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Landkreis Landsberg

15.11.2019

Mit der Bodycam gegen Verbrecher: Jetzt filmt die Polizei

Ab sofort sind auch die Beamten der Polizei Landsberg mit Bodycams im Einsatz. Im Bild: Polizeikommissarin Julia Siebert.
Foto: Julian Leitenstorfer

Plus Seit einigen Wochen hat die Polizei in Landsberg sogenannte Bodycams. Ab sofort können Beamte im Einsatzdienst damit Gewalttaten aufzeichnen. Warum die Filmdateien streng geschützt werden.

Rechts auf der Sicherheitsweste von Polizeikommissarin Julia Siebert steht der Schriftzug „Polizei“, auf der linken Seite „Video Audio“. Darüber ist ein kleines gelbes Kästchen angebracht: Es ist eine sogenannte Bodycam. Ab sofort können die Beamten der Polizeiinspektion (PI) Landsberg ihre Einsätze mit den kleinen Videokameras dokumentieren. Vor allem in brenzligen Situationen, wenn Gewalt im Spiel ist, kommt die Bodycam zum Einsatz. Werden Bürger, die mit der Polizei Kontakt haben, jetzt generell gefilmt? Wir haben nachgefragt.

„Die Bodycams sollen verhindern, dass die Kollegen im Einsatz angegriffen werden“, sagt Frank Brosch. Der Polizeihauptkommissar ist derzeit stellvertretender Leiter der PI Landsberg und hat die Kollegen in den vergangenen Wochen im Umgang mit der Bodycam geschult. Die Gewalt gegen Polizeibeamte hat 2018 einen neuen Höchststand erreicht. Laut Statistik des Innenministeriums gab es im Freistaat 7689 Fälle von physischer und psychischer Gewalt. Nicht nur deshalb wurden nach Pilotversuchen in den Großstädten im Sommer diesen Jahres insgesamt rund 1400 Geräte im gesamten Freistaat ausgeliefert.

Die Bodycam soll abschreckend wirken

Im Einsatzfall können die Beamten die Kamera, die im Schulterbereich befestigt wird, aktivieren und so das Geschehen in unmittelbarer Nähe dokumentieren. Dass die Geräte nicht nur Beweismaterial in Videoform schaffen sollen, sondern vor allem präventiven Nutzen haben, davon ist Brosch überzeugt: „Wenn jemand mit einem Handy in der Öffentlichkeit filmt, regen sich Leute schnell auf, und das wirkt abschreckend.“ Genau so sollen potenzielle Täter von Gewalttaten abgeschreckt werden. „Wir setzen auf Abschreckung durch Dokumentation. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte und ein Film spricht Bände“, erklärt dazu Michael Strohmeier, der kommissarische Leiter der PI Landsberg.

Allerdings haben sich Beamten an einige Regeln zu halten. „Die Kamera ist prinzipiell aus und wird erst bei einem entsprechenden Einsatz aktiviert“, erklärt Frank Brosch. Die Bodycam verfüge über zwei Funktionen. Die erste ist eine sogenannte Pre-Recording-Funktion. Das bedeutet: 30 Sekunden wird aufgezeichnet und dann gleich wieder überschrieben. Währenddessen kann der BEamte entscheiden, ob er die Kamera in Daueraufzeichnung schaltet "Und das wird dem Gegenüber angekündigt.“

Ab sofort sind auch die Beamten der Polizei Landsberg mit Bodycams im Einsatz.
Foto: Julian Leitenstorfer

Beim ersten Modus leuchtet ein grüner Ring auf der Bodycam, bei der Daueraufzeichnung wird dieser Rot. „Das Gegenüber sieht also immer, was passiert“, so Michael Strohmeier. Was nicht erlaubt sei, sei zum Beispiel das Betreten von Wohnungen mit laufender Kamera. Erst bei einer konkreten Situation dürfe das Gerät eingeschaltet werden. Ebenso sollen die Bodycams nicht bei einer regulären Verkehrskontrolle laufen. „Ausnahme: Jemand würde sich der Kontrolle entziehen wollen“, so Strohmeier.

Die Kamera hat zwei Funktionen

Bislang gab es in Landsberg einen Einsatz der Bodycam. Als ein aggressiver Mann kontrolliert werden sollte, kam es zu einem Übergriff auf die Beamten. Und diese Situation wurde von den Bodycams der Streife aufgezeichnet. Und was passiert danach? Müssen sich Unbeteiligte im Umfeld eines Polizeieinsatzes Sorgen machen, dass sie auf den Videos zu sehen sind? Nein, betonen Michael Strohmeier und Frank Brosch. „Die Bodycams zeichnen nur im direkten Umfeld des Beamten auf. Zu sehen ist nur das, was auch der Beamte direkt vor sich sieht.“

Zivilstreifen dürfen die Bodycam nicht tragen

Auch bei der Auswertung der Daten würden strenge Datenschutzrichtlinien gelten. Das Auslesen der Daten erfolge mittels speziellen Geräten auf der Dienststelle. Diese würden auf einem internen Server abgelegt. Jeder Zugriff auf eine Datei werde auch dokumentiert. „Derjenige, der gefilmt wurde, kann sich sicher sein, dass die Daten streng geschützt sind. Er braucht sich keine Sorgen machen, dass der Film weitergegeben wird. Es gibt bei uns kein Best-of Bodycam beim Jahresabschluss“, sagt der kommissarische Dienststellenleiter. Verstöße könnten polizeiintern sogar mit bis zu 500 Euro Strafe geahndet werden. Auch die Speicherdauer ist genau geregelt.

Frank Brosch findet den Einsatz der Bodycam sehr positiv und spricht von einem deeskalierenden Hilfsmittel. „Auch die Staatsanwaltschaften und Gerichte sind sehr froh. Wenn man vor Gericht eine Gewalttat wirklich sieht, ist es etwas anderes.“ Übrigens: Die Bodycam darf nur von einem uniformierten Beamten getragen werden. Ein verdeckter Einsatz bei einer Zivilstreife ist nicht erlaubt.

Lesen Sie dazu auch:So darf die Polizei in Bayern die 1400 Bodycams einsetzen

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