gefunden.

Beim 1000. gesammelten Eimer wird gefeiert

Insgesamt sind bereits 89 Eimer zusammengekommen. Bei 1000 Eimern wird gefeiert, haben sich die beiden vorgenommen. Kilian hat errechnet, dass es in etwa einem Jahr so weit sein wird. Besonders viel Müll finden die Zwölfjährigen an Müllcontainern und Bushaltestellen, dort werden oftmals auch ungeliebte Pausenbrote vor der Heimfahrt entsorgt. Mit Müllsammeln lässt sich sogar das Taschengeld aufstocken: Auf Bierflaschen gibt es Pfand und manchmal entdecken sie sogar Geld.

„Die häufigste Frage, die wir zu hören bekommen ist: Machst du das freiwillig?“, erzählt Kilian. Während manche Leute sie schräg anschauten, Jugendliche auch mal blöde Kommentare abließen oder sogar provokativ Müll wieder aus ihren Eimern werfen würden, fänden viele andere lobende Worte. Mit dem Müllsammeln draußen ist es für Kilian und Efe jedoch nicht getan: Zu Hause wird der Müll getrennt, Wertstoffe an den öffentlichen Sammelstellen entsorgt, sodass nur der Restmüll übrig bleibt. Für diesen hat Kilian vom Abfallwirtschaftsamt am Landratsamt auf Nachfrage einen kostenlosen Sack bekommen.

Der eigene Blick verändert sich

„Man schaut anders auf den Müll“, sagt Kilian. „Ich sehe inzwischen schon ein einzelnes Taschentuch liegen.“ Auch der Blick auf den eigenen Müll hat sich verändert. Den „Plastikkonsum“ der vierköpfigen Familie versucht er durch Sammeln zu kompensieren. „Wir wollen die Leute zu vier Schritten motivieren“, erzählen Kilian und Efe. „Verpackungen beim Einkauf vermeiden und nicht auf die Straße werfen, Müll sorgfältig trennen und auch mal Müll, der am Weg liegt, aufheben.“

Landsberg: Zwei Jungs sagen dem Müll den Kampf an
15 Bilder
Fridays for Future - Klimademo in Landsberg
Bild: Julian Leitenstorfer

Die beiden Buben sind ein positives Beispiel, wie der Umwelt- und Klimaschutzgedanke zu persönlichem Engagement anregt. Die statistischen Zahlen der Abfallwirtschaft für den Landkreis sprechen eine andere Sprache: Sowohl die Mengen beim Restmüll als auch bei der Gelben Tonne stiegen im vergangenen Jahr. Beim Hausmüll hatte sich die Menge 2016, 2017 und 2018 noch unter 10.000 Tonnen eingependelt, im vergangenen Jahr waren es aber wieder 10138 Tonnen.

In der Gelben Tonne landet immer mehr Verpackungsmaterial

Die Menge an Verpackungsmüll hat kontinuierlich zugenommen: Landeten 2014 noch 3192 Tonnen in der Gelben Tonne, waren es 2018 4097 Tonnen und 2019 4258 Tonnen. Michael Schindler ist als Sachgebietsleiter für die Abfallwirtschaft zuständig. „Bei der Gelben Tonne spielt auch eine Rolle, dass immer mehr online bestellt wird und dadurch Verpackungsmüll entsteht.“ Angestiegen sei auch die Menge an Müll aus Ramadama-Aktionen.

Der Sprecher der Stadt, Andreas Létang, kann zwar noch keine Zahlen für 2019 nennen, aber etwas über die Entsorgungskosten sagen: Mussten 2018 noch rund 15.000 Euro für die Hinterlassenschaften in Mülleimern und Hundetoiletten im Stadtgebiet ausgegeben werden, waren es 2019 über 20.000 Euro. Einer, der in Landsberg auch in Sachen Müllsammeln unterwegs ist, ist Pajam Rais Parsi, der die Aktion „Clean-up“ in Landsberg ins Leben gerufen hat – gemeinsam sammelt man Müll. In Bestbesetzung sei man mit 25 Leuten unterwegs.

Über E-Mail (change-mitmachen@gmx.de) können interessierte Kinder und Jugendliche ab sieben Jahren Kontakt zu Kilian Seiffert und Efe Fischer aufnehmen.

Lesen Sie auch den Kommentar:Umweltschutz im Landkreis Landsberg: Sauber machen und bleiben

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