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Landkreis Landsberg

20.01.2021

Landsberger Senioren sind sauer über abgesagte Corona-Impftermine

Heinz Höwel aus Landsberg hätte am Donnerstag, 21. Januar, gegen Covid-19 geimpft werden sollen. Doch mangels Impfstoff wurde sein Termin abgesagt.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Der Landsberger Heinz Höwel ist einer von vielen Senioren aus dem Landkreis, die auf eine Impfung gegen Covid-19 warten. Doch momentan wird kein Impfstoff geliefert. Der Ärger der Betroffenen ist groß.

„Mein Impftermin ist um zwei Monate verschoben worden“, beschwert sich Heinz Höwel aus Landsberg. „Er wäre diese Woche am Donnerstag gewesen.“ Höwel ist über 80 Jahre alt und zu 100 Prozent schwerbehindert. Wie viele andere im Landkreis Landsberg kann er nicht nachvollziehen, warum er nun wieder lange warten soll, bis er sich gegen das Coronavirus impfen lassen kann. Auf Nachfrage der LT-Redaktion erklärt der Leiter des Impfzentrums in Penzing die aktuelle Lage und warum die Verzögerung sich nicht vermeiden lässt.

„Anfang Januar habe ich meinen Termin ausgemacht. Es wäre bei mir die erste Impfung gewesen“, sagt Höwel. Am Dienstag habe er einen Anruf vom Impfzentrum bekommen, dass kein Impfstoff gekommen sei und sein Termin verschoben werden müsse. Als Ersatz wollte er einen Termin unter der Woche haben – doch da sei der nächste erst im Mai frei gewesen. „Ich habe mich beschwert, aber es blieb nichts anderes übrig. Ich habe dann einen Samstag genommen, den 20. März.“

Der Betrieb im Penzinger Impfzentrum steht still.
Bild: Thorsten Jordan

Eine ähnliche Geschichte erzählt Heidi Bridgeman. Sie kommt ebenfalls aus Landsberg. Ihre Mutter ist 86 Jahre alt und pflegebedürftig. „Der Impftermin wäre diese Woche am Mittwoch gewesen, am Dienstag wurde er abgesagt.“ Dabei brauche ihre Mutter die Impfung dringend, sie habe Kinderlähmung und habe sich außerdem im November beide Beine gebrochen. „Es war schon ein Akt, zu organisieren, dass sie überhaupt zur Impfung kommt. Wir hatten schon alles organisiert.“

Die Mutter einer Landsbergerin wäre dringend auf die Impfung angewiesen

Der neue Termin ihrer Mutter sei erst Ende März. „Man wird wieder hinten angestellt“, ärgert sich Bridgeman. Sie hätte sich gewünscht, dass die Ersatztermine nach Bedarf vergeben werden. Weil sie selbst in der Notbetreuung einer Schule arbeite, habe sie jeden Tag Kontakt mit 30 oder 40 Haushalten und müsse danach zu ihrer ungeimpften Mutter.

Peter Rasch, Leiter des Impfzentrums in Penzing, kann den Ärger derjenigen verstehen, die nun eine Absage bekommen haben: „Man muss sich mal in so einen 85-Jährigen hineinversetzen. Diese Leute haben teilweise wirklich Angst um ihr Leben, gehen nicht mehr raus, es kommt kein Enkel mehr. Und dann wird ihr Termin für den nächsten Tag auf Ende April verschoben. Manche sagen uns am Telefon: ,Ob ich da noch lebe?’“

Das Impfzentrum des Landkreises Landsberg ist startklar - Leiter Peter Rasch im Interview
Video: Thorsten Jordan

Raschs Kollegen müssten sich am Telefon einiges anhören, sagt er, aber sie könnten nichts für die Absagen. „Wir haben am späten Sonntagnachmittag per E-Mail die Mitteilung bekommen, dass wir diese Woche keinen Impfstoff bekommen. Die Lieferung hätte am Montag eintreffen sollen. Weil wir nicht rund um die Uhr im Dauereinsatz sind und ich das erste Mal seit Wochen am Sonntag meinen Computer nicht angeschaltet habe, habe ich erst am Montag in der Früh erfahren, dass wir nichts bekommen.“

Alle Impftermine werden abgesagt

Zum Glück habe es von Montag bis Mittwoch keine regulären Termine im Impfzentrum in Penzing gegeben, sondern nur wenige Sondertermine, fast alle anderen Impfungen seien als mobile Einsätze geplant gewesen. „Wenn wir für Montag Termine eingeplant hätten und am Montag in der Früh erfahren hätten, dass kein Impfstoff kommt, wären die Leute ja schon vor der Tür gestanden“, sagt Rasch. So habe sein Team wenigstens Zeit gehabt, den Kandidaten, die diese Woche ab Donnerstag ihren Termin hatten, telefonisch abzusagen. „Alle, die diese Woche geimpft werden sollten, haben wir schon informiert, sofern wir sie erreichen konnten.“

Jeder, der angerufen wird, bekommt einen Ersatztermin angeboten, erklärt Rasch. Der sei möglichst spät, im März oder April. „Nicht, um die Leute zu schikanieren, sondern je weiter weg der vereinbarte Termin von heute ist, desto größer ist unsere Planungssicherheit.“ Niemand wisse, wann die nächste Lieferung kommt. Wenn sie auch nächste Woche ausbleiben sollte, müssten Raschs Kollegen auch diese Termine absagen und nach hinten verlegen. „Außerdem müssten wir, wenn wir die Termine auf nächste Woche verschieben würden, dann jede der 4200 Personen, die danach einen Termin bei uns haben, anrufen und eine Woche nach hinten rücken. Diese Arbeit können wir schlicht nicht leisten.“

So sieht es im Penzinger Impfzentrum aus - klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie:

Das Impfzentrum des Landkreises Landsberg hat Quartier im Tower des ehemaligen Fliegerhorstes Penzing bezogen.
16 Bilder
So sieht es im Landsberger Impfzentrum aus
Bild: Thorsten Jordan

Wann die nächste Lieferung kommt? „Der momentane Sachstand ist: Wir wissen nichts“, gibt Peter Rasch zu. Er selbst oder der Landkreis könnten daran nichts ändern, die Impfstoffmengen lege auch nicht München fest, sondern Berlin und die EU. „Ich hätte gerne Verlässlichkeit und Planbarkeit“, wünscht sich der Impfzentrumsleiter. „Ich hoffe, wir bekommen die nächste Woche wieder etwas, dann können wir wieder unseren Betrieb aufnehmen. Meine zweite Hoffnung ist, dass, egal wie viel wir bekommen, wir es regelmäßig bekommen. Dann können wir arbeiten. Alles andere ist eine Katastrophe für die Menschen und für die Mitarbeiter, auch wir halten das auf Dauer nicht aus.“ Bislang wurden rund 1900 Menschen im Landkreis geimpft.

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