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Pähl

31.03.2016

Nach dem Einschlag kam der Windwurf

Hier beginnt der hintere Teil der Pähler Schlucht, in den nur ein kleiner Pfad mündet, der schwer begehbar ist. 

 Naturschützer kritisieren Folgeschäden im Naturschutzgebiet Pähler Schlucht. Sie lehnen einen Wegebau ab.

Bestandsaufnahme in der Pähler Schlucht: Der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz Weilheim-Schongau, Dr. Helmut Hermann, hat Pressevertreter eingeladen, um in der geschützten Schlucht zwei Jahre nach dem umstrittenen Holzeinschlag dessen Folgen aufzuzeigen. Ob die Holzernte und die Art ihrer Ausführung in dem Naturschutz- und FFH-Gebiet strafrechtlich geahndet wird, ist noch offen: Wie berichtet, wurden zwei Strafanzeigen wegen Verstoßes gegen das Umweltstrafrecht gestellt. Staatsanwalt Ken Heidenreich sagte dem LT, dass es noch weitere Fragen gibt. Die Staatsanwaltschaft hatte ein zweites Gutachten beauftragt.

Hermann fürchtet, dass in die zweiten Studie die deutlichen Aussagen des ersten Gutachten zurückgenommen werden. Darin hatten Mitarbeiter der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft sowie dem Landesamt für Umwelt eine Beeinträchtigung der schützenswerten Natur in der Schlucht festgestellt, nachdem Anfang 2014 auf einer Fläche von 13 Hektar verschiedener Eigentümer 2200 Festmeter Holz geschlagen worden waren. Dies entspricht 30 Prozent des Holzvorrats beziehungsweise auf Teilflächen 50 Prozent des Waldbestandes.

Und seit 2014 ist es noch mehr Holz, das liegt: Hermann und die Pähler Bürgerin Christine Simon zeigen auf umgestürzte Bäume, die neben dem Weg liegen: Sie wurden von den Stürmen der vergangenen zwei Jahre umgerissen. Der BN-Vorsitzende sieht sich in den Befürchtungen bestätigt, die er hatte, als er den Einschlag sah. Der Bestand sei so aufgelichtet worden, dass der Wind Bäume in der Schlucht leichter angreifen kann. In den Jahren zuvor habe der Schluchtwald viel stärkeren Stürmen wie Lothar und Wiebke getrotzt. Hermann sieht so auch ein Argument für die Fällaktion, die Verkehrssicherung, ad absurdum geführt: In der unteren Schlucht seien beim ersten stärkeren Sturm im Oktober 2014 70 Bäume gefallen, zehn davon auf die Wege. Und die Natur hat sich verändert: Simon zeigt Bilder von eingewandertem Unkraut. „Ich gehe seit 20 Jahren wöchentlich in die Schlucht und jetzt gibt es hier plötzlich indisches Springkraut.“ Rückegasse im Bach, Zerstörung von Kalktuffquellen, die nach Hermanns Einschätzung die strafrechtlich am stärksten zu bewertende Beinträchtigung darstellen, Veränderung der Pflanzenwelt durch die vermehrte Sonneneinstrahlung ohne das Blätterdach des Waldes – die Naturschützer zählen viele Folgen der Forstarbeiten auf. Und sie fürchten weitere Eingriffe durch den Wunsch der Gemeinde, den Weg bis zum Wasserfall fortzusetzen. Hermann hält es für unmöglich, den hinteren Teil des Tals verkehrsicher zu gestalten, verwahrt sich aber gegen die im Gemeindeblatt von Bürgermeister Werner Grünbauer geäußerten Vorwürfe, wonach der BN dafür plädiere, die Pähler Schlucht für die Öffentlichkeit zu sperren. Hermann sieht den Pfad im hinteren Teil der Pähler Schlucht eher wie einen Steig in den Bergen, wo immer mit rutschigen Stellen, Fehlstellen oder Steinschlag von oben gerechnet werden muss. Da der Bürger hier in der Ebene nicht damit rechne, müsse mit einer Schranke klar abgegrenzt werden, dass, wer hier weiter geht, dies auf eigene Gefahr tut.

„Es ist den Bürgern und zahlreichen Besuchern nicht vermittelbar, wenn seit vielen Jahrzehnten bestehende Wege und Plätze plötzlich nicht mehr begangen werden dürfen“, schreibt dagegen Grünbauer in seiner Gemeindemitteilung.

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