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Landsberg

06.06.2018

Lob und Unverständnis für Landsberger Entscheidung

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Die Sparkasse Landsberg-Dießen bleibt selbstständig.
Bild: Julian Leitenstorfer

Die Gegner einer Sparkassenfusion in Dachau und Fürstenfeldbruck freuen sich über das Nein. Aber schließen sich jetzt nur die beiden anderen Banken zusammen?

Die Sparkasse Landsberg-Dießen bleibt bestehen, das hat der Kreistag am Dienstagabend mit großer Mehrheit beschlossen. Darf man nun den Vorstandschef der Sparkasse, Thomas Krautwald, zum Erhalt seiner Bank beglückwünschen oder eher bedauern, weil das Fusionsprojekt gescheitert ist? Diese Frage lässt Krautwald lieber unbeantwortet, wie er überhaupt die Kreistagsentscheidung erst einmal nicht kommentieren möchte: „Die Politik hat die Entscheidung getroffen und wir müssen in Ruhe bedenken, was das nach sich zieht.“

Mit dem Herzen statt mit dem Kopf?

Dass Krautwald die Dinge anders wie Landrat Thomas Eichinger (CSU) und die Mehrheit im Kreistag sieht, ist freilich kein Geheimnis. Seit bald zwei Jahren vertritt er die Auffassung, dass es besser sei, aus einer Position der Stärke heraus eine große Sparkasse zu formen als möglicherweise später aus einer Position der Schwäche heraus fusionieren zu müssen, sollten wie bisher die Gewinnmargen weiter sinken.

Einer, der das ebenso sieht, ist der Dachauer Landrat Stefan Löwl. Über die Landsberger Entscheidung sei er enttäuscht, sagte der CSU-Politiker dem LT: „Wir wollten jetzt die Chance nutzen, um nicht später müssen zu müssen“, so formuliert Löwl seine Überlegungen. Es sei um eine Kopf-Entscheidung gegangen, doch in Landsberg sei eine Herz-Entscheidung getroffen worden. Die Sparkassen stünden vor „Herausforderungen, die auch größere Einsparungen erfordern. Und die Meinung, dass das ohne Geschäftsstellenschließungen geht, ist naiv.“ Sprich: Das Filialnetz werde so oder so ausgedünnt, wenn es wirtschaftlich notwendig sei. In Landsberg war befürchtet worden, dass gerade eine Fusion zur Schließung von Geschäftsstellen führen werde. Unverständlich ist Löwl auch die Sorge, dass durch eine Groß-Sparkasse die Regionalität verloren gegangen wäre: „Wir wollten ja eine Drei-Säulen-Sparkasse“, und im alle zwei Jahre unter den Landkreisen rotierenden Verwaltungsratsvorsitz hätte dies seinen Ausdruck finden können. „Doch auch das wurde uns negativ ausgelegt.“ Landrat Eichinger argwöhnte, durch den ständigen Wechsel an der Verwaltungsratsspitze wäre das Gremium geschwächt worden.

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Martin Runge gratuliert den Landsberger Kreisräten

Wenn für Löwl somit viel für größere Sparkassen-Einheiten spricht, kommt dann zumindest eine Sparkasse Dachau-Fürstenfeldbruck? Diesbezüglich habe die Brucker Seite schon in früheren Jahren mehrfach angefragt, und inzwischen habe der Brucker Landrat Thomas Karmasin (CSU) erneut eine Fusion Dachau/Bruck ins Spiel gebracht nach dem Motto, „wenn es zu dritt nicht geht, dann sollten wir es zu zweit versuchen“.

Doch auch das ist nicht unumstritten. Die Dreier-Fusion hatte im Fürstenfeldbrucker Kreistag 25 Gegner und 37 Befürworter. Der prominenteste Fusionskritiker ist der Gröbenzeller Kreisrat und frühere Landtagsabgeordnete Dr. Martin Runge: Der Chef der Kreistagsfraktion der Grünen bejubelte das Landsberger Nein per Pressemitteilung bereits am Dienstagabend: „Unser Dank und unsere Gratulation gehen an die Landsberger Kreisräte, die nicht unreflektiert den Ansagen der Sparkassen-Nomenklatura von der Großartigkeit einer Fusion folgen wollten.“ Runge wies auch auf die Bedeutung von Sparkassen als öffentliche und örtliche Geldhäuser hin. „Im Falle einer Fusion zu einem Bankinstitut mit derart großem Bedienungsgebiet hätte aufgrund wachsender Anonymität und sinkender Mitwirkungsmöglichkeiten der einzelnen kommunalen Träger die Gefahr gedroht, dass Örtlichkeit, Bedienung in der Fläche und Unterstützung der Aufgabenerfüllung der Kommunen im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich zunehmend ins Abseits geschoben worden wären.“ Die Brucker Grünen erwarteten jetzt, dass es auch zu keinem Zusammenschluss allein der Sparkassen Dachau und Fürstenfeldbruck kommt.

In Dachau: Mehr auf Regionalität und Gemeinwohl achten

Im Dachauer Stadtrat plädieren die Fraktionen von Überparteilicher Bürgergemeinschaft, Bündnis für Dachau und SPD für einen strategischen Neuanfang. In einer Stellungnahme der drei Fraktionen heißt es: „Wir fordern die Sparkasse Dachau auf, insbesondere eine neue Strategie zu entwickeln, die die Aspekte Regionalität und Gemeinwohl zu echten Schwerpunkten macht, sich zu einer Ausschüttungspraxis zu bekennen, die ab einer harten Kernkapitalquote von 20 Prozent substanzielle Ausschüttungen an ihre vier kommunalen Träger vorsieht und sich zu einer transparenten Kommunikation bezüglich Geschäftspolitik und -ergebnisse mit den Trägern und den Bürgern verpflichtet.“

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