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Knapper Wohnraum in Landsberg

22.04.2015

Mehr Hilfe für Obdachlose

Vor allem obdachlose Männer finden Unterkunft in den Baracken am Jahnplatz in Landsberg. Für alleinstehende Frauen, aber auch Mütter und Familien, hält die Stadt einige wenige Wohnungen bereit.
Bild: Julian Leitenstorfer

Neue Fachstelle soll Betroffene beraten. Der Landkreis hält sich raus, plant aber sozialen Wohnungsbau

Die Wohnungssuche im Landkreis, vor allem in Landsberg, gestaltet sich immer schwieriger. Gerade für sozial Schwache ist nur noch wenig Wohnraum vorhanden. Zu ihnen gehören auch Asylbewerber, die als Flüchtlinge anerkannt werden, und im Landkreis bleiben wollen. Wer keine Wohnung findet, wird obdachlos, egal ob Einheimischer oder Flüchtling. Doch es tut sich was: In Landsberg hat die Herzogsägmühle eine Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit eingerichtet und der Landkreis plant, wie berichtet, in Kaufering den Neubau von bis zu 36 Wohnungen für sozial schwache Bürger.

Seit 1967 steht in der Schlesierstraße in Kaufering ein Mehrfamilienhaus mit zwölf Wohnungen. Derzeit sind dort etwa 80 Asylsuchende untergebracht. Zum Jahresende oder im Frühjahr soll das Gebäude abgebrochen werden, weil es sich setzt und deswegen Schäden am Bauwerk entstehen. Wie Kreisbaumeister Christian Kusch in der Sitzung des Kreisausschusses sagte, sei eine Wohnnutzung über das Jahr 2015 hinaus nicht mehr zulässig.

Nun gibt es bereits seit einigen Jahren Pläne, auf dem 3415 Quadratmeter großen Grundstück nicht nur ein, sondern mehrere Gebäude neu zu errichten. Laut Kusch wären bis zu 36 Wohnungen mit einer Gesamtgeschossfläche von 3365 Quadratmetern möglich. Ein Entwurf sehe im Süden des Grundstücks zwei Gebäude mit je 160 Quadratmetern Grundfläche vor, im Osten ein Gebäude mit 260 Quadratmetern und im Nordteil ein Wohnhaus mit etwa 480 Quadratmetern sowie eine Tiefgarage. Bereits im Oktober 2008 war dieser Entwurf vom Gemeinderat Kaufering genehmigt worden. Anfang März leitete das Landratsamt diesen Planentwurf dem Markt Kaufering erneut mit dem Hinweis zu, die Baufläche würde dringend benötigt, um Wohnraum für den sozialen Wohnungsbau zu schaffen.

Kauferings Bürgermeister Erich Püttner sagte in der Sitzung des Kreisausschusses, der Marktgemeinderat werde im Mai einen Aufstellungsbeschluss für die Änderung des bestehenden Bebauungsplans fassen. Er bat die Kreisverwaltung aber auch darum, sich an dieser Stelle über Mehrgenerationenwohnen Gedanken zu machen. Das Landratsamt würde im nächsten Jahr gerne mit den Bauarbeiten beginnen. Die Gesamtkosten, die sich auf zwei Jahre verteilen, liegen nach Angaben von Christian Kusch bei rund sechs Millionen Euro.

Pläne ganz anderer Art hegt die Marktgemeinde offenbar mit der Stadt Landsberg und der Gemeinde Penzing. Wie Oberbürgermeister Mathias Neuner auf Nachfrage unserer Zeitung sagte, besteht das Interesse, gemeinsam mehr für Menschen zu tun, denen Obdachlosigkeit droht. „Wir haben da ein zunehmendes Problem, können aber nur am Rande helfen“, sagt Neuner. In Landsberg finden Obdachlose in Baracken am Jahnplatz oder einigen wenigen Wohnungen eine Bleibe. Eine Beratung vor dem Sturz in die Obdachlosigkeit könne eine Kommune aber nicht leisten.

Genau dort setzt die Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit an. Seit April befindet sie sich im ersten Stock des Gebäudes Vordere Mühlgasse 189 in Landsberg und soll Menschen präventiv vor einer drohenden Obdachlosigkeit bewahren, zum Beispiel mit der Suche nach einer Ersatzwohnung. Die zeitlich begrenzte Anschubfinanzierung durch das Sozialministerium gilt für zwei Jahre. „Die Stadt ist zum Zuge gekommen, weil Herzogsägmühle sich inhaltlich sehr stark für den Standort eingesetzt hat“, sagt Martin Holleschovsky, der bei Herzogsägmühle für Betreutes Wohnen und Ambulante Dienste verantwortlich ist. Seit April gebe es deshalb eine halbe Stelle für Präventionsaufgaben.

Die wachsende Wohnraumproblematik für sozial Schwache war offenbar Thema bei der Dienstbesprechung der Bürgermeister im Februar vergangenen Jahres. Laut Holleschovsky bestünde ein beiderseitiges Interesse von Stadt und Landkreis. Landrat Thomas Eichinger sieht Obdachlosigkeit als Aufgabe der Gemeinden. Der Landkreis könne lediglich koordinierend tätig werden, etwa bei der Ausgestaltung einer Genossenschaft mit Beteiligung der Kommunen. In eine ähnliche Richtung denken offenbar Landsberg, Kaufering und Penzing, wenn es um die Schaffung von Wohnraum für Obdachlose geht.

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