Newsticker

Bayerns Ministerpräsident Söder sieht Kampf gegen Corona in entscheidender Woche
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Mehr Deutschunterricht für Flüchtlinge gefordert

Landsberg

25.04.2015

Mehr Deutschunterricht für Flüchtlinge gefordert

Das Gebäude des Hochbauamts könnte Teil einer Gemeinschaftsunterkunft werden, die sich über mehrere Standorte in Landsberg erstreckt.
Bild: Thorsten Jordan

Landrat und Oberbürgermeister informieren die Bürger und beantworten deren Fragen. Dabei gibt es durchaus Neuigkeiten

Es waren deutlich weniger Bürger als erwartet, die sich gestern Abend im Sitzungssaal des Landratsamts von Landrat Thomas Eichinger und Oberbürgermeister Mathias Neuner über die Unterbringung von Asylbewerbern in Landsberg informieren lassen wollten. Etwa 50 Personen waren da, vielleicht die Hälfte davon waren Anwohner von bestehenden und geplanten Unterkünften. Sie erfuhren durchaus Neues. Etwa, dass sich das Landratsamt vorstellen kann, eine auf mehrere Standorte verteilte Gemeinschaftsunterkunft einzurichten, die von der Regierung von Oberbayern finanziert und verwaltet wird.

Zuletzt hatte Kreisrätin Renate Standfest (Grüne) in der Sitzung des Kreisausschusses die Frage nach einer Gemeinschaftsunterkunft gestellt, die auf mehrere Standorte in einem Ort verteilt wird. Bislang gehört der Landkreis zu den wenigen in Oberbayern, die keine solche Einrichtung haben. Wie Thomas Eichinger bei der Informationsveranstaltung sagte, sei die Schaffung einer Gemeinschaftsunterkunft eigentlich Aufgabe der Regierung von Oberbayern. Dieser Verpflichtung solle sie auch im Landkreis Landsberg nachkommen. Dort könne man durchaus mehrere Standorte in Landsberg anbieten, das Hochbauamt biete sich geradezu an. Eichinger sagte aber auch, dass eine solche Gemeinschaftsunterkunft dann auch „dauerhaften Charakter“ habe.

Ängste nehmen und die Bürger auf den neuesten Stand bringen, wollten Eichinger und Neuner bei der Veranstaltung im Landratsamt. Dazu gehörten auch Informationen über die geplante Errichtung von Wohncontainern auf einer staatlichen Fläche an der Iglinger Straße. Ab Mitte August sollen dort 60 Flüchtlinge eine Bleibe finden. Der Hauptzugang soll auf der Westseite des Grundstücks sein, abseits der Wohnbebauung in der unmittelbaren Nachbarschaft. Ebenfalls im Westen ist geplant, Unterstände für Fahrräder aufzustellen.

Dass es für die Iglinger Straße durchaus Überlegungen gab, dauerhafte Wohnungen zu errichten, sagte Landrat Eichinger auf die Frage einer Bürgerin, wie er den Begriff „vorübergehend“ interpretiere. Eichinger sagte, dass sich auch die Voraussetzungen geändert hatten. Ursprünglich sei von einem An- und Abschwellen der Flüchtlingszahlen ausgegangen worden. „Das findet aber nicht statt.“ Die stetig steigende Zahl an Asylsuchenden steigere die Wohnungsnot. Und so gebe es Überlegungen öffentlicher Bauprojekte, die allerdings erst nach bis zu zwei Jahren bezogen werden könnten. Das der Landkreis dazu gewillt sei, zeige ein Projekt für sozialen Wohnungsbau in Kaufering (LT berichtete). „Vielleicht brauchen wir diese Wohnungen aber auch für Asylbewerber“, so Eichinger.

Eine Frage bezog sich auf die Residenzpflicht von Asylbewerbern, für die es seit Anfang des Jahres neue gesetzliche Regelungen gibt. Sie müssen zwar in den zugewiesenen Gebäude wohnen, dürfen sich aber frei in Deutschland bewegen, etwa wenn sie Bekannte besuchen wollen. Sind die Flüchtlinge 15 Monate im Land, dürfen sie jeder Arbeit nachgehen, es sei denn sie werden beschäftigt, wie Sachgebietsleiter Thomas Szczepkowski auf Nachfrage einer Bürgerin sagte.

Wichtig bei einer Bewerbung sind die Deutschkenntnisse der Flüchtlinge. Und das ist mitunter ein Problem wie Landrat Eichinger sagte. Auf die Frage einer Bürgerin, ob die Volkshochschulen mehr Deutschkurse als bisher anbieten können, antwortete Marianne Asam vom Roten Kreuz Landsberg. Bei einem Treffen der Leiter der Volkshochschulen sei vereinbart worden, ein Konzept zu erarbeiten, damit ab Herbst mehr Unterricht möglich ist. Thomas Eichinger berichtete über ein Modell des Landkreises Bad-Tölz. Dort lernen Flüchtlinge an Schulen am Computer Deutsch.

Wie die Asylsuchenden im Landkreis betreut werden, war eine weitere Frage. In den ersten Tagen sehr intensiv durch Kräfte des Roten Kreuzes, wie Marianne Asam berichtete. Danach ziehe man sich möglichst bald zurück, suche die Unterkünfte aber wöchentlich wieder auf, Brennpunkte jedoch öfter. „Wir wollen unser Personal aufstocken“, sagte Marianne Asam mit Blick auf die steigenden Flüchtlingszahlen. Die Bedeutung der Ehrenamtlichen hob Landrat Eichinger hervor. Ihre Arbeit baue auf der des Roten Kreuzes auf. Je besser die Betreuung, umso friedlicher sei das Zusammenleben. Das war das Stichwort für einen Bürger für Patenschaften zu werben. „Wir müssen die Menschen an die Hand nehmen, bis sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen können“, sagte er.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren