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30.08.2007

Neue Adresse für Obdachlose

Landsberg Es ist eine ganz normale, Adresse, die Hintere Mühlgasse 206 in 86899 Landsberg. Ein alter, großer Stadl ist dort zu finden. Momentan wird er umfassend saniert. Die Menschen aber, die hier im nächsten Sommer einziehen sollen, werden froh sein über diese Adresse. "Für einen Wohnsitzlosen ist es etwas ganz besonderes, endlich wieder eine eigene Anschrift zu haben", erzählt Rudolf Baumgartner.

Er ist Sozialpädagoge, arbeitet im Diakoniedorf Herzosägmühle und leitet dort den Sozialdienst für "Menschen in besonderen Lebenslagen". Seine Aufgabe ist es, Obdachlosen dabei zu helfen, den Weg zurück ins geregelte Leben zu finden. Ab Juli 2008 soll das auch in Landsberg geschehen. In einem Gebäude, das direkt hinter dem Modehaus Hecht in der Innenstadt liegt, werden dazu fünf Appartments eingerichtet. Menschen, die einst auf der Straße lebten, sollen hier "wieder ein bürgerliches Leben führen können", sagt Baumgartner.

Ein bürgerliches Leben - das ist meist der größte Wunsch, den Obachlose mit sich tragen. Doch wer einmal abgerutscht ist, der kommt nur schwer wieder heraus aus dem Strudel von Verwahrlosung, Sucht oder Kriminalität. Einfachste Dinge sind dann keine Selbstverständlichkeit mehr: Waschen, Putzen, Einkaufen gehen. Rudolf Baumgartner sieht es schonungslos: "Manchem muss man zeigen, dass man sein Geschäft nicht einfach direkt auf dem Gehsteig erledigt." Die Nachbarn in der Mühlgasse müssten sich aber keine Sorgen machen, sagt Baumgartner. Wer in eine Außenwohngruppe ziehen darf, der hat bereits große Fortschritte gemacht. "Für unsere Leute ist es ein ganz besondere Status, wenn sie in eine Außenwohngruppe gehen können." In ihrem Denken und Fühlen seien die meisten Obdachlosen ohnehin recht konservativ - viele hatten einst, vor der Krise und dem Absturz, ein normales Leben mit Familie, Freundeskreis und Job.

Die Landsberger sollen nichts von den neuen Nachbarn merken

Neue Adresse für Obdachlose

Derzeit sind die Bauarbeiter damit beschäftigt, in den Stadel fünf moderne, 35 bis 45 Quadratmeter große Appartments mit Bad und kleinen Küchen einzubauen. An der Außenfassade des historischen Gebäudes soll sich möglichst wenig ändern. Im Inneren wird ein Lichthof, der sich durch alle Stockwerke zieht, für Helligkeit sorgen. Zwischen fünf und zehn Menschen - je nachdem, ob es Singles oder Paare sind - sollen hier künftig wohnen. Ein Mitarbeiter soll vor Ort sein und sich um die Bewohner kümmern.

Vor einiger Zeit hat Baumgartner des Konzept auch OB Ingo Lehmann (SPD) vorgestellt. "Er sieht es positiv." Ziel sei es, dass die Landsberger von der Einrichtung fast gar nichts merken. "Unsere Bewohner sollen sich einfügen ins Stadtleben." Nicht immer geht das gut. Manche scheitern beim Weg zurück ins bürgerliche Leben. Andere jedoch leben bald so angepasst, dass Rudolf Baumgartner manchmal gerne sagen würde: "So spießig muss es auch wieder nicht sein." "Kommentar

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