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Landkreis Landsberg

21.06.2019

Nach Keimbefall: 10.000 Einwohner müssen Trinkwasser abkochen

In einigen Landkreisgemeinden sollen die Bürger das Trinkwasser bis auf Weiteres abkochen. Denn es wurden coliforme Keime nachgewiesen, wie die Stadtwerke Landsberg am Freitag mitteilten.
Bild: Julian Leitenstorfer

Bei Proben werden an zwei Stellen Keime nachgewiesen. Vier Lechraingemeinden sind davon betroffen. Wie lange die Regelung mit dem Abkochen gilt.

Rund 10.000 Menschen in vier Lechraingemeinden sollen ihr Trinkwasser bis mindestens Anfang Juli abkochen, weil bei turnusgemäßen Untersuchungen coliforme Keime im Netz der Pöringer Gruppe gefunden worden sind. „Die Anforderungen an die Trinkwasserverordnung sind damit nicht mehr erfüllt, teilten die Stadtwerke Landsberg am Freitag mit. In Absprache mit dem Gesundheitsamt Landsberg wird das Abkochen empfohlen.

Betroffen sind Pürgen (mit den Ortsteilen Ummendorf, Stoffen und Lengenfeld), Schwifting, Penzing (mit den Ortsteilen Untermühlhausen, Oberbergen, Ramsach und Epfenhausen) sowie Weil (mit den Ortsteilen Geretshausen, Petzenhausen, Beuerbach und Pestenacker), wie Norbert Köhler, Technischer Vorstand bei den Stadtwerken Landsberg, informierte. Der Versorger kümmert sich um die Wassergewinnung. Die Leitungen gehören allerdings der Pöringer Gruppe. „Auffälligkeiten gab es laut Köhler im Rathaus von Pürgen und in der alten Schule in Ramsach.

Der Starkregen könnte eine Rolle spielen

Am Freitag waren drei Mitarbeiter der Stadtwerke unterwegs, um die Eintrittsstelle zu lokalisieren, so der Technische Vorstand. In jedem Hauptort und Ortsteil gibt es Entnahmestellen, an denen regelmäßig Kontrollen stattfinden. „Als eine erste Maßnahme habe wir die Quelle in Pitzling vom Netz genommen. Das Wasser fließt zwar nach wie vor ins Quellhaus, wird dann aber nicht ins Netz eingespeist, sondern in den Lech abgeleitet“, sagt Köhler auf Nachfrage. Er vermutet, dass die Verunreinigung des Wassers mit den Unwettern der vergangenen Wochen zusammenhängen könnte. Es gab mehrfach Starkregenereignisse und dazu noch das Unwetter am Pfingstmontag. „Das ist nur eine Vermutung, wir suchen noch nach der Ursache und fangen bei den wahrscheinlichsten Eintrittsstellen an. Es ist im Grunde wie bei der Fehlersuche in der Kfz-Werkstatt.“

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Köhler, der seit 30 Jahren bei den Stadtwerken ist, kann sich nicht erinnern, dass es einen Fall von der Größe schon mal gab. Ende Mai diesen Jahres mussten die Einwohner von Hurlach, Igling und Lamerdingen (Landkreis Ostallgäu), die von der Erpftinger Gruppe versorgt werden, zwei Wochen lang ihr Trinkwasser abkochen. Auch dort traten coliforme Keime auf. Iglings Bürgermeister Günter Först sagte damals: „Das ist das erste Mal, dass wir so einen Fall hatten, seit ich in der Kommunalpolitik bin.“ Er ist seit 20 Jahren aktiv. Betroffen waren im Fall von Igling, Hurlach und Lamerdingen rund 6000 Bürger.

So geht es jetzt weiter

Entwarnung können die Stadtwerke immer erst geben, wenn drei aufeinanderfolgende Proben ohne Befund sind. Da von der Probenahme bis zum Vorliegen des Ergebnisses drei Tage vergehen können, sei mit einer Freigabe frühestens Anfang Juli zu rechnen, so Vorstand Köhler. Für weitere Rückfragen sollen sich die Bürger laut Stadtwerken an ihre Gemeindeverwaltung wenden.

Für die Stadtwerke stellt sich auch unabhängig von den aktuellen Fällen die Frage, wie die Trinkwasserversorgung gesichert werden kann. In einer Stadtratssitzung Anfang Juni wurde darüber informiert, dass die Grundwasserstände aufgrund der geringeren Niederschläge (750 statt der üblichen 950 Liter pro Quadratmeter im Jahr in Landsberg) stark zurückgingen. Dies hatte zur Folge, dass der Brunnen II in der Hartmahd bereits im August vergangenen Jahres trocken fiel. Im November folgte der Brunnen II in der Weststadt.

Landsberg hat ein Wasserproblem

In dem sonst breiten Grundwasserstrom entstanden unterirdische Inseln und die dort befindlichen Brunnen fielen aus. Im Dezember und Januar musste sogar Trinkwasser aus Kaufering in die Kreisstadt gepumpt werden. Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) beschrieb die Lage so: „Wasser ist genug da, bloß ist die Erschließung nicht optimal.“ Diese Aussage stellte wiederum Stadtrat Dr. Wolfgang Weisensee (Mitte) damals nicht zufrieden: „Jeder Tropfen, den wir einsparen, ist ein guter Tropfen. Bei Zisternen vergeben wir uns nichts, wir müssen jetzt damit beginnen.“

Dieses Jahr hat es zuletzt kräftig geregnet. Nachdem es im Februar, März und April gegenüber dem langjährigen Mittel zu trocken war, lag die Regenmenge im Mai fast doppelt so hoch wie im Schnitt. Wie sich das auswirkt, werde sich im Westen der Stadt schon nach ungefähr zwei Wochen zeigen, sagte Norbert Köhler im Stadtrat. Aber: „Wir kommen von einem Niveau, das weit unter dem normalen war.“

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Die Diskussion ist geschlossen.

22.06.2019

Wenn man sieht, mit welchen Unmengen an Gülle die Felder unserer Umgebung regelrecht zugekleistert werden (dazu noch die etlichen Misthaufen auf den Wiesen/Feldern), muss sich niemand über coliforme Keime im Wasser wundern. Einfach nur ekelhaft!

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