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Dießen

26.11.2018

Nach Diebstahl auf Friedhof: Stahlhelm und Holzkreuz sind wieder da

Stahlhelm und Birkenkreuz des Dießener Ehrengrabs sind wieder da. Paul Blinia, Pfleger des Ehrengrabs, nimmt beides in seine Obhut.
Bild: Dieter Schöndorfer

Unmittelbar nach dem Bericht in unserer Zeitung: Die vom Ehrengrab in Dießen gestohlenen Gegenstände sind zurück. Ein Leser wollte dem Soldatenverein helfen.

Die Freude beim Soldaten-, Reservisten- und Kameradschaftsverein Dießen (SRK) ist groß. Der Weltkriegs-Stahlhelm und das schlichte Birkenkreuz, die vom Ehrengrab beim Mausoleum des Friedhofs St. Johann gestohlen wurden, sind wieder aufgetaucht. Nach dem Bericht im Landsberger Tagblatt vom Verschwinden der beiden Ehrensymbole für die im Ausland gefallenen und begrabenen beziehungsweise vermissten Soldaten der Marktgemeinde hat der unbekannte Dieb offenbar Reue gezeigt.

Die Vorgeschichte lesen Sie hier: Unbekannte plündern das Ehrengrab

Vor allem Paul Blinia, Zweiter Vorsitzender des Vereins, war aufgeregt wie selten zuvor. Er pflegte ehrenamtlich das Soldatengrab - und das mit Herz und Seele. „Ich denke, das sind wir den Vermissten und Gefallenen schuldig.“ Außerdem habe der Respekt vor einer solchen Gedenkanlage viel mit Wertvorstellungen zu tun, die er heute in zunehmenden Maß bei vielen Menschen vermisst. So sei der Schock auch groß gewesen, als er auf das Verschwinden von Kreuz und Helm aufmerksam gemacht worden war. „Wir hatten das selbst ja zunächst gar nicht gemerkt.“ Besonders schlimm fand er auch die Art und Weise, wie mit der Gedenkstätte umgegangen wurde. „Das Birkenkreuz war regelrecht umgetreten, der Stumpf steckt heute noch im Erdboden.“ Doch auch die übrige Grabanlage sei komplett zerstört.

Der LT-Bericht sorgt für eine schnelle Lösung des Falls

Nachdem auch Nachfragen bei Bauhof und Gemeindeverwaltung erfolglos waren, wandte sich Gerd Beyer, Luftwaffen-Oberst außer Dienst und Mitglied im Verein, an das Landsberger Tagblatt. Der Artikel über die Grabschändung, auch wenn in dem Grab niemand bestattet ist, zeigte dann die erhoffte Wirkung. Paul Blinia: „Gleich nach dem Erscheinen des Artikels am Samstag haben wir einen anonymen Anruf bekommen, dass sowohl Helm als auch Birkenkreuz zurückgegeben werden.“

Vorsitzender Jürgen Zirch hatte gegenüber dem LT ja erklärt, dass er auf eine Anzeige wegen Diebstahls verzichten werde, wenn die beiden Grabgegenstände wieder zurückgegeben werden. Er hegt keinen großen Groll gegen den oder die Unbekannten, hoffte aber auf deren schlechtes Gewissen. Allerdings, und auch darin macht er aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Wären die Dinge nicht zurückgegeben worden, hätten wir die Polizei eingeschaltet.“

Eine Anzeige ist jetzt nicht mehr nötig

Doch auch die LT-Leser verfolgten vor allem in den sozialen Medien die Geschichte vom Verschwinden von Helm und Birkenkreuz. Mathias Braunmiller aus Lengenfeld wandte sich sofort an unsere Zeitung mit einem Hilfsangebot. „Ich besitze eine Replika eines Wehrmachtshelmes.“ So sei dieser zwar nur ein Nachbau, allerdings würde er sich für das Dießener Ehrengrab gerne davon trennen.

Wie er zu dem Helm kommt? „Ich wollte einmal in Belgien an einem Reenactment teilnehmen und da hab ich mir bei eBay eine entsprechende Ausrüstung zugelegt.“ Reenactments sind Neuinszenierungen konkreter geschichtlicher Ereignisse in möglichst authentischer Weise. Dadurch soll Geschichte historisch verständlich und erlebbar gemacht werden.

So geht es mit der kleinen Gedenkstätte jetzt weiter

Mathias Braunmiller: „Als ich dann den Artikel las, tat mir das Vorgefallene für die Dießener sehr leid.“ Er selbst hat zwei Großväter, die beide den Zweiten Weltkrieg als Soldaten überlebt haben. Daher glaubt er nachvollziehen zu können, was solch eine Erinnerungsstätte all jenen Angehörigen bedeuten muss, die nicht so viel Glück der Rückkehr ihrer Väter, Brüder oder Söhne hatten.

Nun hatten aber der oder die unbekannten Diebe ein Einsehen und haben Kreuz und auch Stahlhelm zurückgebracht. Pauli Blinia: „So gegen 10.30 Uhr stand beides an der vergitterten Eingangstüre zum Mausoleum angelehnt.“ Dort, im Mausoleum, werden nun die Gedenksymbole den Winter über eingeschlossen verbringen. Jürgen Zirch: „Im Frühjahr wollen wir dann das Ehrengrab wieder herrichten.“ Dieses Mal soll jedoch die Grabeinfassung nicht mehr aus Holz, sondern aus Beton gestaltet, ebenso das Kreuz in einen Betonsockel integriert werden. Paul Blinia hofft außerdem, dass „die Leute der Anlage dann doch den Respekt erweisen, den der Gedenkort verdient hat“.

Lesen Sie auch unseren Kommentar: Ehrengrab: Mehr als ein schlichtes Kreuz

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