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Landsberg

30.01.2020

Landsberger Lehrer demonstrieren gegen den Kultusminister

Bayerns Kultusminister Dr. Michael Piazolo musste sich bei seinem Besuch in Landsberg einige Kritik von Lehrern anhören.
Bild: Dagmar Kübler

Plus Keinen schönen Empfang erlebte Bayerns Kultusminister Dr. Michael Piazolo in Landsberg. Er wurde von Lehrern mit Plakaten und Trillerpfeifen empfangen. Warum die Pädagogen sauer sind.

Der Ärger über die Maßnahmen von Kultusminister Dr. Michael Piazolo, um die Personalsituation an Grund-, Mittel und Förderschulen zu verbessern, ist im Landkreis groß. Das zeigte sich am Donnerstagnachmittag bei der Lehrerdemo, zu der Erich Bachmaier, Kreisvorsitzender des BLLV und Rektor an der Windacher Schule, aufgerufen hatte. Rund 80 Lehrkräfte nutzten die Gelegenheit, um Piazolo, der zur Verleihung des Gütesiegels „Bildungsregion Bayern“ mit Ministerialrat Walter Grimm angereist war, ihre Meinung zu sagen.

Während sich die Polizei postierte, luden die Lehrer Plakate, Trillerpfeifen und Rasseln aus ihren Autos. Beim Warten auf den Minister war der Ärger bereits in den Gesprächen erkennbar. „Der sollte mal für eine Woche in meine Klasse kommen, zudem noch Elternarbeit leisten, Telefonate, und dann noch Kinder, die anderen in den Kopf beißen“, forderte eine Grundschullehrerin. „Die Mehrarbeit läuft auf noch mehr Krankheitstage hinaus. Man merkt über die Jahre, dass die Zeit zum Erholen immer weniger reicht“, bemerkte eine andere. „A13 für alle Grundschullehrer“, „Wir brennen aus“, „Keine unbezahlte Mehrarbeit“: Slogans wie diese bestimmten die Plakate. Zweitklasslehrerin Stephanie Triesch von der Schule am Landsberger Spitalplatz forderte: „Qualität statt Quantität, darum Teilzeit.“

Diese Forderungen haben die Lehrer an den Minister

Diesen Standpunkt machten auch einige der Anwesenden gegenüber Piazolo deutlich: Unterricht mit Qualität und dabei selbst gesund bleiben, sei nur in Teilzeit möglich. Piazolo sah das anders: Teilzeit ja, wenn die eigenen Kinder noch klein sind. Ansonsten wäre Vollzeit die normale Arbeitszeit. „Wir dürfen Teilzeit nur genehmigen, wenn keine dienstlichen Belange dagegenstehen“, so der Minister.

Landsberger Lehrer demonstrieren gegen den Kultusminister

Nach Piazolos Eintreffen überreichte ihm Erich Bachmaier eine Stellungnahme des BLLV. Lehrer in Teilzeit arbeiteten jetzt schon Vollzeit, denn eine gute Schulstunde brauche Vor- und Nachbereitung, und auch Beratung sowie Zusammenarbeit mit Ämtern und das ausufernde Schriftwesen brauchten Zeit. Bachmaier forderte, Stunden auszusetzen. Auf die Frage Piazolos („Was wollen Sie kürzen?“) schlug er unter Applaus vor, die Evaluation auszusetzen, die Digitalberatung zurückzufahren sowie Stunden zu reduzieren. Konkret: in der ersten Klasse Grundlagen- oder Förderunterricht, in der zweiten Sport, in der dritten Englisch und in der vierten Religion.

Erich Bachmaier (BLLV-Kreisvorsitzender) erklärte dem Kultusminister die Nöte und Forderungen der Lehrer.
Bild: Dagmar Kübler

Piazolo sagte, jeder zweite Satz in diesem Schreiben sei nicht wahr. Es bestehe kein Lehrermangel, sondern ein Mangel an Zeit – diese Feststellung rief bei den Anwesenden Gelächter hervor. Ein Lehrermangel von 1400 Kräften bestehe aber künftig, wenn jetzt nichts getan werde, so Piazolo.

Die Lehrer fordern, dass sie in die Gehaltsstufe A13 eingruppiert werden

Die im Vergleich zu Lehrern anderer Schularten schlechtere Bezahlung war ein weiteres Thema, das die Lehrer ansprachen. „A13 für alle ist versprochen und überfällig“, forderte Bachmaier unter Applaus, Anreize über das Gehalt zu schaffen. „Die bittere Pille ist besser zu schlucken, wenn ein Guazerl dabei ist.“ Der Handschlag von Piazolo und Bachmaier am Ende der Demo zeigte symbolisch, dass man wohl miteinander im Gespräch bleiben wird. Um die Forderungen der Lehrer umzusetzen, scheinen jedoch Gesetzesänderungen notwendig zu sein. „Sie sind unser Minister, Sie müssen für uns kämpfen“, forderte deshalb eine Lehrerin.

Gegen Ende der Demo gesellte sich auch Oberbürgermeister Mathias Neuner zu der Gruppe. In seiner Ansprache zur Verleihung des Gütesiegels sagte er in Richtung des Ministers: „Ich freue mich, dass Sie sich die Sorgen der Lehrer angehört haben. Sie melden sich nicht ganz zu Unrecht zu Wort, auch weil der Bildungsauftrag immer schwieriger wird. Ich habe Verständnis für beide Seiten.“

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Lehrermangel: Die Kritik ist berechtigt

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