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19.06.2018

Landsberger Mittelschüler finden einen verschwundenen Grabstein

Ein verschollener Grabstein ist am KZ-Friedhof in der Erpftinger Straße in Landsberg wieder gefunden worden.
Bild: Deiler

Wie ein Grabstein auf einem KZ-Friedhof bei Landsberg verschwand und wieder entdeckt wurde. Und was Orkan „Niklas“ damit zu tun hat.

Seit vielen Jahren engagieren sich die Schüler der Mittelschule für eine aktive Erinnerungsarbeit in Landsberg. Gefördert werden sie durch das Projekt „denkmal aktiv“ und die Hans-Heinrich-Martin-Stiftung. So werden seit einigen Jahren Gedenkstättenbegleiter ausgebildet, die auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Kaufering VII führen. In jüngster Zeit wurde der KZ-Friedhof in Erpfting aufgewertet. Im Projekt „Türkenmariandl“ mit dem Verein dieKunstBauStelle , das durch das Programm „Kultur macht stark“ finanziert wurde, konnte eine Broschüre mit Karte zum Friedhof erstellt werden.

Ein Abgleich mit alten Bildern und Karten

Bei der Auswertung der Grafiken und Besuchen vor Ort entdeckte jüngst Leandra Krah, die als Studentin das Projekt mit den Schülern begleitete, dass der Grabstein von Zenon Reiber fehlte. Wolfgang Hauck, der Leiter der „KunstBauStelle“: „Wir sind dreimal zum Friedhof gefahren, um Bilder und Karten zu vergleichen, weil wir es zunächst für unmöglich hielten, dass ein Grabstein fehlt. Aber es war so.“

Manfred Deiler von der Europäischen Holocaustgedenkstättenstiftung konnte sich einen Zusammenhang des Verschwindens des Steins mit dem Orkan „Niklas“ am 31. März 2015 vorstellen. Nachforschungen bei Landschaftspflegefirmen und Bauhöfen blieben ergebnislos. Die Vermutung war nun, dass der Grabstein bei der Beseitigung der Sturmschäden auf dem Friedhofsgelände vergraben wurde.

Landsberger Mittelschüler finden einen verschwundenen Grabstein

In rund 40 Zentimetern Tief wird der Bagger fündig

Der Hartnäckigkeit der Schüler und ihres Schulleiters Christian Karlstetter war es zu verdanken, dass auf Anregung der Stiftung Bayerische Gedenkstätten nun ein Minibagger vorsichtig die Humusschicht rund um den ehemaligen Standort des Grabsteins abtrug. Die Spannung war groß. Aber schon in einer Tiefe von 30 bis 40 Zentimetern stieß die Schaufel erstmals auf Stein, der sich schnell als ein Fundament herausstellte. Kurz darauf konnte auch der eigentliche Grabstein, zwar verschmutzt aber erstem Anschein nach weitgehend unbeschädigt, geborgen werden. Ein Schüler meinte stolz: „Ich hätte nicht gedacht, dass wir mit unserem Projekt so viel erreichen können.“

Nach einer Überprüfung des Materials soll der Grabstein nun bald wieder an seinem ursprünglichen Platz aufgestellt werden. Ermuntert durch den Erfolg ihrer Intervention werden die Schülerinnen einer 8. Klasse in der nächsten Woche ihre Pflegetätigkeit auf dem Gelände wieder aufnehmen, heißt es in einem Bericht der Schule.

Die Broschüre in den Sprachen Deutsch, Englisch und Hebräisch liegt im Tourismusbüro aus oder ist im Büro des Vereins „dieKunstBauStelle“, Hinterer Anger 300 in Landsberg, erhältlich. (lt)

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