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Landsberg

28.01.2021

Mode in Landsberg: Alles muss raus, aber (fast) keiner kauft’s

Dominik Apostolopoulos bekommt schon die Ware für Frühjahr und Sommer, aber die Winterklamotten liegen noch im Lager.
Foto: Thorsten Jordan

Plus Modegeschäfte dürfen wegen des Lockdowns nicht öffnen. Drei Ladeninhaber aus Landsberg schildern ihre Probleme. Die derzeitige Schließung ist nur eines.

Während des Lockdowns müssen Modeläden geschlossen bleiben und machen kaum Umsatz. Sie haben aber noch ein viel weitreichenderes Problem: Seit dem Frühjahr 2020 laufen die Lager über. Die Inhaber vom Modehaus Hecht, von Huber Moden und von "Suzans" aus Landsberg erklären, warum ihnen der Lockdown noch mindestens ein Jahr lang das Leben schwer macht.

„Weil es Dezember war und Weihnachtsgeschäft, habe ich wie viele andere die Bestände noch einmal hochgefahren, um genügend Ware verfügbar zu haben“, erinnert sich Dominik Apostolopoulos an den letzten Monat des vergangenen Jahres. Er hat im Januar 2020 das Modehaus Hecht in Landsberg übernommen.

Wegen Lockdown haben Modeläden in Landsberg volle Lager

„Der Lockdown kam sehr unerwartet, dadurch waren die Lagerbestände viel höher als geplant, vor allem die Wintersaison-Ware.“ Der leichte Lockdown war entgegen allen vorherigen Ankündigungen doch verschärft worden und Modegeschäfte durften keine Kunden mehr einlassen.

„Das Lager wird nicht weniger und gleichzeitig wird die Sommerware ausgeliefert“, schildert Apostolopoulos sein Problem. Platz könne er zwar schaffen, aber es liege trotzdem viel gebundenes Kapital in Form der Winterware herum, das er eigentlich bräuchte, um die neuen Klamotten zu bezahlen. Außerdem könne er einige Artikel im Folgejahr nur noch reduziert verkaufen, weil sie dann nicht mehr so schön aussähen.

„Wenn wir noch im Winter öffnen dürfen, können wir noch etwas davon verkaufen“, sagt Apostolopoulos. „Wird es aber Frühjahr, müssen wir die ganze Winterware wegpacken und die Sommerware aufbauen.“ Vergangene Woche sei er in München gewesen und habe sich mit einigen seiner Lieferanten unterhalten. Die könnten den Händlern nur begrenzt entgegenkommen, weil sie selber mit vollen Lagern zu kämpfen hätten.

Landsberger Modehaus Hecht plant Einkäufe für Winter 2021

Im Modehaus Hecht beginnen gerade Planung und Einkauf für Herbst und Winter 2021, die ersten Liefertermine sind August, September und Oktober. „Es ist schwierig, weil wir nicht wissen, von welchem Lagerstand wir ausgehen sollen“, sagt Apostolopoulos. Derzeit nutzt der Inhaber die Zwangspause, um sein Geschäft zu renovieren – das habe ohnehin angestanden, erklärt er. „Finanziell werden wir auf jeden Fall weitermachen können. Wie das betriebswirtschaftlich mit einem Verlust aussieht, ist wieder etwas anderes.“

Mit „Click & Collect“ verkaufe er derzeit nur sehr wenig, als Herrenhaus sei es noch einmal schwerer als bei seinen Berufskollegen, die Damenmode im Sortiment haben. Der Umsatz reiche nicht aus, um sich über Wasser zu halten.

Ein wenig besser laufen die Geschäfte bei Suzan Gebert, Inhaberin des Damenbekleidungsgeschäfts Suzans in Landsberg. „Ich mache viel auf Instagram“, sagt sie. „Das funktioniert schon, aber die Leute kaufen jetzt auch, weil alles reduziert ist. Und man muss viel Zeit investieren.“

Click & Collect und Mode bestellen über Soziale Medien

Das Geschäft über das Soziale Netzwerk habe sie schon im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 gestartet und viel Arbeit hineingesteckt, damit es so gut laufe wie jetzt. Mit „gut“ meint Gebert, dass zwei oder drei, manchmal vier Kunden pro Tag vorbeikommen, um etwas abzuholen, einige weitere Bestellungen verschickt sie jeden Tag per Post.

Suzan Gebert betreibt den Modeladen Suzans in Landsberg. Auch sie hat wegen des Lockdowns ein volles Lager.
Foto: Thorsten Jordan

Auch sie ordert gerade die Herbstware. „Ich kann nicht richtig planen und das Budget ist nicht da“, sagt die Inhaberin. „Wir werden nicht besonders viel bestellen, weil kommenden Winter sicher noch einmal ein Lockdown kommt.“ Nur einige Wochen nach der Bestellung könne sie noch etwas stornieren. Wenn es im nächsten Winter noch ein Lockdown gebe, sei es zu spät und sie müsse die Ware abnehmen und bezahlen. „Aber wenn ich zu wenig bestelle und wir öffnen dürfen, komme ich auch nicht auf den Umsatz, den ich bräuchte.“ Nur bei manchen Herstellern könne man ein bisschen nachkaufen.

Momentan treffe nach und nach die Sommerware ein. Üblicherweise müsse Gebert innerhalb von acht bis 14 Tagen alles bezahlen. Diesmal zeigten sich manche Hersteller kulant, einer habe ihr eine Frist von 30 Tagen gesetzt. „In dieser Zeit muss ich aber einen Teil der Ware verkaufen, damit etwas Geld reinkommt. Das schaffe ich nur, wenn ich wieder öffnen darf.“

Huber Moden in Landsberg: großes Minus durch Lockdown

Das geht auch Sebastian Huber so, der das Geschäft Huber Moden in Landsberg betreibt. Für die Zeit seit Beginn des Lockdowns Mitte Dezember zieht er eine vernichtende Bilanz: „Wir haben ein großes Minus, mindestens 30 Prozent fehlen. Wenn das noch mal einen oder zwei Monate so weitergeht, können wir zusperren.“ Bei ihm kaufe kaum jemand mit „Click & Collect“ ein, etwa jeden zweiten Tag hole ein Kunde etwas ab. Und staatliche Hilfszahlungen gebe es bis jetzt noch keine. „Die Politiker müssen sich was einfallen lassen, sie können den Handel doch nicht so hängen lassen“, fordert er. „Sonst macht ja jeder zu.“

Sebastian Huber muss seine Winterklamotten stark reduziert verkaufen, damit das Lager wenigstens etwas leerer wird.
Foto: Thorsten Jordan

Auf die aktuelle Wintermode müsse er 40 oder 50 Prozent Rabatt geben, damit er wenigstens die Hälfte der üblichen Menge verkaufen könne. „Wir sind froh, wenn wenigstens das Lager leer wird.“ Sobald es wärmer werde, müsse er die Winterklamotten ins Lager räumen und könne sie in der nächsten Wintersaison nur noch reduziert verkaufen. „Ich mache das schon 50 Jahre, noch nie ist uns der Laden zugesperrt worden. Aber da müssen wir jetzt durch“, sagt er.

Huber verkaufe zwar auch über das Internet, aber nur wenig. „Wer etwas verkaufen will, muss bei Amazon ganz oben gelistet werden und dafür sind die Gebühren hoch“, erklärt er. Deshalb biete er dort nur einzelne Sonderposten an. „Amazon nimmt 20 Prozent vom Erlös, aber wenn man seine Ware los haben möchte, kann man sie fast nur da anbieten.“

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