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13.03.2009

Mit Zuckerbrot und Blumen

Fuchstal Die großen Ikonen sind tot, ihre Erben leben. Die Kunst der Sechziger und Siebziger, Pop Art, Serigrafie als künstlerische Ausdrucksform haben Bestand im neuen Jahrtausend. In diesem Weiter liegt der Motor, die Weiterentwicklung einer bis damals ungesehenen, damals revolutionären Kunstform im Heute. Eine solche Erbin ist Carmen Miller. In ihren frischen Bildern und Objekten nutzt sie Formen und Formales auf eine ihr eigene Art, füllt beides mit heiterer Ironie und dekonstruktivistischen Elementen. Die junge Münchnerin stellt bis Ende März in einer großen Bandbreite an Darstellungsarten "Grafik und Grafisches" in der Fuchstalgalerie aus.

Ihr Interesse gilt der Form. So prägt nicht der Inhalt die Form, sondern die Form ist Inhalt. Carmen Miller arbeitet nach Fotos, eigenen Skizzen und mit PC-Verfremdungen, die sich durch wiederholte Überarbeitung von ihrem Ursprung um mehrere Generationen entfernen. So werden Distanz und Nähe - gewollt oder ungewollt - auf eine Weise Themen der Ausstellung.

Eine Distanz zum Gesehenen

Am Anfang steht die Distanz zum Gesehenen, die die Künstlerin selbst mit ihren Werken schafft. Sie findet sich in den fragmentarisch zusammengesetzten Blumen der Bilder, die in der Halle hängen. Eine Zersplitterung der Formen verfremdet die abgebildeten Urbilder. Wie durch ein Kaleidoskop betrachtet springen die Blüten von Orchideen und Dahlien auseinander - der Spiegel der Welt, zersprungen und von Miller neu zusammengefügt.

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In der betont grafischen, meint, beschreibenden, Darstellung Carmen Millers, liegt nur scheinbar eine Distanz zur Malerei. Gerade durch die Glättung der Flächen und die Aufsplitterung der ursprünglichen Beschaffenheit entsteht ein malerischer Raum. Wiederum erst durch die räumliche Entfernung zum Bild, die hier in Asch in der langgestreckten Gewerbehalle möglich wird, entsteht die eigentliche Tiefe; durch die Distanz des Betrachters fügen sich die Bilder zu einem Ganzen. Auch die floralen, farbintensiven, fast comicartig anmutenden Laubsäge-Objekte gewinnen an Vielschichtigkeit durch ihre verschiedenen Ebenen und die Schatten, die sie an die Wände werfen.

Die im Siebdruck verzierten Zuckerbrote, Eat-Art, die Carmen Miller mit ihrem Kollegen Matthias Bausch zusammen zunächst für die Jahresausstellung 2001 der Münchner Akademie der Künste konzipierte, hat sie auf verschiedenen Ausstellungen gezeigt. So auch hier in Asch. Kunst in Fast-Food-Zellophan, zum Mitnehmen, zum Essen (oder lieber nicht?), in der Bäckertüte, hat einen überraschenden Moment, zeugt von Witz. Es verbindet Altbekanntes - Toastbrot - mit Neuem, es hinterfragt Sehgewohnheiten, Konsumverhalten, auch den Kunstmarkt. Und ist schnell gekauft. Wieder scheinen Varianten von Verfremdung und Distanz, von Bekanntem, Nahem hindurch.

Wie auch in der durchwegs mit wenigen Linien und Farbflächen strukturierten, plakativen Siebdruck-Serie, die in einem kleinen Nebenraum zu sehen ist. Wenige und klare grafische Elemente wecken sofort Assoziationen.

Am Ende ist es die Distanz, die einen unverstellten Blick aufs Tatsächliche ermöglicht, im besten Fall wie hier mit einer Spur von Humor hinter all dem und einem sicheren Gefühl für Form und Farbe.

Termine: Die Ausstellung in der Gewerbestraße 15 in Asch dauert noch bis zum 29. März . Öffnungszeiten: Mittwoch 16 - 19 Uhr, Samstag und Sonntag 10 - 12 Uhr, oder nach Terminvereinbarung unter der Telefonnummer: 08243 - 3489.

Mehr über die Künstlerin und ihr Werk finden Sie auch unter:

www.carmenmiller.de

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