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St. Ottilien

28.09.2019

Liberation Concert: Musik überwindet Ideologien

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Doris Pospischil vom Verein Kultur am Ammersee (rechts) freut sich über die Wertschätzung, die der Ammerseerenade durch den Staatsempfang des Kunstministers Bernd Sibler (Zweiter von rechts) zuteil wurde. Das Auswärtige Amt hatte zudem Irmgard Maria Fellner entsandt. Ganz links der künftige Partner der Ammerseerenade, Bert te Wildt, Leiter der Psychosomatischen Klinik Dießen.
Bild: Thorsten Jordan

Beim Staatsempfang des Kunstministeriums treffen im Kloster St. Ottilien Musiker und Gäste im Gespräch aufeinander. Auch das Auswärtige Amt unterstützt die Liberation Concerts.

Wenn ein bayerischer Staatsminister ein Konzert besucht und hinterher noch einen Staatsempfang für Besucher und Veranstalter gibt, dann muss ein besonderer Anlass hinter dem Konzert stehen. Oder es soll eine besondere Art von Wertschätzung zum Ausdruck gebracht werden. Im Fall des 2. Liberation Concerts der Ammerseerenade war beides der Fall. Kunstminister Bernd Sibler begrüßte in der Klosterkirche nicht nur die Konzertbesucher, sondern war hinterher auch berührt angesichts der Leistung des Tchaikovsky Symphonie Orchestra aus Moskau unter der Leitung von Maestro Vladimir Fedoseyev und der nach wie vor begeisternden Pianistin Elisabeth Leonskaja.

75. Jahrestag der Befreiung Leningrads

So wurde der Staatsempfang zum 2. Liberation Concert, anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung Leningrads, in der Klosterkirche St. Ottilien von dieser zuvor miterlebten Atmosphäre weitergetragen. Bernd Sibler brachte es auf den Punkt: „Die Musik hat die Fähigkeit, feine Zwischentöne zu erzeugen.“ Die seien in Konzerten wie diesem zu spüren und dem misst der Minister eine große Wichtigkeit zu. Musiker spielen miteinander, man höre aufeinander und achte auf die Zwischentöne. Das sei eminent wichtig in einer Gesellschaft, „die laut geworden ist“.

Von der Reinheit der Musik umhüllt

Vom Konzert der Moskauer Musiker unter der Leitung ihres Dirigenten Vladimir Fedoseyev und der Solistin Elisabeth Leonskaja sei er überwältigt. Vor allem das Adagietto aus der 5. Symphonie Gustav Mahlers hatte es ihm angetan: „Wir wurden von der Reinheit der Musik geradezu umhüllt.“ Ihren Teil dazu beigetragen habe die besondere Atmosphäre in St. Ottilien: „Die Kirche allein ist schon wunderbar, aber an dem Abend, in dieses festliche Licht getaucht, berührt sie alle Herzen.“

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Dem wollte der Hausherr St. Ottiliens, Erzabt Wolfgang Öxler, nur zustimmen. Selbst ein durch und durch musischer Mensch und aktiver Musiker, zeigte er sich sehr berührt. „Der Mahler geht mir direkt ins Herz, obwohl die Serenade Tchaikowskys mein absolutes Lieblingsstück ist.“ Großartig sei die Leistung von Elisabeth Leonskaja gewesen, das Klavierkonzert von Mozart derart ausdrucksstark und auswendig vorzutragen – sie gehöre zu den weltbesten Pianistinnen ihrer Zeit.

Das nächste Liberation Concert angekündigt

So war es wenig verwunderlich, dass der Erzabt auch weiterhin zu der Kooperation mit der Ammerseerenade steht und gleich das Datum des nächsten und dritten Liberation Concerts ankündigte: der 19. September 2020. Darüber hinaus sind die beiden Partner St. Ottilien und Ammerseerenade derzeit dabei, ein Artist-in-Residence-Projekt voranzutreiben. Wolfgang Öxler: „Wir werden jährlich ein Stipendium im Bereich der Kunst vergeben, das sich mit der Geschichte des Klosters zwischen 1945 und 1948 auseinandersetzt.“ Damals war das Kloster ein Krankenhaus für Überlebende des Holocaust. Mit dem Artist-in-Residence-Stipendium soll das Gedenken an diese Zeit wachgehalten werden.

Musik überwindet Ideologien

„Musik überwindet Ideologien“. Dieser Ansatz von Kunstminister Bernd Sibler ist es sicherlich auch, der das Auswärtige Amt zum Partner der Ammerseerenade machte. Bundesaußenminister Heiko Maas, der nicht nur ein Grußwort, sondern auch die Beauftragte für Auswärtige Kulturpolitik, Irmgard Maria Fellner, nach St. Ottilien schickte, hält die Reihe der Liberation Concerts für einen wichtigen Beitrag zu Verständigung und Versöhnung.

Noch nie so offen über das Erlebte gesprochen

Doris Pospischil, Initiatorin und zusammen mit ihrem Mann Hans-Joachim Scholz Gesicht der Ammerseerenade, weiß um die Wichtigkeit der Partner. „Das Kloster hier ist ein spiritueller Ort, der uns immer offen stand.“ Vor allem vor dem Hintergrund der Geschichte komme der Musik und der Kunst eine wichtige Rolle zu. Deshalb war sie auch glücklich, dass Schulen der Region, allen voran das Schondorfer Landheim, ihrer Einladung gefolgt seien, das Zeitzeugengespräch mit Vladimir Fedoseyev, selbst Überlebender der Leningrader Blockade im Zweiten Weltkrieg, und der Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. Charlotte Knobloch, mitzuerleben. „Ein bewegender Abend, der auch Fedoseyev vor allem sichtlich berührte.“ Der Star-Dirigent habe zuvor eigenem Bekunden nach noch nie so offen über das im damaligen Leningrad Erlebte gesprochen.

Im nächsten Jahr mit dabei

Eine neue Verknüpfung bahnt sich offenbar auch zwischen der Ammerseerenade, dem Kloster St. Ottilien und dem ehemaligen Kloster Dießen an, das heute eine Klinik für psychosomatische Erkrankungen beheimatet. Deren Leiter, Bert te Wildt, war ebenfalls zu Gast, und verriet im Gespräch mit dem LT, dass er bereits in Kontakt mit Doris Pospischil sei. „Unser Haus wird sich im nächsten Jahr ebenfalls an der Ammerseerenade beteiligen.“ In welcher Form werde derzeit gerade geklärt.

Lesen Sie den Kommentar:Liberation Concert: Musik hat eine große Kraft

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