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Greifenberg/Dießen

18.11.2017

Matthias ist nicht allein in seiner Trauer

Matthias hat das Downsyndrom. Nach dem Tod der Eltern wurde er vom Hospizdienst Ammersee betreut.
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Matthias hat das Downsyndrom. Nach dem Tod der Eltern wurde er vom Hospizdienst Ammersee betreut.
Bild: privat

Die Hospizdienst Ammersee feiert sein zehnjähriges Bestehen. Der Verein begleitet Sterbende und Menschen wie Matthias, die einen Nahestehenden verloren haben.

Morgen ist Totensonntag. Ein Tag, an dem der Toten gedacht wird. Matthias gedenkt seiner Eltern auf vielfältige Weise. Als Ministrant spricht er Fürbitten für seine Eltern, er malt Bilder, in denen sie als Engel dargestellt sind, spielt Mundharmonika an ihrem Grab oder hinterlässt eine Blume in der elterlichen Wohnung. Matthias ist 59 Jahre alt und hat das Downsyndrom. Im Umgang mit seinem Verlust wird er unterstützt von seiner Familie, seinem Umfeld und dem Hospizdienst Ammersee (Hosdiam), der in Greifenberg und Dießen Büros hat. Denn neben der ambulanten Hospiz- und Palliativbegleitung bietet der Verein, der am Sonntag sein zehnjähriges Bestehen feiert, auch Trauerbegleitung an.

Matthias wuchs im Fünfseenland auf und lebt seit 2004 in einer Betreuungseinrichtung in Breitbrunn. Sie gehört zum Dominikus-Ringeisen-Werk Ursberg, wo auch eine Schwesterngemeinschaft der St. Josefskongregation geistliche Heimat bietet. Er arbeitet in einer Caritas-Werkstatt in Fürstenfeldbruck. An den Wochenenden und in den Ferien besuchte er die Eltern. „Das mache ich jetzt mit ihm weiter,“ erzählt seine Schwester. Gemeinsam besuchen sie die elterliche Wohnung.

Matthias trug die Urne der Eltern

Matthias musste innerhalb von eineinhalb Jahren Abschied nehmen von den wichtigsten Menschen in seinem Leben, seinen Eltern, von denen er „eine sehr liebevolle Pflege erfahren hat“. Beide waren im eigenen Haus aufgebahrt, eine wichtige Entscheidung, um Abschied nehmen zu können und um auch den Tod zu realisieren, wie die Schwester für sich persönlich empfindet. Matthias durfte an allem teilnehmen, wie die Schwester erzählt. Er habe beispielsweise den Sarg mit einer Sonnenblume bemalt sowie auch Blumen und ein Abschiedsbild in den Sarg gelegt.

Mit aktiv zu sein, sei ihrem Bruder wichtig gewesen, sagt die Schwester. „Er hat beim Trauergottesdienst ministriert und die Urne getragen.“ Mit einer Kerze werden die Orte, an denen die Eltern gestorben sind, zu Erinnerungsorten. Pflanzen am Grab in München einzupflanzen, zählt für die Geschwister ebenfalls zu den Ritualen, um mit der Trauer umzugehen. „Mein Bruder erzählt mir, dass er immer an sie denkt und seine Vorstellung, sie sind als Englein bei ihm, tröstet ihn. Manchmal äußert er die Hoffnung, dass sie wiederkommen.“ Seine Schwester versucht ihm zu vermitteln, „dass sie anders da sind und es ihnen bei Gott im Himmel gut geht“.

Beide finden Halt im Glauben. Matthias bekommt auch Unterstützung in einer Gesprächsgruppe, geleitet von Hosdiam-Mitgliedern, die in der Einrichtung in Breitbrunn stattfindet. Dort wurde er bestärkt, sich über Bilder auszudrücken. Eine Möglichkeit für einen Menschen, der nach Beschreibung seiner Schwester „nicht so redselig“ ist.

Die Hilfe der Hospizbegleiter ist vielfältig

Wer Menschen mit Behinderungen begleite, müsse etwas über deren Krankheitsbild wissen, erläutert Hosdiam-Vorsitzende Irmgard Schleich. „Ein Mensch mit Downsyndrom verhält sich anders als ein Autist.“ Der Verein hat 61 Hospizbegleiter, wie Schleich erzählt. Die Zahl der Begleitungen summiere sich auf 800. Es gibt die Zusatzqualifikation eines Hospizbegleiters in der Behindertenhilfe und für Kinder und Jugendliche. Und darauf aufgesattelt werden kann der Trauerbegleiter. Zwölf Ehrenamtliche seien zertifizierte Trauerbegleiter.

Der Verein bietet Schulungen zu diesen Tätigkeiten an. Außerdem wird über Hosdiam auch der Freiwilligendienst aller Generationen (FdaG) und eine Vermittlungsbörse für Dienst- und Sachleistungen angeboten. Da beim Büro in Greifenberg noch Platz gewesen sei, sei dort eine Kleiderkammer und ein Seniorencafé eingerichtet worden, erzählt Schleich. Sie hebt hervor, dass es bei Hosdiam auch viele Fälle von Langzeitbetreuung gebe. Denn am Anfang aller Ausbildung steht der Palliativbegleiter, also der Begleiter für Menschen mit schweren, nicht mehr heilbaren Krankheiten.

Der Verein finanziert sich über Spenden und Zuschüsse der Gemeinden, aber auch über einen staatlichen Personalkostenzuschuss im Rahmen von FdaG. Daneben gibt es einen Schwesterverein Theotinum für Kinderhospiz in Dießen. Eine stationäre Betreuung gibt es weder bei Hosdiam noch bei Theotinum. „Wir suchen seit sieben Jahren nach einem Haus“, sagt Schleich. Dort soll kein Hospiz eingerichtet werden, sondern quasi ein Vorhospiz, in das Pflegende mit ihren Kranken kommen könnten.

Zehn Jahre Hosdiam wird am Sonntag ab 14 Uhr in Greifenberg gefeiert. 15 Uhr: Vortrag zur Hospizgeschichte; 16.30 Uhr: Dankandacht in der Pfarrkirche „Maria Immaculata“; 18 Uhr: Stehempfang im Rupert-Mayer-Haus; 21.30 Uhr: Konzert Hansi Zeller/Marie-Josefin Melchior.

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