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Dettenschwang

21.08.2018

Naturnaher Garten: Schwitzen für Bienchen & Co.

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LT-Redakteurin Stephanie Millonig mäht in ihrem Garten so selten, dass sich Insekten (unten links eine Hummel) wohlfühlen, und baut auch sogenannte Insektenhotels für Wildbienen.
Bild: Julian Leitenstorfer

LT-Redakteurin Stephanie Millonig lässt die Wiese stehen und greift nur ein- bis zweimal im Jahr zur Sense. Dafür fühlen sich Bläulinge und Hummeln auf Blumen und Beeren wohl.

Schweißgebadet, Blasen am Daumen und immer noch ein paar Quadratmeter Arbeit vor mir. Vor allem die Stängel des Wiesenpippaus haben es in sich. Den Garten naturnah gestalten, ist eine gute Sache. Die Praxis ist aber ganz schön anstrengend – vor allem, wenn es sich um eine fast 3000 Quadratmeter große Fläche handelt, die teilweise mit der Sense gemäht wird. Und das „Heu“ muss dann auch noch mit der Schubkarre weggefahren werden. LT-Redakteurin Stephanie Millonig hat einen naturnahen Garten, in dem sich vor allem Insekten wohlfühlen.

Sträucher und Brombeerstauden am Rand der Streuobstwiese sorgen schon jetzt für Lebensraum für Insekten und Vögel, doch die Wiese wurde in der Vergangenheit regelmäßig mit dem Aufsitzmäher kurz gehalten, da war kein Platz für Gänseblümchen und Co. Direkt am Haus ist der Rasen weiterhin kurz, zwischen den Obstbäumen stehen die Wiesengräser jetzt jedoch hoch, leuchtet Rotklee aus dem Grün und Wiesenplatterbse vereint sich zu einer hohen verfilzten Matte.

So funktioniert das Ausmagern

Ein- oder zwei Mal im Jahr mähen? Rainer Fuß von der Unteren Naturschutzbehörde erläutert, dass es zwei Grundsätze gibt, die es zu beachten gilt: Zum einen muss ausgemagert werden. Das heißt, der Boden soll weniger Nährstoffe enthalten und damit artenreicher werden. Mehr Blumenvielfalt heißt auch: mehr und verschiedenes Futter für Insekten, die teilweise auf spezielle Pflanzen angewiesen sind.

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Die Raupen des Wiesenknopf-Ameisenbläulings fressen beispielsweise nur am Wiesenknopf und lassen sich dann fallen, um räuberisch in einem Ameisennest zu leben. Ameisen gibt es bereits viele im Garten, aber der Wiesenknopf fehlt noch, bei den herumflatternden Bläulingen handelt es sich wohl um andere Arten.

Doch zurück zum Ausmagern. Das erreicht man durch Mähen und den Abtransport des Mähguts. Düngen ist tabu. Auf dem eher üppigen Bereich soll zwei Mal im Jahr gemäht werden - „einmal im Frühjahr und einmal im August“, sagt Fuß. Zum anderen müssen die Samen der Blumen reifen können, damit sie im nächsten Jahr wieder aufgehen. Darauf soll beim Mähen auch geachtet werden.

Ein paar Inseln mit hohem Gras gibt es noch

Okay, ganz an die Vorgabe halte ich mich nicht: Inseln mit hoch stehendem Gras und Blumen gibt es, aber auch bereits gemähte Bereiche. Es handelt sich gewissermaßen um ein alternierendes Mähsystem und irgendwo blüht immer etwas, derzeit beispielsweise sogar wieder kriechende Günsel, Hopfenklee und Weißklee.

Die Wege zwischendurch wurden schon mehrfach gemäht und nun im August soll alles bis auf ein paar Randstreifen weg. Will heißen: Es ist jedes Wochenende ein paar Stunden „Heuernte“.

Naturnahes Gärtnern ist schweißtreibend, von der Arbeitszeit her dürfte es aber gleich sein, ob man an einem Stück über mehrere Stunden Heu erntet oder immer wieder mit dem Rasenmäher drüberfährt. Außerdem geht die Überlegung dahin, einen Balkenmäher zu kaufen, der die Arbeit der Sense ersetzt. Die Natur dankt es übrigens schnell, wenn ihr Raum gegeben wird. Nicht nur Bläulinge flatterten herum, Kohlweißlinge tanzen durch die Luft und die verschiedensten Hummeln suchen Nektar am Klee in der Wiese oder an Dost und Strauchbasilikum im Kräutergarten. Und abends ist das Zirpen des grünen Heupferds und seiner Kollegen zu hören.

Ein Insektenhotel ist schnell hergestellt

Insekten brauchen Nahrung, aber auch ein Heim. Der Botaniker und Wildbienenkenner Andreas Fleischmann, der in einer Serie auch im LT über Wildbienen informiert, gab Tipps für ein Bienenhotel. Baumaterialien waren Lehm, Bambusröhrchen und ein Stück Eschenstamm, den Förster Andreas Brem von den Bayerischen Staatsforsten zu Verfügung gestellt hat.

Dann ist Heimwerken angesagt: Löcher in Holz und Lehm gebohrt, Bambusstöckchen zusammengebunden in einen Ziegel gesteckt und fertig ist die Behausung für die Solitärbienen. Und als Baumeister haben wir zumindest einen Teil gut gemacht: An die zehn Löcher sind im Holz schon belegt, das heißt die Biene hat ihre Eier nebst Futtermaterialien in die Röhre gelegt und mit einer lehmartigen Substanz verplombt. Wir sind gespannt, was rauskrabbeln wird.

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