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Landsberg

25.05.2019

Mica Knorr-Borocco: Schon als kleines Kind wollte sie alles zeichnen

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4 Bilder
Die Malerin Mica Knorr-Borocco lebt in Utting und wird heute Abend mit dem Kulturpreis des Landkreises Landsberg ausgezeichnet. Die Malerei hat sie ihr ganzes Leben lang begleitet.
Bild: Thorsten Jordan

Heute bekommt die Malerin den Kunstpreis des Landkreises Landsberg überreicht. Sie feierte gerade einen runden Geburtstag.

„Gleich vorne in dem Spitz mit den hohen Tannen, da, wo der Kastenwagen steht“ – der Weg zu der Malerin Mica Knorr-Borocco führt über ein Suchspiel: Sie legt die Fährte in einem klar gezeichneten, inneren Bild, das es in der realen Welt, in einem der vielen kleinen, verschlungenen Uttinger Ortswege wiederzuentdecken gilt. In den Schatten alter Bäume geduckt, ein wenig von der Straße zurückversetzt, liegt dort das Haus, in dem sie nun schon seit vielen Jahren leb. Nicht eben groß, doch für sie alles in einem: Wohnort, Atelier und, trotz zahlreicher treuer Sammler und immer wieder öffentlicher Ankäufe, zum Bersten gefülltes Kunstdepot.

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Der visuelle Zugang zur Welt

Doch dieser auf unterhaltsame Weise „zielführender“ Lotsendienst zeigt Mica Knorr-Boroccos ganz eigenen, vor allem visuellen Zugang zur Welt.

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„Soll ich’s dir zeichnen?“, fragte sie schon als kleines Mädchen, immer wenn es darum ging, etwas zu erklären. Und bekritzelte mit flinker Hand unzählige Zettelchen mit ihren lebendigen, detailgenauen Skizzen. Die Malerei, erzählt die Kunstpreisträgerin 2019 des Landkreises Landsberg am Lech, habe sie von frühester Kindheit an und über alle Brüche in ihrem Leben hinweg begleitet.

Ausbildung am beschaulichen Bodensee

Ihre Begabung führte sie Ende der 1950er-Jahre vom beschaulichen Bodensee zum Studium in die Großstadt München, wo sie 1961 das Grafik-Diplom an der Meisterschule für Mode erwarb. Sie fand Anstellung in einer Werbeagentur und machte sich– den Auftrag eines weltweit renommierten Präzisionsglasherstellers in der Tasche – nur drei Jahre später selbstständig. Zum beruflichen Erfolg gesellte sich das Glück in der Liebe.

Von Inning nach Utting

Ein Bauprojekt ihres Ehemanns in Inning, das der junge Architekt eigentlich zur Vermietung vorgesehen hatte, führte die Familie, da schon mit Tochter Daniela, an den Ammersee. Großstadtbambule oder einfaches Leben auf dem Land, hier schieden sich die Ansichten der 68er-Bewegung. Das mittlerweile „echte Schwabinger Gewächs“ Mica entschied sich spontan für Letzteres und hatte in der neuen Bleibe zum ersten Mal den schon von der britischen Schriftstellerin Virginia Woolf Ende der 1920er-Jahre beschworenen, für die Entfaltung der Kreativität so wichtigen „Room of One’s Own“. Mit dem Laufstall direkt neben dem Tisch stieg Mica Knorr-Borocco jetzt in die freie Malerei ein, zeichnete, aquarellierte und entdeckte die neuen, schnell trocknenden Acrylfarben für ihre Arbeit.

Bei den Uttinger Reisemalern

Sie fand Anschluss an den Freundes- und Künstlerkreis um den Uttinger „Reisemaler“ und Zeichner Wolfgang Kubelka. Gemeinsam zogen sie hinunter an den See, holten sich dort ihre Inspiration und organisierten Ausstellungen. Die sportbegeisterte einstige Leichtathletin wandte sich der Aktzeichnung zu und fand darüber zu ihren großen Werkzyklen der Körper- und Bewegungsbilder.

Doch dann gab es einen dieser „Brüche, wie man sie in fast jeder Frauenbiografie findet“. Bei Mica Knorr-Borocco war es das Eheaus. Mit Kind und Koffern machte sie sich auf in eine ungewisse Zukunft. Und fand, vielleicht mit einem ihrer „klar gezeichneten inneren Bilder“, schließlich in Utting diesen Ort „gleich vorne in dem Spitz mit den (damals noch nicht ganz so) hohen Tannen“. Seitdem steht ihr Kastenwagen da, es sei denn, sie hätte ihn gerade wieder einmal bepackt und wäre damit auf dem Weg zu einer Ausstellung. Daran nimmt die Künstlerin, die gerade einen „runden Geburtstag“ – sie wurde 80 Jahre alt – gefeiert hat und in letzter Zeit einige gesundheitliche Rückschläge hinnehmen musste, nach wie vor regelmäßig teil. „Natürlich mit neuen Arbeiten, sonst hat man da nichts zu suchen“, urteilt sie streng. Für ihre Ausstellung anlässlich der Preisverleihung heute Abend im Landratsamt macht sie eine Ausnahme: “Das ist eine kleine Retrospektive mit ausgewählten Arbeiten aus verschiedenen Werkserien, die teilweise bis zu zwanzig Jahre zurückreichen.“ Unter anderem zeigt Mica Knorr-Borocco ihre eindrucksvollen Landschaftsbilder, aber auch Straßen- und Caféhausszenen sowie ihre Auseinandersetzung mit dem Thema „Frau“ in der unmittelbaren Gegenüberstellung historischer Darstellungen und zeitgenössischer Selbstinszenierung.

Dem bevorstehenden „Trubel um ihre Person“ sieht Mica Knorr-Borocco eher skeptisch entgegen: „Peinlich, dass man da so steht“, wirkt sie fast ein wenig verlegen.

Termin Die Preisverleihung ist am heutigen Samstag am 19 Uhr im Sitzungssaal des Landratsamtes.

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