1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Mit der blauen Donau ins neue Jahr kommen

Landsberg

31.12.2019

Mit der blauen Donau ins neue Jahr kommen

In der Tanzschule Payer in Landsberg ist der klassische Paartanz noch angesagt.
Bild: Julian Leitenstorfer Photographie

Plus Große Bälle zum Jahreswechsel waren früher üblich und Walzerklänge um Mitternacht ein Klassiker. Aber es gibt noch Tanzgelegenheiten, auch in Landsberg.

Mit dem Donauwalzer ins neue Jahr hineintanzen – ein Klassiker, um in den 1. Januar zu starten. Doch die Möglichkeiten werden immer geringer, es gibt kaum noch Bälle, auf denen Gesellschaftstänze gepflegt werden. Aber es gibt immer noch viele Menschen, die Tango, Foxtrott und Co lieben. Das Landsberger Tagblatt war bei einem Tanzabend des Tanzcenters Payer in Landsberg und hat mit dem Chef und seinen Gästen gesprochen.

Ein freundlicher Raum, gedämpftes Licht, an der Seite eine Bar, mehrere Tische und eine Tanzfläche, die von einer Spiegelwand abgeschlossen wird: Bis gegen 20 Uhr füllen sich die Tische, Günter Payer, der Inhaber der Tanzschule und am heutigen Abend DJ, öffnet auch den zweiten Saal. Tanzabende können auch von Externen besucht werden, sie sind aber primär ein Angebot für Payers Tanzschüler.

Helga und Jens Trinczek tanzen schon seit sechs Jahren in der Tanzschule Payer.
Bild: Julian Leitenstorfer Photographie

Der Beruf ließ wenig Zeit, um tanzen zu gehen

Lucia Schwarz aus Wiedergeltingen trägt ein kleines Schwarzes, ihre Tanzschuhe haben Strassverzierungen. Die 60-Jährige hat mit ihrem Mann Thomas 2015 wieder mit dem Paartanz angefangen. „Ich habe als Jugendlicher einen Tanzkurs gemacht“, erinnert sich Thomas Schwarz, und man habe über die Jahre etwas Discofox getanzt. Zwei bis drei Mal die Woche gingen sie zum Tanzen, erzählen die zwei. Jens und Helga Trinczek aus Kaufering sind seit 2013 bei Payer dabei. Der 53-Jährige machte zwar auch als Jugendlicher einen Kurs, aber dann kam die Phase der Berufstätigkeit und es war keine Zeit mehr. Was ist der schönste Tanz? „Tango Argentino“ kommt sofort als Antwort. Im September hätten sie auch sehr die Tanznacht in der Mittelschule Landsberg genossen. Nur der Boden sei ungeeignet gewesen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lucia und Thomas Schwarz haben 2015 wieder mit dem Paartanz angefangen.
Bild: Julian Leitenstorfer Photographie

Das Vergnügen in der Tanzschule beginnt früher als in der Disco

Alexander Teetzmann aus Igling ist 20 Jahre alt, er hat zweieinhalb Jahre Tanzkurs gemacht, studiert mittlerweile in einer anderen Stadt und nutzt jetzt die Weihnachtsferien, um hier zu tanzen. Das Ehepaar Ina und Uwe Lerbs aus Türkheim bedauert, dass es wenig Gelegenheit gibt, abends zum Paartanz zu gehen. Ina Lerbs hat ihren Sohn Stefan Schindler dazu angehalten, als Jugendlicher einen Kurs zu machen, „zur Jugendweihe“ wie der 32-Jährige erzählt. Die Familie stammt aus Chemnitz. Nun lernt Stefan Schindler seit einem halben Jahr erneut Tanzschritte, und Tanzpartnerin Tanja Schwarz (29) verrät, warum sie hier sind: „Weil’s Spaß macht.“ Der Vorteil gegenüber Diskothek oder einem Club: Das Tanzvergnügen geht schon um 19.30 Uhr los und nicht erst zu später Stunde. Wie kam eigentlich Günter Payer zum Tanzen? „Ein Freund nahm mich als Jugendlicher in eine Münchner Tanzschule mit. Beim Silvester-Tanzabend der Tanzschule wird Payer voraussichtlich auch um Mitternacht den Donauwalzer auflegen.

In den 1970er-Jahren begann der Niedergang des Paartanzes

Aktuell lernen 300 bis 350 Erwachsene Gesellschaftstänze bei Günter Payer und seinem Team. Dazu kommen noch Jugendkurse an Schulen und Angebote wie beispielsweise HipHop/Streetdance. Bei den Standardtanzkursen für Jugendliche sinkt die Nachfrage etwas, sagt Payer. Er glaubt, dass die Eltern nicht mehr weitergeben, welche Wertigkeit Tanzen als gesellschaftliches Kulturgut hat. Der Niedergang des Paartanzes begann laut Payer in den 1970er-Jahren, als in Mode kam, in den Diskotheken alleine zu tanzen. 1987 sei mit dem Kinofilm „Dirty Dancing“ noch einmal ein großer Tanz-Boom entstanden. Payer weiß aber auch von einer großen Nachfrage beispielsweise für Seniorentanzabende. Auch die Tanzschule Payer konnte 2017 erweitern und unterrichtet jetzt in drei Sälen. Im Landsberger Stadttheater gab es vor mehr als zehn Jahren zwei Tanzfeste mit Payer – auf Initiative des damaligen Theaterleiters Heiner Brummel. Übrigens geht es bei der Tanzschule Payer nicht um Tanzsport, sondern um Social Dance, also Freizeittanz. Wer tanzen lernen will, kann einfach kommen. „Für Anfänger genügen ganz normale Alltagsschuhe.“

Tanzlehrer und DJ Günter Payer.
Bild: Julian Leitenstorfer Photographie

Freilich liegt in der Weitergabe von Tanzschritten auch ein höheres Ziel: Das Welttanzprogramm zählt auf Initiative des allgemeinen deutschen Tanzlehrerverbands (ADTV) zum immateriellen Kulturerbe: Walzer, Disco, Swing, Latino und Tango sind die musikalischen Überbegriffe des Welttanzprogramms, unter denen die verschiedenen Tänze zusammengefasst werden. „Tanzen nach dem Welttanzprogramm verbindet Geschlechter, Generationen, Nationalitäten, Religionen und soziale Schichten“, heißt es auf der Internetseite der Unesco-Kommission.

Ein paar Orte gibt es noch, wo getanzt werden kann

Diese theoretischen Betrachtungen werden für viele beim Weihnachtstanzabend wohl kaum im Vordergrund stehen, sondern der Spaß, den diese Bewegungsabläufe machen: Als mit einem langsamen Walzer der Tanz beginnt, streben sofort die ersten Pärchen auf die Tanzfläche.

Viele sind mittleren Alters, aber auch einige Jugendliche und junge Erwachsene tanzen mit sichtbarer Freude vor allem die schnelleren Tänze wie den Jive. Einige sind in Alltagskleidern gekommen, andere haben sich zurechtgemacht. Discofox ist beliebt, da auch Anfänger sich relativ leicht viele Figuren aneignen können.

Im Raum Landsberg laden auch einzelne Gaststätten zum Tanz. Beispielsweise im Gasthof Drexl in Schondorf, und auch die Seepost in Herrsching bietet an, mit dem Johann-Strauss-Walzer „An der schönen blauen Donau“, auf der Ammerseepromenade ins neue Jahr zu tanzen.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren