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Landsberg

21.11.2019

Landsbergerin wehrt Verehrer mit Pfefferspray und Ohrfeigen ab

Weil sie einen ihrer Verehrer mit Pfefferspray angegriffen hat, musste sich eine Landsbergerin jetzt vor Gericht verantworten.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

Plus Eine psychisch auffällige Frau aus Landsberg geht auf ihre Nachbarn los. Vor Gericht geht es um Körperverletzung und bezahlte Liebesdienste.

Einem ihrer Verehrer sprühte sie Pfefferspray ins Gesicht, einem anderen verpasste sie eine Ohrfeige: Eine 30-jährige Frau aus Landsberg musste sich jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Augsburger Landgericht verantworten. Warum sie freigesprochen wurde.

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Der 30-Jährigen wurde eine psychische Störung attestiert. Das Gericht sprach die Frau schließlich wegen Schuldunfähigkeit frei. Das erklärte jetzt Ralf Schönauer, Rechtsanwalt der Angeklagten. Ursprünglich war das Verfahren gegen die arbeitslose Frau beim Landsberger Amtsgericht angeklagt gewesen. Weil aber eine dauerhafte Unterbringung der Frau als Urteil im Raum stand, sei das Verfahren an eine dazu befugte, höhere Instanz weitergegeben worden und sei bei vorsitzendem Richter Roland Christiani und seiner Kammer am Augsburger Landgericht gelandet.

Aus dem bezahlten Liebesspiel wird es nichts, weil die Frau so betrunken ist

Einer der Verehrer, ein Rentner mittleren Alters, habe ein Auge auf die Angeklagte geworfen. Er lebt in Landsberg gleich neben der Unterkunft, wo die 30-Jährige wohnt. Dort hatte die Frau im Oktober 2017 eine Bleibe gefunden. Das Begehren des geschädigten Rentners sei so weit gegangen, dass er mit der 30-Jährigen in einen Sexshop gegangen sei. Auch habe er der Frau 50 Euro für ein Schäferstündchen gegeben. Dann aber sei sie nach allerlei Alkoholkonsum und dem Inhalieren von vier Dosen Haarspray eingeschlafen. Deswegen sei der Geldschein mangels Gegenleistung wieder zurückgegangen, habe die Frau dem Gericht erklärt.

Landsbergerin wehrt Verehrer mit Pfefferspray und Ohrfeigen ab

Umso aufgeweckter war die Reaktion der Angeklagten am nächsten Tag. An der Haustür habe es eine Dosis Tierabwehrspray für den Nachbarn gegeben, der weiterhin „scharf auf sie“ gewesen sei. Und für die Frau gab es eine Anzeige bei der Polizei. Eine solche habe sie auch bezogen, als sie bei anderer Gelegenheit einem anderen Verehrer, dem sie eine Ohrfeige verpasst hatte.

Eine Psychiaterin bescheinigt der Angeklagten eine Persönlichkeitsstörung

Deshalb musste sich die 30-Jährige nun wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten, unter anderem, weil sie „eine andere Person mittels eines gefährlichen Werkzeugs körperlich misshandelt oder an der Gesundheit geschädigt“ habe.

Die Verhandlung vor dem Landgericht in Augsburg verlief zunächst schleppend. Denn beide Geschädigten waren nicht im Zeugenstand erschienen. Damit blieb es bei der Vernehmung weiterer Zeugen, wie den ermittelnden Polizeibeamten, und dem Verlesen von Aussagen, die bereits bei der Polizei abgegeben worden waren. Als verfahrensentscheidend habe sich dann laut Rechtsanwalt das Gutachten von Psychiaterin Dr. Elisabeth Pinker erwiesen. Die Expertin hatte die Angeklagte unter anderem daraufhin untersucht, ob sie unter Wahn leide oder manisch depressiv sei.

Die Frau kommt straffrei davon

Zumindest attestierte sie der 30-Jährigen eine Borderline-Störung, also eine psychische Krankheit mit persönlicher Instabilität und Überempfindlichkeit. Das Vorliegen dieser Störung habe sie bei beiden Taten für erwiesen angesehen – was für die Schuldunfähigkeit der Frau spreche. Werde diese Erkrankung nicht behandelt, müsse davon ausgegangen werden, dass es seitens der Erkrankten zu weiteren Vorfällen komme.

Staatsanwältin Yvonne Möller und anschließend auch Verteidiger Ralf Schönauer plädierten dafür, die Frau wegen Schuldunfähigkeit freizusprechen. Dam schlossen sich vorsitzender Richter Roland Christiani und seine Kammer an. Also kein Gefängnis oder eine empfindliche Strafe für die Frau und auch keine richterlich angeordnete, dauerhafte Unterbringung in einer Anstalt. Die Frau könne sich jetzt in Freiheit ihrer weiteren Betreuung widmen. Mittlerweile lebe sie in einer eigenen Wohnung, wird aber betreut. Angedacht ist, so Rechtsanwalt Schönauer, dass der Frau auch Kontakte zu ihrem dreijährigen Kind erlaubt werden, das in einer Pflegefamilie lebt.

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