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Landsberg

16.05.2019

Nachtleben: Ist in Landsberg wirklich nichts los?

Der Landsberger Bastian Georgi organisiert auch heuer das Streetfood-Festival und Nightshift. Beide Veranstaltungen finden am Wochenende statt.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Bastian Georgi organisiert am Wochenende die Partyreihe „Nightshift“ und das Streetfood-Festival. Das LT hat mit ihm über das Nachtleben in der Stadt gesprochen.

Nichts los in Landsberg. Nicht nachts. Die Clubs dümpeln vor sich hin, wenn sie nicht bereits längst geschlossen haben. Anwohnerbeschwerden, strenge Auflagen, aber auch Netflix und Co. machen dem einst bunten Nachtkulturleben der Kreisstadt zu schaffen. Einer der jüngsten Eventveranstalter der Stadt, der 35-jährige Bastian Georgi, hat mit seinem Team von Rebelz Sound die Nachtclub-Reihe „Nightshift“ eingeführt: alle zwei Monate, vier Clubs, vier unterschiedliche Musikstile, ein Preis. Zweimal im Jahr ist die Aktion mit dem ebenfalls von Georgi initiierten Streetfood-Festival gekoppelt. Wir haben mit ihm über die Event-Kultur in der Stadt gesprochen. Er sieht viele Versäumnisse.

Mit Freunden das "Glücklich" betrieben

Auf dem Infanterieplatz und dem Roßmarkt wird es am Wochenende Küche (darunter ein ziemlich exotischer Stand mit frittierten Insekten) und Musik aus 17 verschiedenen Ländern geben. Für Bastian Georgi auch ein Zeichen „für ein gemeinsames Miteinander und gegen fremdenfeindliches Gedankengut“. Der Vater einer neunjährigen Tochter kennt die Landsberger Gastronomie- und Clubszene bestens. Zehn Jahre lang hat er mit Freunden das „Glücklich“ betrieben, bevor sie Ende 2017 von einem Anwohnerstreit zermürbt aufgegeben haben. Georgi ist in Dießen und Landsberg aufgewachsen: Damals waren die „Hotspots der Nachtkultur“ der „Ballroom“ im Zederbräu (heute H&M), das „Spektakulum“ (danach „Glücklich“) und das „Nachtcafé“ in Kaufering.

Mehr über Bastian Georgi: Wie eine Eventagentur Leben in die Stadt bringt

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Heute jammern Clubbetreiber quer durch die Republik: weniger Umsatz, weniger junge Leute, wenig Innovation. Bastian Georgi zitiert die Masterarbeit eines angehenden Marketingexperten, der das Ausgehverhalten der Studenten in Augsburg analysiert hat: Von 25000 Studenten gehen demnach an einem Wochenende nur noch 670 feiern. Er fügt an: und sie trinken wahrscheinlich im Schnitt, „eins Komma noch was Bier und wollen am liebsten keinen Eintritt zahlen“.

Früher ging man Freitag- und Samstagabend aus, heute nur samstags alle zwei Wochen. Woran liegt das, Herr Georgi? Der überaus freundliche junge Mann rückt seine Basecap zurecht und holt aus: Also erstmal lockten „Tinder, Netflix und Thermomix“ niemanden mehr vom Sofa.

Nach "Wetten dass" ging es auf die Piste

In früheren Zeiten sei die Samstagabend-Unterhaltung zu Hause einfach schlecht gewesen, da „gab es keinen Grund, nach ,Wetten dass’ noch zu Hause zu sein“. Da aber heute mehr Leute in der eigenen Wohnung bleiben, falle ihnen auch der Lärm auf, der von feiernden Menschen ausgeht und eine E-Mail ans Ordnungsamt sei schneller geschrieben, als runter zu gehen und ins Gespräch zu kommen. Behörde, Polizei, der offizielle Dienstweg, „alles ultra anstrengend“.

