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14.01.2019

Lorenz Luidl, der barocke Gestalter

Drei Werke von Lorenz Luidl aus der Stadtpfarrkirche in Landsberg: Auf unserem Fotos schauen der Heilige Josef und der Heilige Joachim (der Vater der Heiligen Maria und Gottesmutter) auf Jesus Christus auf dem Esel, mit dem er in Jerusalem einzieht.

Heute vor 300 Jahren starb der Bildhauer, der zu den drei großen Künstlergestalten Landsbergs gehört. In den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg setzte er die katholische Frömmigkeit neu in Szene

Vor 300 Jahren starb am 14. Januar in Landsberg der bedeutende Barockbildhauer Lorenz Luidl. Er schuf ungezählte eindrucksvolle Barockskulpturen im Landkreis und darüber hinaus.

Geht man durch Landsberg, so ist Lorenz Luidl vielerorts präsent. Unter anderem durch die Hausmadonnen im Vorderanger und in der Schlossergasse (heute Kopien), durch die Vielzahl von Skulpturen aus seiner Hand in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, durch weitere Werke in den anderen Kirchen und auch durch die ihm gewidmete Lorenz-Luidl-Straße im Landsberger Westen. Außer Dominikus Zimmermann und Hubert von Herkomer ist Lorenz Luidl der dritte überregional bedeutende Landsberger Künstler.

Lorenz Luidl ließ sich 1668 in Landsberg nieder und erwarb dort die Bildhauergerechtigkeit. Künstler waren damals in den wenigsten Fällen freie Künstler, sondern zunftgebundene Handwerker. Wer eine Werkstatt eröffnen wollte, musste erst eine Handwerksgerechtigkeit erwerben. In Landsberg haben die Stadtväter immer nur einen Bildhauer zugelassen. Denkt man heute bei Bildhauer mehr an Steinbildhauer oder Steinmetze, so waren in der Barockzeit Inhalt der Ausbildung sowohl Stein- als auch Holzarbeiten. Von Lorenz Luidl sind überwiegend Holzskulpturen bekannt.

Geboren wurde Lorenz Luidl um 1645 als Sohn des Bildhauers Michael Luidl in Mering. Er absolvierte ab 1662 seine Bildhauerlehre in Weilheim bei David Degler. Der Lehrbrief dafür wurde ihm am 16. Juli 1668 ausgestellt, doch kann man wohl schon vorher von einer Gesellen- und Wanderzeit ausgehen. Erst als Luidl die Bildhauergerechtigkeit und das Landsberger Bürgerrecht erworben hatte, konnte er auch heiraten, nämlich am 12. August 1668 die Stadtbleicherstocher Maria Miller. Nach ihrem Tod heiratete er 1678 die Bäckerstocher Ursula Ludwig. Von den insgesamt 18 Kindern wurden vier seiner Söhne ebenfalls Bildhauer, nämlich Ferdinand, Sebastian, Stephan und Johann Luidl. Dieser übernahm 1717 in Landsberg die väterliche Werkstatt und führte den Stil des Vaters fort, sodass Figuren der Luidl-Familie oft nicht zu unterscheiden sind. Lorenz Luidl starb 1719 in hohem Ansehen. Seit 1699 war er Mitglied des Äußeren Rates, seit 1711 an erster Stelle.

Als Luidl nach Landsberg kam, lag der Dreißigjährige Krieg erst 20 Jahre zurück. Nach den hohen Bevölkerungsverlusten war die Stadt dabei, sich wirtschaftlich und auch künstlerisch wieder zu erholen. Sicher gab es auch großen Nachholbedarf, um zerstörte und vernachlässigte Kunstschätze zu ergänzen und zu ersetzen. So war Lorenz Luidl stark an der Barockisierung der Ausstattung der Stadtpfarrkirche beteiligt. Hauptaufgabe für Luidl waren kirchliche Arbeiten wie Altarfiguren und Heiligenstatuen als Einzelfiguren. Dazu kamen kleinere Werke wie Prozessionsfiguren, Prozessionsstangen, Altardekorationen, Statuetten bis hin zu den Figuren der Barockkrippe der Stadtpfarrkirche. Insgesamt sind von Lorenz Luidl um die 650 Einzelwerke bekannt. Allein in der Stadt kann man seine Werke auf über 70 schätzen (ohne die Vielzahl der Engelsputten und der Krippenfiguren).

Aufgabe dieser Figuren war es Bilder für die katholische Heiligenverehrung zu schaffen, die das Konzil von Trient (1546-1563) nochmals ausdrücklich bestätigt hatte. Heilige gelten als Fürsprecher vor Gott. Auch die Zünfte ließen ihre Zunftpatrone darstellen. So schnitzte Lorenz Luidl für den Metzgeraltar (erste Seitenkapelle rechts) der Stadtpfarrkirche zwei Heilige, die Tiere als Attribute besitzen, nämlich den Heiligen Antonius den Einsiedler mit einem Schwein und den Heiligen Papst Silvester mit einem Stier. Weiterhin hatten kirchliche Kunstwerke auch die Aufgabe, die Verkündigung zu unterstützen.

Augenfällig bei den Plastiken Lorenz Luidls ist ein ausgeprägter Gewandfaltenstil. Wallende Gewänder, flatternde Umhänge und reiche Binnenfalten tragen den Ausdruck der Figuren, viel mehr als die oft etwas unbeweglichen Gesichter. Die Figuren sind sehr oft kraftvoll, von plastischer Wucht und großer Ausdruckskraft. Als Beispiele von Lorenz Luidls Kunst seien nur einige Werke in der Stadtpfarrkirche hervorgehoben: Christus auf dem Palmesel (1671), eine Prozessionsgruppe mit dem machtvollen Christus mit überaus energischen Segensgestus, wurde früher durch die Straßen der Stadt gezogen. Die Figuren des Hochaltars (darunter der Heilige Josef und der Heilige Joachim, 1679-81) wirken kraftvoll, würdig und ernst, beinahe tänzerisch dagegen die Trageengel mit ihren fast schon gedrehten Falten. Die Orgelfiguren (1688) wie König David mit seiner Harfe und die musizierenden Engel verweisen auf die Wichtigkeit der Kirchenmusik. Die Apostelreihe an den Hochschiffwänden (1694) zeigt mit ihrer kraftvollen Ausführung, den flatternden Umhängen und den Apostelattributen ihre Funktion als „Säulen der Kirche“.

Was macht einen großen Künstler aus? Neben der meisterlichen Behandlung des Materials (in diesem Fall Holz), dass uns seine Werke beeindrucken, im Gedächtnis bleiben und einen Wiedererkennungswert haben, dass sie uns etwas sagen und dass sie uns auch berühren. Das alles trifft auf Lorenz Luidl sicher zu.

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