Vom Ammersee an den Pazifik

02.01.2013

Leben bei den Kiwis

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3 Bilder
Simon Brieger auf einem Berg vor der Stadt Hastings an der Hawks Bay in Neuseeland.
Bild: Marlies Brieger

Simon Brieger studiert und arbeitet sei drei Jahren in Neuseeland

Der Weihnachtsbesuch nähert sich dem Ende, bald fliegt Simon Brieger wieder „nach Hause“. Die neue Heimat des jungen Mannes, der am Ammersee aufwuchs, ist am anderen Ende der Welt: Seit 2009 Jahren lebt der 26-Jähriger über 18400 Kilometer entfernt in Neuseeland „bei den Kiwis“. Am Ammersee kennt man ihn als Fußballer und als „Frittengott“: Vier Jahre jobbte er in der Grillhütte im Strandbad Utting. Seinen Ersatzdienst machte er 2008 als Freiwilliges Soziales Jahres beim TSV Utting, wo er auch im Verein spielte. In Rott hatte der junge Mann 2007 am Kindergarten gearbeitet.

„Mich hat es immer schon in die Ferne gezogen“, erzählt er. Anfangs war er in Neuseeland als Rucksacktourist unterwegs, jobbte unter anderem bei der Weinernte. Er entschloss sich zu bleiben und setzt einen auch für Neuseeland ungewöhnlichen beruflichen Weg fort, den er bereits in Deutschland eingeschlagen hatte: Der junge Mann ist Erzieher und absolviert nun ein Studium als Pädagoge für Kinder im Alter von Null bis acht Jahren. „Es nennt sich ’Bachelor of early childhood’ und ist mit dem Erzieher bei uns vergleichbar“, erzählt Brieger. Ihn interessiert auch die Möglichkeit, weiter zu studieren mit dem Ziel, als Lehrer für ältere Kinder zu arbeiten, „mit dem Schwerpunkt Sport“.

Denn Sport ist für Simon Brieger ein bestimmendes Element im Leben: In Hastings, einer Stadt auf der Nordinsel Neuseelands, lernte er Taekwondo-Sportler kennen, begann im Verein zu trainieren und später auch als Trainer zu arbeiten. Freunde dort forderten ihn auf, doch zu bleiben und Brieger blieb. „Die Neuseeländer sind sehr weltoffen“, sagt Brieger, der sich wohlfühlt in dieser Kultur, wie bei den Erzählungen durchklingt. Er habe Maori und Engländer als Freunde, andere stammten aus Thailand. „Die Ethnien sind kein Thema.“ Neuseeländer seien spontan und flexibel, die Gesellschaft offen strukturiert. Die Kündigungsfrist seien kurz, erzählt Brieger, der aber mit dieser Struktur gut leben kann. Denn insgesamt sei das Tempo gemütlicher. Es werde gearbeitet, aber jeder tue dies im eigenen Tempo. Die Einkünfte seien nicht hoch, mancher habe zwei Jobs. Aber der Status sei nicht so wichtig, Brieger empfindet die Leute als weniger materialistisch als in Deutschland. Außerdem fasziniert ihn die Natur, in 30 Minuten ist er am Strand, in einer Stunde in den Bergen.

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Freilich gibt es  Gewohnheiten, die sich der junge Mann nicht zu eigen machen will. Trinken und Glückspiel seien  beispielsweise beliebte Freizeitbeschäftigung. Die Bildung ist nach Briegers Einschätzung insgesamt geringer als bei uns, Essen werde am Imbiss gekauft, Fast Food oder Take-away-Food. „An jeder Ecke gibt es Rosmarinsträucher, aber keiner kennt die Pflanze und weiß, dass man damit würzen kann.“ Brieger hat neben seiner Wohnung einen kleinen Garten, in dem er Gemüse zieht für die eigene Küche.  So ist der junge Mann nicht nur in seinem Job – an seiner Arbeitsstelle sind von 53 Pädagogen zwei männlich – sondern auch als Koch ein Exot. Freilich gelte in Neuseelan, „jeder ist auf seine Art verrückt“ und Eigenheiten würden schnell akzeptiert.

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