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Utting

23.07.2019

Lohengrin auf der Seebühne – ohne Pathos, aber zum Lachen

Gralsritter Lohengrin (Ruben Hagspiel, links) und Elsa Fürstin von Dragant (Claudia Mabell) bei der Premiere der Seebühne.
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Gralsritter Lohengrin (Ruben Hagspiel, links) und Elsa Fürstin von Dragant (Claudia Mabell) bei der Premiere der Seebühne.
Bild: Quirin Gutbier

Nestroys Wagner-Parodie feiert Premiere auf der Uttinger Seebühne. Warum schwerer Stoff amüsant sein kann.

Das Stück beginnt mit dem Albtraum eines jeden Theaterdirektors: Die Uhr tickt der Premiere entgegen und der Hauptdarsteller hat sich klammheimlich verdrückt. Die Last-Minute-Rettung sitzt in den Zuschauerreihen und springt ein. Direktor Schofel (verzweifelt gespielt von Holger Schmidt-Lutz) kann den alten Bekannten aus längst vergangenen Erfolgszeiten überreden, kurzfristig die Titelrolle des Lohengrin zu übernehmen. Und das macht Ruben Hagspiel grandios. Viel Beifall für das unerwartete Opening gab es von den Premierengästen der Uttinger Seebühne. Sie führt dieses Jahr „Lohengrin – eine Parodie von Johann Nestroy“ auf.

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Das Publikum reagiert mit vielen Lachern und Applaus

Trotz idealen Wetters war die 340 Zuschauer fassende Freilichtbühne direkt am See nicht ganz ausverkauft. Vielleicht lag es daran, dass manch ein Fan lockerer Theaterkost beim Titel „Lohengrin“ erschrocken ist. Dabei hat Regisseur Florian Münzer nicht die schwülstige Wagner-Oper inszeniert, sondern die urkomische Parodie von Johann Nestroy. Nachdem Richard Wagner seine romantische Oper Lohengrin 1850 in Weimar uraufgeführt hatte, konnte Nestroy nicht anders, als dem wagnerischen Pathos eine Parodie entgegenzusetzen. Ein Rezensent schrieb, Nestroy habe „wie mit einem Seziermesser Schwulst und Wortgeklingel der Wagnerischen Kunst freigelegt“.

Für seine Seebühnen-Inszenierung hat Intendant Florian Münzer den Lohengrin mit ein paar Szenen aus Nestroys „Theatergeschichten“ aufgepeppt. Resultat: Viele Lacher und Spontanapplaus. Dafür sorgen nicht nur die beiden Profis im Ensemble, Ruben Hagspiel als Lohengrin und Claudia Mabell als Elsa Fürstin von Dragant. Beide sind dem Seebühnen-Publikum noch aus der früheren Inszenierung von Nestroys „Kobold“ in bester Erinnerung.

Lohengrin auf der Seebühne – ohne Pathos, aber zum Lachen

Die weibliche Neugier spielt beim Lohengrin eine tragende Rolle

Den beiden Profis stehen die Edelamateure der Theatertruppe aber in nichts nach, wie etwa Karl Wilhelm als Ritter Mordigall, Dany Mayland als seine Gemahlin oder Michael Schulz als Gaugraf Hanns der Gerechte. Nicht vergessen darf man die Blasmusikfreunde Utting mit Solistin Jeanette Höfer unter der Leitung von Michael Bauer.

Urkomisch die Szene, als Gralsritter Lohengrin auf einem von einem Schwan gezogenen Kahn auf-taucht, um dann in einem Zweikampf mit Ritter Mordigall Elsa zu retten. Der Liebe auf den ersten Blick soll die fürstliche Hochzeit folgen – aber nur unter der Bedingung, dass Braut Elsa ihren Retter nie nach Namen und Herkunft fragt. Er ist als Gralsritter schließlich in geheimer Mission unterwegs. Die weibliche Neugier siegt und sorgt schließlich für das unerwartete Finale.

Termine Noch bis zum 10. August täglich, außer montags, um 20 Uhr. Karten gibt es online sowie an der Abendkasse beim Uttinger Dampfersteg.

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