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Landkreis Landsberg

09.01.2020

Löst mehr Arbeit das Personalproblem an den Grund- und Mittelschulen?

Mit Mehrarbeit und späterem Ruhestandsbeginn will Kultusminister Michael Piazolo die Personalsituation an den Grund- und Mittelschulen verbessern. Lehrervertreter wie Erich Bachmaier bezweifeln, ob das den erwarteten Erfolg bringt.
Foto: Alexander Kaya

Plus Erich Bachmaier vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband kritisiert das Maßnahmenpaket von Kultusminister Michael Piazolo. Was der Windacher Rektor vorschlägt, um die Situation zu verbessern.

Später in Ruhestand, eine Schulstunde pro Woche mehr arbeiten und nur noch eingeschränkte Teilzeit-Möglichkeiten für Lehrkräfte, die keine Kinder unter 18 Jahren haben: Unter anderem damit will Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) die Personalsituation an Grund-, Mittel- und Förderschulen verbessern. Beim Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) stößt das auf Kritik. Kreisvorsitzender Erich Bachmaier sagt, die Probleme seien seit Jahren ignoriert worden.

Bachmaier sieht mehrere Ursachen, warum sich die Personallage an diesen Schulen so zugespitzt hat. Noch bis vor fünf Jahren seien nur diejenigen in den Schuldienst aufgenommen worden, die die besten Noten in den beiden Staatsexamen erreicht hatten. Dann jedoch sei durch mehr Ganztagsunterricht, höhere Geburtenzahlen und die Zuwanderung auch von Flüchtlingen der Bedarf an Lehrkräften gestiegen. Die Folge: Gab es einst eine gewisse Reserve an potenziellen Lehrkräften, sei die Warteliste seit inzwischen zwei Jahren leer. Das seien alles keine schwer kalkulierbare Faktoren: Die Kinder, die jetzt in die Schule kämen, seien schon vor sechs Jahren geboren gewesen, und Zuzug gebe es in Bayern seit Jahrzehnten. „Das war Ignoranz und sonst nichts“: Das habe die Probleme verursacht, sagt Bachmaier.

Es gibt nur noch wenige Lehrkräfte, die in Vollzeit arbeiten

Zugleich sei der Anteil teilzeitbeschäftigter Lehrkräfte gestiegen. „Im Grundschulbereich haben wir nicht mehr als 30 oder 35 Prozent vollzeitbeschäftigte Lehrer“, sagt Erich Bachmaier. Das liege nicht nur daran, dass viele Lehrkräfte Frauen mit Kindern seien. Viele wollten auch in Teilzeit arbeiten, da sie eine höhere Stundenzahl nicht mit dem von ihnen gestellten Anspruch vereinbaren könnten.

Ob die vom Kultusminister angekündigten Maßnahmen wirken, bezweifelt Erich Bachmaier. So glaubt er nicht, dass ein späterer Ruhestand so viel bringe. Viele ältere Lehrkräfte seien „kräftemäßig am Ende und fallen dann aus“, sagt der BLLV-Kreisvorsitzende, der Rektor der Windacher Grundschule ist. „Das ist nur Rechnerei auf dem Papier, da bleibt mit Sicherheit nicht viel übrig.“ Die Frage sei zudem, ob teilzeitbeschäftigte Lehrkräfte wirklich eine Stunde mehr arbeiteten oder eher eine Kürzung ihrer Bezüge um den Wert der nicht geleisteten weiteren Stunde in Kauf nähmen.

Das schlägt der BLLV vor

Was schlägt der BLLV vor, um die Situation kurzfristig zu verbessern, wenn es sechs Jahre dauert, bis ein künftiger Lehrer nach Studium und Referendariat einsatzbereit ist? „Warum sollen die Kinder in der Grundschule nicht mal eine Unterrichtsstunde weniger in der Woche haben?“, stellt Erich Bachmaier zur Diskussion. Man könne über die Streichung einer Stunde „Grundlegenden Unterrichts“ in der ersten Klasse, einer Sportstunde in der zweiten, einer Religionsstunde in der dritten und einer Englisch-Stunde in der vierten Klasse nachdenken. Oder man mobilisiere Lehrkräfte, die mit der Evaluation beschäftigt sind: „Das sollte man aussetzen, weil die Qualität eh nicht gewährleistet werden kann“, sagt Bachmaier.

Die Schulamtsdirektorin ist zuversichtlich

Schulamtsdirektorin Monika Zintel sieht die Lage im Landkreis positiver: „Wir sind zuversichtlich, diese Herausforderung mit Unterstützung unserer Lehrkräfte gemeinsam meistern zu können“, kommentiert sie die Pläne ihres obersten Chefs. Zintel hatte zu Beginn des Schuljahrs von einer guten Lehrerversorgung im Landkreis gesprochen. Pflichtunterricht und weitere Angebote seien abgedeckt. Dank einer mobilen Reserve, die über der geforderten Stundenzahl lag, könnten auch derzeit fast alle Vertretungsstunden gehalten werden, teilte sie jetzt mit. An den Grund- und Mittelschulen im Landkreis seien momentan auch 16 Realschul- und Gymnasiallehrer tätig, die für diese Schularten weiterqualifiziert sind oder gerade werden.

Lesen Sie hier, wie Kultusminister Michael Piazolo die aktuellen Probleme an den Grund- und Mittelschulen lösen will: Notfallplan: Lehrer müssen jetzt mehr arbeiten

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