Newsticker

Neue Corona-Strategie: Spahn plant Fieberambulanzen für die kalte Jahreszeit
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Mit der Kamera durch den Garten

Virtueller Rundgang

23.06.2020

Mit der Kamera durch den Garten

Virtueller Rundgang durch den Garten von Familie Hänel in Rott: Fotograf Christian Lorenz, Monika Sedlmaier, Christian Hanglberger (Vorsitzender Kreisverband für Gartenbau und Landespflege) und Susann Huttenloher.
2 Bilder
Virtueller Rundgang durch den Garten von Familie Hänel in Rott: Fotograf Christian Lorenz, Monika Sedlmaier, Christian Hanglberger (Vorsitzender Kreisverband für Gartenbau und Landespflege) und Susann Huttenloher.

Der Tag der offenen Gartentür im Landkreis Landsberg ist abgesagt. Als Alternative dreht der Kreisverband für Gartenbau und Landespflege einen Film

An den Alpen braut sich ein Gewitter zusammen, doch über dem Garten von Christa und Rüdiger Hänel in der Alpenstraße in Rott steht noch die Sonne. Unzählige Insekten wie Wild- und Honigbienen sowie Schmetterlinge werden an den reich gedeckten Tisch gelockt, den die beiden Hobbygärtner ihnen auf 1500 Quadratmetern bereitet haben. Mittels Drohne und Videokamera wird der Garten in dieser Szenerie erfasst. Und das hat einen einfachen Grund.

Der Garten, der geradezu im Blütenüberfluss schwelgt, wäre einer der fünf Gärten gewesen, die Besucher am Tag der offenen Gartentür am 14. Juni hätten besichtigen können. Wie so viele Events wurde jedoch auch dieses vom Veranstalter, dem Bezirksverband Oberbayern für Gartenkultur und Landespflege, coronabedingt abgesagt. Für die Durchführung vor Ort zuständig sind die Kreisfachberaterinnen im Landratsamt, Susann Huttenloher und Monika Sedlmaier. Alle drei Jahre nimmt der Landkreis Landsberg an der beliebten Schau privater Gärten teil. Drei Jahre soll nach dem Ausfall heuer jedoch nicht gewartet werden: Schon 2021 will Landsberg die Veranstaltung nachholen und hofft darauf, dass die Gärten von 2020 bei der Stange bleiben.

Bis dahin wollen die Kreisfachberaterinnen zumindest virtuell Einblick in ein Gartenparadies geben und sind deshalb mit Fotograf Christian Lorenz vor Ort, der mittels Drohne aus der Luft und mit der Kamera bei einem Gartenstreifzug die schönsten Impressionen einfängt, die demnächst als Film auf der Webseite des Landratsamts zu sehen sein werden.

Mit der Kamera durch den Garten

Das Projekt, das auch genutzt werden soll für die Zertifizierung als Naturgarten, wird zu gleichen Teilen vom Kreisverband sowie vom Landratsamt finanziert, erklärt Huttenloher und verweist auf eine weitere Möglichkeit, sich Gärtnerwissen anzueignen: Drei Gärten im Landkreis, neben dem der Hänels in Rott auch welche in Igling und Apfeldorf, sind permanent offen und können nach Anmeldung besichtigt werden.

Vom Schliersee nach Rott gekommen, haben die Hänels 1986 ihr Haus gebaut, den Garten angelegt, erst am Haus und später auf einem weiteren Stück westlich davon. Das Haus ist mittlerweile fast unsichtbar, die Natur hat es wie bei „Dornröschen“ eingewachsen. Statt Gabionen bilden Büsche, unterpflanzt mit Stauden und überwuchert von Clematis, einen Sichtschutz und gleichzeitig einen Lebensbereich für viele Tiere.

Über vier Meter hoch wuchern Ramblerrosen in allen Farben an Pfählen. Frei im Garten stehend, an Balkon und Terrasse, in den Beeten oder an Rosenbögen – wohin das Auge blickt: Rosen, Rosen, Rosen – und Clematis. Die pflanzen die Hänels gern, um die „kahlen Beine“ der hoch aufschießenden Rosen zu kaschieren. Und natürlich wegen ihres Farb- und Blütenreichtums. Daneben drängen sich viele Stauden wie Rittersporn, Fackel- und Taglilien, Katzenminze, Wiesenraute, Leinkraut, Akelei, Glockenblumen und Pfingstrosen – sogar gelbe sind darunter. Als Bodendecker fungieren Thymian und Rosenmeister, heiß begehrt bei den Honigbienen, die in acht Stöcken im Garten gehalten werden, aber auch Storchschnabel, Nelken und Frauenmantel.

Diese Bodendecker und die drei Laufenten, die ab und zu unterstützt werden von Nachbars Hühnern, sind das Geheimnis der Hänels, Unkraut und Schnecken in Schach zu halten. „Ein üppiger Bewuchs ist besser als mulchen“, weiß Christa Hänel (64). Unkraut darf sein, aber nur in Maßen, denn „einen Garten zu pflegen, heißt Platz schaffen für Nutz- und Zierpflanzen“, ergänzt ihr Mann Rüdiger (67). Weder Schneckenkorn noch andere Schädlingsbekämpfungsmittel kommen zum Einsatz, es wird Wert auf Artenvielfalt und ökologische Wertigkeit gelegt.

Rüdiger Hänel erinnert beim Gartenrundgang daran, dass die Flächen der Gärten in Deutschland größer als die Naturschutzflächen seien und somit Teil eines Netzwerks an Biotopen. Christa Hänel schätzt an ihrem Garten insbesondere das Kleinklima: Der üppige Bewuchs sorgt für Kühle und Frische. „Wir sitzen auch noch bei 35 Grad in unserem Garten, wenn andere hinter ihren Jalousien schwitzen.“

Entlang der in die blütenreiche Wiese eingestreuten Blumeninseln, eingefasst mit Tuff- oder Granitsteinen, geht es zum Ententeich mit Rosmarinweide, der auch von Fröschen geschätzt wird, zum mit gelber Clematis eingewachsenen Entenhaus und zum Teich an der Terrasse. Kirsch-, Birn- und Apfelbäume lassen auf einen guten Ertrag hoffen. Paprika zieren die Balkonkästen, im Gewächshaus reifen die Tomaten und auf einem Acker bei Pessenhausen das Gemüse: Familie Hänel lebt ein Leben in und mit der Natur.

Was in ihrem Garten allerdings fehlt, sind die Liegestühle. Den Garten genießt das Ehepaar am liebsten beim Arbeiten oder auf der schattigen Hausbank.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren