Newsticker

Spahn mit Corona infiziert - Kabinett muss nicht in Quarantäne
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Neben der Tenne bei Denklingen gibt es einen „Ort des Friedens“

Gartenserie

17.10.2020

Neben der Tenne bei Denklingen gibt es einen „Ort des Friedens“

Ludwig Streicher hat mit seinem Bruder Alois neben der Raststätte Truckstop an der B17 bei Denklingen einen Friedensgarten angelegt, der für jedermann zugänglich ist und eine kleine Kapelle umschließt.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Aus einem Hühnerstall machen Ludwig Streicher und sein Bruder Alois nahe der B17 bei Denklingen einen kleinen Friedensgarten. Quellwasser speist einen Brunnen und im Winter lädt ein besonderer Raum zum Verweilen ein.

Neben der Raststätte Truckstop an der B17 und der „Tenne Denklingen“ (Gebrauchtwarenhaus) entstand 2017 aus einem einstigen Hühnerstall ein kleiner „Ort des Friedens“. Ludwig Streicher legte den Grundstein der Tenne im Jahr 2004. Nach einem Zwischenpächter führen Gabriella und Ludwig Streicher seit 2018 die Tenne wieder nach der ursprünglichen Idee.

Der kleine Friedensgarten wurde von Alois Streicher, dem Bruder von Ludwig Streicher, angelegt. Alois Streicher lebt in Issing in einem Selbstversorgergarten, der bei dem Tag der offenen Gartentür im Jahr 2017 besichtigt werden konnte (das Landsberger Tagblatt berichtete). Im selben Jahr begann der passionierte Gärtner mit der Anlage des Gartens. Der Garten, der die kleine Kapelle umschließt, ist für jedermann jederzeit zugänglich und in der kleinen Kapelle ist zu Öffnungszeiten der Tenne Möglichkeit zum stillen Gebet. „Zuerst zögerlich kamen Alois die Gedanken. Stück für Stück entstand die Anlage des Friedensgartens, dabei hatte er freie Hand“, meint Ludwig Streicher.

Eine Friedenstaube aus Hackschnitzeln und herzförmige Beete

Zwei herzförmige Beete, eine Friedens- und Heiligen-Geist-Taube aus Hackschnitzeln, um sie herum Sterne, ein kleiner Glockenturm, der blumige Kelch, ein mit Eisbegonien umrandetes Kleeblatt, Glücksbringer für die Menschen und Beete in Herzform wurden von Alois Streicher angelegt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Ein kleiner Sitzplatz lädt im "Friedens-Garten" von Ludwig Streicher zum Verweilen ein.
Bild: Julian Leitenstorfer

Den Lärm der Straße kann man ein wenig hinter sich lassen. Ruhebänke laden ein zum Verweilen. „Als mein Bruder morgens mal herkam, saß ein Mann im Garten und sagte, bevor ich zum Arbeiten gehe, setze ich mich hierhin und tanke auf. So stand auch mal eine Piccolo Flasche mit Blume auf dem Tisch, als Dank fürs Da-sein-dürfen.

Der Raum der Stille steht jedem offen

Wenn die Kapelle auf ist, zünden Menschen Kerzen an. Eine Frau holte sich Gläser in der Tenne, hat Kerzen hineingegossen und sie zum Corona-Gebet wieder gebracht. Jemand meinte, „ich fahr so oft vorbei aber dass der Garten so schee is hätte ich nicht gedacht, es is ja wia im Paradies“ – „Vielleicht sind wir ja hier im Paradies“ meint nachdenklich der Seelsorger. Das kräftige Rot der Sedum-Fetthenne zieht sich über den Garten hinaus, über den Weg bis zu den blühenden Außenanlagen der Tenne und den „Raum der Stille“, der im Winter zum Verweilen einlädt, wenn es in der Friedenskapelle, die dem Herz Jesu geweiht ist, zu kalt wird.

Vor dem mit Fliesenmosaiken verzierten Aufgang zur Tenne setzen die letzten Ringelblumen gelbe Farbtupfer, feine Ziergräser in Herbstfärbung spielen im Wind und der Hauswurz verziert die Betonsteine am Boden. „Gärtner Alois“ hat hier ein Kleinod, eine Oase geschaffen. Besonders gelungen nimmt vor dem Kompost eine Naturbank aus Totholz und Moos die Ecke im Süden ein.

Hier finden Sie Bilder der Gärten, die wir in unserer Gartenserie schon vorgestellt haben:

Neben der Tenne bei Denklingen gibt es einen „Ort des Friedens“
293 Bilder
Die Gärten der LT-Gartenserie
Bild: diverse

„Hier kann man sich kuscheln, all das ist innerhalb von drei Jahren gewachsen, das ist enorm und erstaunlich“, so Streicher. Hier finden gespendete religiöse Dinge, wie ein Primiz-Kreuz eines Priesters, der ins Seniorenheim zog, noch einmal „Beachtung“. Vieles ist hier verwendet, seien es übrige Baumaterialien, die mit Brett abgedeckt zu einer Bank werden, eine nebenan gefällte Eberesche, die zur Grotte wird, für die Madonna aus einer Wohnungsauflösung. Ein Stapel Dachplatten, auf denen eine Gießkanne ihre grüne Pracht herunterzugießen scheint, eine ausgediente Schubkarre, die als Pflanzgefäß erblühen darf, die einstige Kutsche, die zum Sitzen oder als Fotohintergrund dient. Es ist nicht das Perfekte, das hier fasziniert, es ist die Liebe zu Dingen, die einstmals Bedeutung hatten und hier eingebettet werden in ein Blühen vom Frühjahr bis in den Winter hinein. Mächtige Bäume grenzen das Areal ein.

Der Garten von Ludwig Streicher an der Friedenskapelle bei Denklingen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Himbeerstauden und Kräuter, Gemüse, das Ludwig Streicher für sich erntet, gibt es in Hochbeeten. Vogel- und Insektenhaus bieten den Tieren Herberge. Von Bernsteinfarben bis hellgrün zeigen sich in Gruppen gepflanzt die Purpurglöckchen, die Heuchera mit ihren farbigen Blättern und Beete voll scharlachrotem Knöterich. Gespendet werden viele der einjährigen Blühpflanzen von Streichers Neffen, Josef Streicher, dem Gärtner aus Utting.

Quellwasser speist den Brunnen

Den Brunnen speist Quellwasser, hier wurde auch schon eine Willkommensfeier mit dem freien Seelsorger Ehepaar Gabriella und Ludwig Streicher abgehalten. (Eltern feierten dieses Fest anstelle einer Taufe). „Dieser Ort steht allen Menschen, egal welcher Konfession sie angehören, offen“ meint Ludwig Streicher. Der Garten und die Kapelle sind auch Ort für Hochzeit, Lebensbund und Trauerfeier. „Wir möchten die Menschen im Leben begleiten und ihren Anliegen Zeit schenken - das ist für uns der eigentliche Dienst am Menschen, Seelsorge in direkter Form“, so Streicher.

Eine Rosenblüte als Zeichen des Lebens

An Rank Gittern blühen die letzten Rosen des Jahres. „Nach dem Hagel im letzten Jahr stand ich traurig inmitten der zerstörten Pracht, doch als ich am nächsten Morgen herkam, hat eine Rose am Eingangsbogen geblüht – ein Zeichen für mich, es geht weiter – es wird wieder Auferstehung, das Leben beginnt neu, das Leben ist stärker“, meint Ludwig Streicher.

Andachten finden in der Kapelle immer donnerstags ab 18.30 Uhr statt.

Lesen Sie dazu auch:


Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren