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09.12.2009

Napoleons Armee versetzte die Landsberger in Angst und Schrecken

Landsberg Am 11. Oktober 1805 war in und um Landsberg Kanonendonner zu hören. Die Einwohner verließen die Straßen und flohen in ihre Häuser, Panik und Angst machten sich breit. Allen in der Stadt war klar, die Armee Napoleons war vor den Toren angekommen. Doch was hatten die Franzosen überhaupt in Oberbayern verloren?

Im Sommer des Jahres 1805 hatte England durch Diplomatie und millionenfache Goldzahlungen Russland, Schweden und Österreich zu einem Angriffskrieg gegen Frankreich zusammengeschlossen. Dem Kriegsplan folgend war am 9. September 1805 eine 70 000 Mann starke österreichische Armee in das mit Frankreich verbündete Bayern einmarschiert. Mitte September besetzte diese auch Landsberg.

Der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Franz II. - der zu diesem Zeitpunkt in Personalunion als Franz I. auch österreichischer Kaiser war -, kam am 24. September persönlich nach Landsberg, um mit den obersten Heerführern seiner Armee Kriegsrat zu halten. Plan der Österreicher war es, im Raum südlich der Donau und östlich der Iller mit Ulm als Hauptstützpunkt das Eintreffen einer aus Russland im Anmarsch befindlichen zaristischen Armee abzuwarten, um vereinigt mit dieser den Krieg nach Frankreich zu tragen.

Die Gegenseite jedoch schlief keineswegs. Der französische Kaiser Napoleon trieb, um dem geplanten Angriff auf Frankreich zu begegnen seine Grande Armée in Gewaltmärschen nach Bayern. Vom 7. bis 9. Oktober überschritten seine Armeen zwischen Donauwörth und Ingolstadt die Donau und schwenkten nach Westen ein, um die in Ulm sitzenden Österreicher weiträumig einzukreisen. Seine stärkste Armee, das 40 000 Mann starke Armeekorps unter Marschall Soult, marschierte von Augsburg lechaufwärts nach Süden um einen eventuellen Ausbruchsversuch der Österreicher von Ulm nach Tirol zu verhindern.

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Bereits in der zweiten Oktoberwoche machten in Landsberg Gerüchte über das Herannahen einer bedeutenden feindlichen Streitmacht die Runde. Wie begründet diese waren, berichten die Memoiren eines französischen Husarenleutnants, der sich im Vormarsch auf Landsberg bei der Vorhut befand: "...der Schnee fiel den ganzen Tag ohne Unterlass, eine Meile vor einer Poststation bemerkten wir auf der Straße, die von Schongau nach Landsberg führte, eine große Zahl weißer Mäntel uns entgegen kommen. Diese Truppe, die man an der Uniform erkennen konnte, war ein Kürassierregiment von Erzherzog Ferdinand, das sich nach Ulm begeben wollte." Marschall Soult, so ist in den Erinnerungen zu lesen, verteilte seine Kavallerie auf die drei Straßen, die nach Landsberg führten. General Sebastiani besetzte mit einer Dragonerbrigade die Stadt und nahm die Besatzung gefangen.

"Die 26 Jäger, die auf der Straße nach Schongau vorgingen, stießen auf die Kürassiere in den Wäldern. Oberst Digeon, der diese Jäger befehligte, fast alles Italiener, griff den Feind mit Ungestüm an", schreibt der Leutnant. Die überraschten Österreicher hielten dem ersten Ansturm offenbar tapfer stand und lieferten den Angreifern in den verschneiten Wäldern ein erbittertes Gefecht. Dabei wurden ein Korporal und vier Mann getötet, mehrere Kürassiere wurden vom Pferd gesäbelt und verwundet, berichtet der französische Soldat.

Die beiden Kürassiere Franz Lambert und Adalbert Waltisch retteten einen vom Pferd gestürzten Oberleutnant, der bereits in den Händen der Franzosen war, wofür sie später mit einem Tapferkeitsorden ausgezeichnet wurden. Da die Angreifer zahlenmäßig weit in der Übermacht waren, befahl der österreichische Oberst den Rückzug. Das Kürassierregiment formierte sich und drang in geschlossenen Reihen mitten durch den Feind in Richtung Hohenwarth, wobei abwechselnd immer ein Eskadron zurückblieb, um die französische Reiterei abzuwehren. Erst als die Kürassiere außerhalb der Reichweite der französischen Kanonen waren, ließen die Verfolger vom Nachsetzen ab.

Über die Zahl der österreichischen Verluste liegen unterschiedliche Angaben vor. Der französische Leutnant sprach von 120 Gefangenen und vier erbeuteten Kanonen, die Österreicher selbst hingegen gaben nur 75 Gefangene an. Der französische Offizier berichtete weiter: "Nach diesem Gefecht richtete sich die Truppe auf dem Schlachtfeld [vor Landsberg] ein. Es war neun Uhr Abends und eine dicke Schneeschicht bedeckte die Erde." Zur selben Stunde verfolgte der Leutnant selbst mit dem Großteil des Regiments die zurückgehenden Österreicher die ganze Nacht hindurch. "Um sechs Uhr abends in Schongau angekommen, traf ich General Margon in einer Herberge, in der die Österreicher am Vorabend ihre Verwundeten untergebracht hatten und in der zwei ihrer Offiziere gestorben waren. Der General gab den Befehl, auf Landsberg zurück zu gehen."

In den Abendstunden erreichte Marschall Soult ein Befehl Napoleons, dem zufolge er unverzüglich nach Memmingen zu marschieren hatte. Der Anweisung folgend marschierte Soult sofort in Richtung Westen. Bereits am folgenden Tag erreichte er Mindelheim, das innerhalb von 24 Stunden vollkommen ausgeplündert wurde. Wiederum einen Tag später tauchte die französische Armee vor Memmingen auf. Kurze Zeit später donnerten auch hier die Kanonen. Die verängstigten Bewohner flüchteten in die Keller, zahlreiche Dächer wurden von Kanonenkugeln durchschlagen und Haubitzgranaten explodierten in den Straßen. Wie durch ein Wunder wurden weder Einwohner noch österreichische Soldaten verletzt.

Vortrag Am Samstag, 12. Dezember, berichtet Thomas Schuler um 19.30 Uhr bei einem Vortrag im Gasthaus "Alte Post" in Mindelheim über die Ereignisse des Jahres 1805. Dabei gibt es vor und nach dem Vortrag Napoleons Leibgericht "Hühnchen à la Marengo" zu essen. Anmeldungen über die vhs-ua.de. oder unter Telefon 08261/9124.

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