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Landsberg

30.12.2019

Mit Glücksschweinchen aus Landsberg ins neue Jahr

Das kleine Schweinchen wird in der Landsberger Bäckerei Manhart aus Marzipanrohmasse (angereichert um Puderzucker) mit der Hand geformt.
Bild: Thorsten Jordan

Plus An Silvester geht es darum, seinen Lieben und den Freunden alles Gute fürs nächste Jahr zu wünschen. Glücksbringer bieten sich dazu als Geschenk an. So entstehen rosa Marzipantierchen & Co. in Landsberg.

Sie sind rosa, putzig, schmecken süß und bringen Glück: kleine Schweinchen aus Marzipan. Michael Gerum, der Inhaber der Landsberger Bäckerei Manhart, erklärt dem LT, wie diese Tierchen gefertigt werden. In den Manhart-Auslagen liegen als weitere Glücksbringer auch Hefeschweine. Auch Glücksklee wird zu Silvester gerne verschenkt. Gärtner Robert Geier erzählt, was es mit diesem Brauch auf sich hat. Einen Kaminkehrer zu berühren, soll ebenfalls Glück bringen. Ob es dazu eine Gelegenheit geben könnte an Silvester oder Neujahr – das LT hat bei Marc Ullius nachgefragt.

Die Marzipanrohmasse kommt aus Lübeck

Für den rosa Glücksbringer mit der charakteristischen Schnauze sei Marzipanrohmasse das Ausgangsmaterial, und die komme aus Lübeck, erzählt Bäcker- und Konditormeister Michael Gerum. Diese werde mit etwas Puderzucker angereichert und auf etwa zwei Zentimeter ausgerollt. „Wir schneiden sie dann mit einer sogenannten Harfe, die ein bisschen mit dem Prinzip eines Eierschneiders vergleichbar ist, längs und quer in gleich große Quader“, sagt der 61-Jährige. Aus dem rund 50 Gramm schweren Quader werde eine Kugel gerollt, die dann – weiter in beiden Händen gehalten – birnenförmig verjüngt wird.

Viele Glücksschweinchen auf dem Blech: Bei der Bäckerei Manhart fertigen Michael Gerum und Sohn Fabian Hefeteiggebäck mit eine tierischen Anlitz. 
Bild: Thorsten Jordan

Die Nase werde abgeflacht, Nasenlöcher mit einen Rundstab eingedrückt, der Mund mit einem Messer geschnitten und mit dem Marzipan-Modellierstab Augenhöhlen geschaffen. Tropfenförmige Marzipanteilchen werden als Ohren angesetzt und Augen aus Puderzuckerglasur und Schokolade gesetzt.

Mit Glücksschweinchen aus Landsberg ins neue Jahr

Halbierte Mandeln dienen als Füße

Als Füße dienen halbierte Mandeln. Und ein Ringelschwänzchen wird natürlich auch angesetzt. Damit das Tierchen auch rosa aussieht, wird es laut Michael Gerum mit Lebensmittelfarbe besprüht. Zum Abschluss bekommt es noch einen Glücksklee aus Pappe ins Maul gesteckt und werde in Zellophan eingepackt. Wie lange dauert es, so ein Marzipanschweinchen zu formen? Das kann Michael Gerum schwer sagen, denn die Arbeitsschritte werden von unterschiedlichen Mitarbeitern vorgenommen, damit die jeweiligen Körperteile und schlussendlich die Tiere möglichst gleich aussehen.

Ein bisschen dauert es nach Gerums Erfahrung, bis ein Anfänger das Schweinchenmodellieren in den Griff bekommt, „aber nach einer Saison kann das der Auszubildende.“ Michael Gerum hat die Marzipantierchen übrigens selbst gerne als Dekoration daheim „und als Nachspeise“. Er rät dazu, sie bereits an Silvester oder an Neujahr zu essen. Denn frisch schmecke Marzipan am besten.

Auch dieses Hefeschweinchen ist ein kleiner Glücksbringer, der zum Jahreswechsel verschenkt werden kann.
Bild: Thorsten Jordan

Mit der Produktion der Marzipanschweine wird bei der Bäckerei Manhart eine Woche vor Weihnachten begonnen. Schweinchengesichter aus Hefe gibt es dagegen erst zum 27. Dezember. „Sie werden jeden Tag frisch gemacht“, erzählt Gerums Frau Sigrid. Das Prinzip: Ein Hefeteig wird ausgerollt, ein Rund ausgestochen und mit Nussfüllung belegt. Darauf kommt wieder ein rundes Hefeteigteilchen und obenauf noch ein Rund als Schnauze, Ohren und Augen: Das Resultat ist ein Schweinegesicht. „Sie werden jeden Tag frisch gemacht“, sagt Michael Gerum.

Vor allem etwas fürs Auge sind die vierblättrigen Glücksklees. Robert Geier verkauft im gleichnamigen Gartenfachmarkt in Weil Dekotöpfchen mit den floralen Glücksbringern. „Wir erwerben sie von speziellen Betrieben, die darauf spezialisiert sind.“ Laut Geier handelt es sich um Züchtungen von Sauerklee.Wie weit die Tradition zurückreicht, Glücksklee zum Jahreswechsel zu verschenken, kann der Firmeninhaber nicht sagen. „Ich mache es seit über 30 Jahren“, erzählt der 57-Jährige, und der Glücksklee sei immer schon da gewesen.

Der vierblättrige Klee ist seit alters her ein Glückszeichen

Laut Wikipedia gilt Glücksklee seit alters her als Glückszeichen, gemeint seien aber eigentlich Blätter von Trifolium-Kleearten, wie beispielsweise Weißklee, bei denen vier Blätter nur ausnahmsweise vorkommen – im Gegensatz zu der speziellen vierblättrigen Sauerkleeart (Oxalis tetraphylla). Robert Geier kennt vierblättrige Kleeblätter auch aus der Natur. „Vor allem meine Mutter hatte einen Blick dafür“, erinnert er sich an Waldspaziergänge, bei denen die Mutter die Blätter heimbrachte und dann trocknete.

Gibt es die Chance, an Silvester oder Neujahr einem Kaminkehrer, der ebenfalls als Glücksbringer gilt, zu begegnen? Marc Ullius aus Igling, dessen Kehrbezirk Landsberg-West ist, wird auf jeden Fall nicht unterwegs sein, sondern erst wieder ab 7. Januar. Und er glaubt, dass es auch seine Kollegen so halten. Und wenn, dann werde höchstens eine Heizung kontrolliert und dabei habe man nicht das Rußgewand an.

An den goldenen Knöpfe des Rußgewands drehen

Während des Jahres erlebt der 48-Jährige aber immer wieder, wenn er in der schwarzen Kaminkehrerkluft unterwegs ist, dass Menschen ihn berühren oder an den goldenen Knöpfen des Rußgewands drehen, da dies Glück bringen soll. Früher hätten noch mehr Leute so reagiert, erzählt er aus seiner 30-jährigen Berufserfahrung.

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