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Landsberg

04.07.2019

Lechsteg in Landsberg: Bauen trotz Kostensteigerung?

So könnte der Lechsteg unweit des Mutterturms in Landsberg aussehen.
Bild: Mayr/Ludescher München/DKFS

Der geplante Lechsteg in Landsberg könnte bis zu neun Millionen Euro kosten. Warum der Oberbürgermeister dennoch an dem Projekt festhalten will.

Der zwischen dem neuen Stadtviertel „Urbanes Leben am Papierbach“ und dem Inselbad geplante Lechsteg für Fußgänger und Radfahrer wird viel teurer als bislang erwartet. Das Landsberger Tagblatt hat Oberbürgermeister Mathias Neuner und Vertreter der Stadtratsfraktionen befragt, wie es jetzt weiter geht. Die Meinungen sind durchaus geteilt. 

Kämmerer Peter Jung berichtete in der Stadtratssitzung, die Ausschreibung habe ein Angebot erbracht: Und das sei rund drei Millionen Euro höher als die bisherigen Annahmen, die bei 3,9 Millionen Euro lagen (ohne Nebenkosten). Dazu kommen dann noch die Planungskosten, sodass sich der Preis dieses Vorhabens am Ende zwischen acht und neun Millionen Euro bewegen dürfte. Viel mehr gab es in der Stadtratssitzung an Informationen vorerst nicht. 

Das Gremium hatte bereits eine fast sechsstündige Sitzung hinter sich, als die neueste Entwicklung zum Lechsteg aufs Tapet kam. Verpackt war die Sache im Tagesordnungspunkt „Nachtragshaushalt“. Doch die Fußgänger- und Radfahrerbrücke war im zur Stadtratssitzung vorliegenden Nachtragsentwurf noch gar nicht eingepreist. Von der drohenden Kostenexplosion beim Lechsteg erfahren hatten die Stadträte erstmals bei der Sitzungsvorbesprechung am Montag, als das Ergebnis der am 19. Juni erfolgten Angebotseröffnung präsentiert wurde.

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Nächster Halt Finanzausschuss

Wie es mit dem Projekt weitergehen wird, dürfte in einer Woche bei der Vorberatung eines Nachtragshaushalts im Finanzausschuss besprochen werden. Im Stadtrat sah man auf Empfehlung von Sitzungsleiterin Doris Baumgartl, UBV, (Oberbürgermeister Mathias Neuner hatte sich wegen Krankheit kurzfristig entschuldigt) kurz vor Mitternacht davon ab, noch in die Beratung des Nachtragshaushalts einzusteigen.

Das Angebot wird jetzt geprüft

Auch gestern hielt sich Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) mit weiteren Informationen zurück, nachdem er am Morgen nach ein paar Stunden Auszeit seine Amtsgeschäfte wieder aufgenommen hatte. Denn das vorliegende Angebot werde momentan noch genauer angeschaut, erklärte er. „Wir müssen zusammen mit der Vergabestelle bei der Regierung prüfen, ob das Angebot noch im Rahmen des Vertretbaren oder überhöht ist.“ Nur im letzteren Fall könnte von einer Vergabe abgesehen werden. Leider seien aufgrund der guten Baukonjunktur überall Kostensteigerungen zu verzeichnen, siehe Kunstrasen am Sportzentrum, siehe Sanierung und Erweiterung der Lechsporthalle. Der Markt sei „überhitzt“. Das gelte gerade auch bei Spezialgewerken wie dem Brückenbau. Fehler in der Kostenschätzung sieht Rathauschef Mathias Neuner nicht.

Trotz der gegenüber der jüngsten Kostenschätzung von März 2018 im Raum stehenden Steigerung der reinen Baukosten um rund 80 Prozent (rund sieben statt 3,9 Millionen Euro) will Neuner an dem Projekt festhalten. „Diese Achse ist ein wichtiger Teil unseres Mobilitätskonzepts, um ohne Zickzack auf kurzen Wegen aus dem Westen zu Fuß oder mit dem Fahrrad in die Stadt zu kommen“, betont der Oberbürgermeister. Zudem verweist er darauf, dass sich die Stadt gegenüber dem Papierbach-Bauträger auch vertraglich gebunden habe, diesen Lechübergang zu bauen. 

Investor übernimmt finanziellen Anteil

Auf der anderen Seite verpflichtete sich die Papierbach-Gesellschaft, einen finanziellen Anteil für den Steg zu übernehmen. Dabei hatte man ursprünglich eine 1:1-Kostenteilung im Blick. Als man noch von Baukosten von 2,5 Millionen Euro ausging, wurde ein fixer Zuschuss von 1,3 Millionen Euro vereinbart. Neuner hofft jetzt aber auch darauf, dass die Städtebauförderung aufgrund der Preissteigerung ihren Zuschuss (derzeit stehen 1,2 Millionen Euro im Raum) erhöht.

Auch im Stadtrat zeichnet sich ab, dass der Bau des Lechstegs trotz der Kostensteigerung weiter mitgetragen werden dürfte. „Das ist ein wichtiger Teil des Verkehrsentwicklungskonzepts, um den Radverkehr von Osten nach Westen attraktiv zu machen“, sagt Jost Handtrack (Grüne) auf LT-Nachfrage. Würde man den Bau abblasen, könnten am Ende sogar noch Regressansprüche von der Papierbach-Seite im Raum stehen.

SPD fordert neue Verhandlungen

„Das ist natürlich krass, so eine Verdopplung“, kommentiert Felix Bredschneijder (SPD) die neue Lage, der sich aber ebenfalls für eine Fortführung der Fußgänger- und Radfahrerbrücke aussprach. Allerdings fordere die SPD auch Verhandlungen mit der Papierbach-Projektgesellschaft mit dem Ziel, einen höheren Zuschuss zu erhalten. „Wir haben ja dem Bauträger in letzter Zeit viel Geld gegeben“, ruft Bredschneijder in Erinnerung. Erst vor ein paar Wochen segnete der Stadtrat eine Vermehrung um 480 auf 8180 Quadratmeter Geschossfläche im Ersatzbau für den Karl-Schrem-Bau ab. Und Anträge für weitere Veränderungen in dieser Richtung werde es noch geben, deutet Bredschneijder an.

„Für uns ist das ein No-Go“, macht Hans-Jürgen Schulmeister für die Landsberger Mitte klar, „diese Steigerung grenzt an Wucher.“ Man müsse daran denken, noch einmal auszuschreiben oder auch die Planung zu ändern, und mit dem Papierbach-Investor ehret+klein sei nachzuverhandeln. „Der Steg ist ja gerade auch in dessen Interesse.“ Grundsätzlich befürworte die Landsberger Mitte aber diese „Brücke in die Altstadt“.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier:  Lechsteg in Landsberg: Der Investor ist auch in der Pflicht  

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