1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Maßkrug-Attacke führt direkt ins Gefängnis

Landsberg

13.12.2017

Maßkrug-Attacke führt direkt ins Gefängnis

Wegen einer Maßkrugattacke muss ein 55-jähriger Mann aus dem Landkreis für ein Jahr ins Gefängnis.
Bild: Symbolbild/Alexander Kaya

Ein Mann verletzt seinen Neffen im Gesicht. Weil er zudem ein Paket Vorstrafen mit zur Verhandlung bringt, muss er in Haft.

Er wird aggressiv, wenn er Hopfen und Malz in „geballter Ladung“ zu sich nimmt, dann brennen alle Sicherungen bei ihm durch. Das weiß der 55-jährige Angeklagte. Trotzdem macht er es immer wieder, zuletzt am 4. April dieses Jahres. Die Quittung dafür gab es jetzt für den Mann vor dem Landsberger Amtsgericht: ein Jahr Gefängnis und sechs Monate Alkohol-Therapie lautete der Urteilsspruch von Richter Alexander Kessler.

Er soll damals in vier Stunden in mehreren Gaststätten in Landsberg 15 bis 20 Halbe Bier und zehn Schnäpse getrunken haben, mit dem Zug nach Hause gefahren sein und es zu Fuß – ohne fremde Hilfe – noch zu seiner Wohnung geschafft haben. Bevor er diese betrat, soll er sein Taschenmesser in den linken hinteren Reifen eines Pkw gerammt und dadurch Sachschaden in Höhe von 100 Euro verursacht haben. Das Auto gehört dem Neffen, der im gleichen Haus wohnt wie der Angeklagte. Als der junge Mann die Bescherung entdeckte, rannte er sofort in die Wohnung des Angeklagten und wollte von diesem wissen, warum er einen seiner Autoreifen plattgemacht habe. Auf eine Antwort wartete der Neffe vergeblich. Der Mann wollte nicht darüber reden. Er habe ihn angeschrien, und soll versucht haben, ihn mit körperlicher Gewalt aus dem Zimmer zu drängen. Als das nicht gelang, soll ihn der 55-Jährige mehrmals aufgefordert haben, das Zimmer zu verlassen.

Der Neffe ging aber nicht. Da soll der alkoholabhängige Mann zwei leere Bierflaschen auf ihn geworfen, ihn aber nicht getroffen haben. Das kam aber noch auf andere, schmerzhafte Weise: Aus nur 30 Zentimetern Entfernung soll ihm der Beschuldigte einen Maßkrug aus Ton ins Gesicht geschlagen haben. Das Resultat: Eine blutende Wunde an der rechten Augenbraue des 26-Jährigen, ein blaues Auge und eine Woche lang Schmerzen im Gesicht. „Es ist alles gut verheilt“, berichtete der Neffe als Zeuge im Gerichtssaal.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Warum aber hat der Onkel die Flaschen geworfen und ihn geschlagen? Er sei betrunken und nicht gut drauf gewesen, „blöd halt“, lautete seine lapidare Antwort. Nach und nach wurde in der Hauptverhandlung klar, dass das Verhältnis der beiden seit 2012 – seither wohnen die beiden im gleichen Haus – total gestört sei. Und dass sie einander aus dem Weg gehen, wann und wo immer sie können.

Das dürfte bald kein Problem mehr sein. Denn der Angeklagte, der einen Rucksack mit 24 Straftaten mit sich herumschleppt, seit 2014 arbeitslos ist und von Hartz IV lebt, wird in den nächsten eineinhalb Jahren kaum noch zu Hause anzutreffen sein. Er wurde von Richter Alexander Kessler wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung für ein Jahr hinter Schloss und Riegel geschickt. Weitere sechs Monate dauert dann noch die Alkohol-Therapie, für die der 55-Jährige derzeit selbst offenbar die Weichen stellt. „Dagegen hat niemand etwas einzuwenden“, meinte der Richter. Die Therapie, so seine Mahnung, mache aber nur Sinn, wenn danach kein Rückfall erfolge. Was beim Angeklagten aber schon schiefgegangen sei: Er soll schon zwei Therapien hinter sich gebracht haben, zumindest zum Teil.

Für Alexander Kessler ist der Mann aber ein „schier hoffnungsloser Fall“. Er sei in der Vergangenheit bereits wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Trunkenheitsfahrten, einer Serie von Diebstählen, Erschleichen von Leistungen, Beleidigung und anderen Delikten verurteilt worden – nicht nur zu Geld-, sondern auch zu einigen Jahren Bewährungs- und Haftstrafen. Geholfen habe es nichts.

Erschwerend kommt wohl hinzu: So gut wie alle Bewährungsstrafen mussten widerrufen und in Haft umgewandelt werden. Rechtsanwalt Karl Mayer sprach sich dagegen aus, seinen Mandanten erneut ins Gefängnis zu stecken. Er sprach sich für eine Bewährungsstrafe aus. Und vor allem für eine Therapie, die mit Nachdruck zum Erfolg geführt werden müsse, um dessen Situation zu verbessern.

Offen blieb noch, ob gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt werden.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
leit762375725.jpg
Landsberg

Lea Leis ist das neue Landsberger Christkindl

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen