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Landsberg

16.02.2015

Mit Worten um die Welt

Sie ist so etwas wie ein Superstar in der Poetry-Slam-Szene: Sierra DeMulder, 28, aus den USA trat jetzt in Landsberg auf.
Bild: Julian Leitenstorfer

Sierra DeMulder ist eine der erfolgreichsten Poetry-Slammerinnen der USA. Jetzt machte sie in Landsberg Station – und hat gleich ihr Herz für die Stadt entdeckt

Eigentlich will sie sich nicht einschleimen, sagt Sierra DeMulder. Aber Landsberg sei tatsächlich bisher die schönste Station auf ihrer Deutschlandreise, „so viele nette Gassen, der Fluss, die kleinen Geschäfte“. Zugegeben, viel von Deutschland hat die Amerikanerin bisher noch nicht gesehen, aber immerhin war sie schon in München und Ulm, die Konkurrenz war also durchaus groß.

Die 28-Jährige reist im Moment durch Süddeutschland, um ihren Gedichtband „New Shoes on A Dead Horse“ vorzustellen. Am Freitagabend hat sie im Landsberger Stadttheater Station gemacht. Eingeladen hat sie Ko Bylanzky, der mit seinen Poetry Slams regelmäßig das Theater füllt. Poetry Slam – das ist ein Wettstreit, bei dem Dichter und Wortakrobaten gegeneinander antreten und selbst verfasste Texte vortragen. Am Ende entscheidet das Publikum mit seinem Applaus, wer gewonnen hat.

In dieser Szene ist Sierra DeMulder so etwas wie ein Superstar. Zwei Mal hat sie in den USA den National Poetry Slam gewonnen, sie kann vom Dichten und Slammen leben, erzählt sie in Landsberg. Vor ihrem Auftritt hat sie sich ein wenig Zeit für das Gespräch mit dem LT genommen. Sie wirkt schmal und zart, als sie an einem Tisch im Foyer Platz nimmt, ein bisschen erkältet ist sie wohl auch, die letzten Tage waren anstrengend. Vor rund zehn Jahren, erzählt sie dann, habe sie mit dem Dichten angefangen – vor allem, um die Dinge zu reflektieren, die sie bewegen, die ihr wichtig sind. Nach und nach wurde sie bekannter, gewann einige Wettbewerbe. Heute gibt sie auch Kurse, unterrichtet bei Sommercamps an amerikanischen Universitäten und tourt mit anderen Slammern durch die USA und nun auch durchs Ausland. „Für mich ist es ein Traum, der wahr geworden ist“, sagt DeMulder. Das Dichten, ihre Leidenschaft, hat sie um die Welt gebracht. Im Anschluss an ihre Poetry-Slam-Tour will sie noch auf eigene Faust weiterreisen, nach Budapest, Wien und Bratislava.

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An diesem Abend steht sie aber erst einmal im Landsberger Stadttheater auf der Bühne. DeMulder tritt außer Konkurrenz auf. Sie hat für das deutsche Publikum Gedichte ausgewählt, die universal sind, „die jeden ansprechen, egal ob er in den USA oder Deutschland lebt“. Da geht es zum Beispiel um ihren Großvater, der unter Demenz litt und vor Kurzem gestorben ist. „Dementia is the body’s longest goodbye“, des Körpers längster Abschied, sagt sie. Und plötzlich treibt diese schmale, zarte Frau den Zuhörern mit ihren Worten fast Tränen in die Augen und Kälte auf die Haut.

Sie kann sehr kraftvoll sprechen, sehr erhaben, feierlich und beschwörend. Sie kann aber auch sehr leise werden, nachdenklich und verletzlich. DeMulder spielt mit ihrer Stimme, mit ihrer Ausstrahlung. Sie könnte auch deutlich belanglosere Dinge erzählen, und man würde ihr wahrscheinlich trotzdem zuhören. Ihren Erfolg macht allerdings etwas anderes aus: Dass die Dinge, die sie erzählt, alles andere als belanglos sind.

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