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Neue Volksmusik

15.05.2015

Melancholischer Alpen-Blues

Instrumente aus der Volksmusik, leise, melancholische Töne, skurril-poetische Texte, Wortspiele und Wortakrobatik, das ist Kofelgschroa: (von links) Matthias Meichelböck, Michael von Mücke, Maxi Pongratz und Martin von Mücke.
Bild: Thorsten Jordan

Kofelgschroa präsentieren Akustik-Sound und skurrile Texte

Die neue Volksmusikwelle hat auch das Landsberger Stadttheater längst erfasst, und dass dieser Musikstil etwas für Jung wie Alt ist, bewies das gemischte Publikum im ausverkauften Haus beim Konzert der Oberammergauer Kultgruppe „Kofelgschroa“. Ausverkauft, wie schon im Auftritt der vier im Stadttheater 2012, als sie noch kaum jemand kannte.

Dass die Gruppe ihre Fans im Publikum hatte, war daran zu spüren, dass Maxi Pongratz in seinen bayerisch-naiven Ansagen nur „äh“ zu sagen brauchte, und schon wurde gelacht. Also gut, ja, er steht schon so seltsam kraftlos da wie ein Erstklässler, genau wie die anderen, in ihren bunt gefärbten Klamotten und mit ihrem betont alternativ-lässigen Allgäuer Stil.

Was die vier auf der Bühne produzieren, ist leichter damit zu beschreiben, was es nicht ist. Es ist keine Partymusik. Es ist nichts zum Anheizen und Aufpeitschen wie La BrassBanda. Matthias Meichelböck (Tenorhorn, Posaune, Gesang), Michael von Mücke (Gitarre, Flügelhorn, Maultrommel, Gesang) Maxi Pongratz (Akkordeon, Gesang) und Martin von Mücke (Helikontuba) produzieren eine Art Alpen-Blues. Es klingt schon nach bayerischem Volkslied, aber manchmal auch nach Musette, und manchmal sogar nach Shanty oder Osteuropa. Die Musik von Kofelgschroa hat immer einen melancholischen Unterton, spielt meist in Moll, weckt Sehnsucht. Das gilt für die längeren Instrumentalpassagen. Wenn gesungen wird, wird der Hörer jäh aus seiner Verträumtheit gerissen. Die akustisch gut verständlichen Texte drehen sich um Alltägliches, Detailbeobachtungen, Banalitäten, die poetisch verpackt werden und damit skurril, schräg und rätselhaft wirken. Für diesen Stil steht das mittlerweile allseits bekannte „Wäsche“-Lied: „Die Wäsche trocknet an der Sonne, die Wäsche trocknet auch am Wind, die Wäsche trocknet auch am Licht, wie schön ist das eigentlich?“ Tja, wer weiß das schon. Gerne werden auch Wortspiele gemacht, wie „Leit do – leid do“ (Leute da, leidgetan). Und manche Texte sind durchaus auch anrührend, wie in „Dog“: „Mensch, wia schee war’s jetzt, wenn vierzehn Dog Zeit, zwoa Radl für di und mi und gor koan Plan, wo ma hifohrn …“

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Zum Genuss wird der Stimmeneinsatz von Matthias Meichelböck, Michael von Mücke und Maxi Pongratz mit dem für sie typischen Silbenkanon, wie in „Oberammergau“. Texte werden zerstückelt, zerhackt und dreistimmig rhythmisch versetzt im Stakkato rezitiert oder gesungen – das hat eine musikalisch höchst spannende Wirkung und erinnert fast schon ans Mantrasingen, nur dass es fetziger klingt.

Die gesamte Musik von Kofelgschroa wird getragen von den Tuba-Herzschlägen von Martin von Mücke. Wie ein Uhrwerk ist er die verlässliche Basis jedes Stückes, und man fragt sich, wann er eigentlich einmal Luft holt. Eine Besonderheit sind die Maultrommel-Improvisationen von Michael von Mücke. Das hört sich doch mal ganz anders an, Maultrommel-Meditation sozusagen.

Tobender Applaus entlockte den vier Oberammergauern noch drei Zugaben, wobei Michael von Mücke in „Von Graswang bis zum Ammersee“ ein denkwürdig schräges Gitarrensolo hinlegte. Akustische Instrumente aus der Volksmusik, leise, melancholische Töne, skurril-poetische Texte, Wortspiele und Wortakrobatik, das alles ist Kofelgschroa.

Aber das Ganze ist ja bekanntlich mehr als nur die Summe seiner Teile.

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