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Landsberg

13.12.2017

Landsberger Künstler berichten von Fischen und Fahrrädern

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3 Bilder
„Vier Japaner“, Acryl auf Leinwand, 60 mal 80 Zentimeter von Monika Neubauer.
Bild: Minka Ruile

Eine Einladung zum Dialog mit den Künstlern konnte man in der Säulenhalle erleben. Die besonderen Werke sind nur noch heute zu sehen.

Das fast jede Ausstellungseröffnung begleitende „Wort-Rauschen“ ausgerechnet mit einer Pressekonferenz eindämmen zu wollen, war – nein, keine spleenige, sondern eine sehr originelle Idee. Und die erwies sich in der Säulenhalle als durchaus probates Mittel, um dem Vernissage-Publikum einmal tatsächlich nur das „auf die Ohren zu geben“, was dieses auch hören wollte. Unter dem Motto „Kuratiert? Wir können auch anders“ zeigen dort noch heute, ab 11 Uhr und bis Ende der um 19.30 Uhr beginnenden Finissage, Martina Marten fotografische Arbeiten, Elke Jordan, Monika Neubauer und Gregor Netzer Malerei, Peter Wilson einmal nicht seine „Landsberger Leute“, sondern Collagen und Erik Urbschat einzeln oder in kleinen Gruppen gestellte Skulpturen.

„Aufgebaut“ hatten die sechs Künstler am Nachmittag allerdings nicht nur die Ausstellung, sondern - mit Elke Jordans großformatigen Landschaftsbildern im Hintergrund – auch einen langen Tisch, an dem sie im Laufe der Veranstaltung Platz nahmen, um sich den Fragen der allesamt zu Journalisten erklärten Besucher zu stellen.

Das Publikum spielte mit

Ein Experiment, mit dem die Veranstalter das Geschehen ein Stück weit aus der Hand gaben, und das auch hätte schiefgehen können. Doch das Publikum spielte mit, und so entwickelte sich aufgrund sehr konkreter Fragen ein lebendiger Austausch mit den Künstlern – ganz im Sinne Peter Wilsons. Wo der gebürtige Engländer einmal nicht zur Kamera greift, führt ihn sein Credo „alles ist Dialog“ fast zwangsläufig zur Collage: „Bringe nur zwei Stück Papier zusammen, schon passiert etwas zwischen beiden. Aus Kontakt entsteht Kommunikation, unter Dingen und erst recht unter Menschen.“ Zentral ins Bild gesetzt hat Wilson in einer seiner Arbeiten deshalb „das Schönste, was der Mensch erfunden hat“, seinen jahrelangen Begleiter auf ausgedehnten Reisen, ein Fahrrad: als „Fort“bewegungsmittel zum einen, vielmehr noch aber als Vehikel, das wie keines sonst die Menschen zueinander bringt.

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Ein flammender Dialog

Vehikel, die ihre inneren Stimmungen an die Oberfläche der Wahrnehmung transportieren und ihnen künstlerisch Ausdruck verleihen, sind auch Martina Martens Fotografien. Im Falle eines Porträts treibt sie diesen Gedanken so weit voran, dass in Umkehrung der eigentlichen Definition nicht die abgelichtete Person, sondern über deren Inszenierung die Fotografin selbst zur – indirekt – Porträtierten wird.

Ihr großformatiges, auf Leinwand gedrucktes „Panic“ allerdings öffnet sich und tritt in frappanter Entsprechung der Farben quer über den Raum hinweg in einen flammenden Dialog mit Monika Neubauers in Acryl gemaltem „Rosinante und Rucio“.

Mit kreativer Lust, spannend und zugleich etwas irritierend für die Betrachter, scheint diese sich in fast jeder Werkgruppe künstlerisch neu zu erfinden.

Das gelingt ihr mit feinem Gespür für Farbklänge im rein Malerischen und trüge - ohne lose vorgehängter Christbaumkugel - auch im Fall der einsam auf einer Anhöhe stehenden Kiefer in „Mein Baum überlebt“.

Formal geschlossener, aber mit großer Sinnlichkeit Räume teils „himmelhoch“ eröffnend begegnet Elke Jordans Licht durchströmte Landschaftsmalerei.

In der Verwendung unter anderem von Sand materialisiert sich die Erinnerung der Malerin an Wüstenaufenthalte oder „gegangene Wege“ und werden die auf der Leinwand von ihr gelegten Spuren zum Echo menschlicher Existenz.

Hautnah prägen sich dagegen die in Gregor Netzers Nekrographien mit Grafit eingefangenen Spuren seiner „Lebens-Mittel“ als Körperabdrücke unmittelbar aufs dünne Papier: tote Rehe, Wildsauen, Fische – eigentümlich anrührende Bildnisse, die in der Assoziation etwa mit dem Schweißtuch der Heiligen Veronika durchaus auch als religiöse Bezugnahmen zu verstehen sind.

In der Gelassenheit, mit der sie sich in das Kunstgeschehen in der Säulenhalle einreihen, sieht man den fast lebensgroßen Holzskulpturen des Bildhauers Erik Urbschat dessen Ringen mit sich selbst und seine große Hemmung, „mit der Säge immer wieder so massiv in das Material hineinzugehen“, nicht an. Selbstversunken und voll innerer Verschwiegenheit bilden sie den ruhenden Pol der Ausstellung, die heute letztmalig ihre Türen für die Besucher öffnet.

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