Die Barkultur blüht auf

Aber auch bei den Clubs sieht Bastian Georgi viele Versäumnisse. Keiner traue sich mehr, mal was anderes als „Schablonenpop von der Stange“ zu spielen, Musik werde heutzutage zu oft „nur konsumiert, nicht mehr wirklich gehört“ und er schiebt gleich nach: „Ich weiß, ich klinge jetzt wie mein eigener Opa.“ Als weitere Gründe am Rande nennt Georgi das G8-Gymnasium (Thema gesellschaftlicher Leistungsdruck) und den Wegfall des Wehr- beziehungsweise Zivildienstes („die mussten am Wochenende ihren Frust abfeiern“). „Das Clubsterben zieht sich durch alle Städte“, so Georgi, dafür blühe die Barkultur gerade auf und es entstehen andere Modelle wie private Kleinstveranstaltungen und eben seine Event-Agentur, mit der er Clubabende von Schongau bis Augsburg organisiert und auch als DJ auflegt.

Oder er organisiert eben mit vier Landsberger Gastronomen (Likka Lounge, Moritz, Sonderbar, A-Quadrat) die „Nightshift“. Das, so Georgi, sei mittlerweile ein Vorzeigeprojekt, das gemeinschaftlich mit den Locations veranstaltet werde. Ein Wunsch für die Zukunft des Landsberger Nachtlebens, Herr Georgi? „Dass auch mal junge Leute auf mich zukommen und fragen, ob sie mal ihre Idee eines Clubabends bei mir gestalten können. Einfach mehr Mut haben, das Zepter selbst in die Hand nehmen, Schülerpartys selber organisieren. Kritisieren ist leicht, macht einfach mal.“

Was am Wochenende alles geboten ist - ein Überblick

  • „Essen ist gesellig, Essen ist abwechslungsreich, Essen ist ein Lebensgefühl – unter diesem Motto findet von Freitag bis Sonntag, 17. bis 19. Mai, das dritte Landsberger Streetfood-Festival am Infanterieplatz und auf dem Roßmarkt in Landsberg statt. Neben mehr als 20 Streetfood-Ständen soll es laut Veranstalter ein bunt gemischtes Rahmenprogramm geben.
  • Laut Pressemitteilung gibt es ein reichhaltiges Angebot an leckersten lokalen und internationalen Streetfood-Spezialitäten. Vom aktuellen Food Trend Nummer eins, den hawaiianischen Poke Bowls, über bayerische Burgervariationen, bis hin zu fernöstlichen Spezialitäten sei für jeden Geschmack etwas dabei. Selbst für den ausgefallensten Gaumen ist mit einem Insektenstand gesorgt. Alle Schmankerl werden laut Pressemeldung direkt vor Ort frisch zubereitet.
  • Neben den Küchentrucks gibt es auch Bier- und Cocktailstände und ein Angebot an Sitzmöglichkeiten. Auf der Bühne des Landoll Event Trucks sollen allerlei Bands, Singer-Songwriter und DJs für ein reichhaltiges musikalisches Angebot sorgen.
  • Zudem gibt es einen extra Kinderbereich mit Zirkuszelt, Bungee Trampolin, Fotobox, Kinderschminken und vielfältigen Süßspeisevariationen.
  • Zusätzlich zum Streetfood-Festival wird am Samstag ab 22 Uhr das Festival Nightshift veranstaltet. Dort können alle partybegeisterten im A-Quadrat, der Likka Lounge, der Sonderbar und dem Moritz zu verschiedensten Partymottos feiern. (lt)
  • Öffnungszeiten Streetfood-Festival: Freitag, 17. Mai, von 15 bis 23 Uhr; Samstag, 18. Mai, von 11 bis 23 Uhr, und Sonntag 19. Mai, von 11 bis 21 Uhr. Die Nachtclub-Reihe Nightshift startet ab 22 Uhr in vier Locations der Stadt.
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