Newsticker

Tschechien, Luxemburg und Tirol zu Corona-Risikogebieten erklärt
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Neue Corona-Fälle: So reagieren Klinikum und Gesundheitsamt

Landsberg

17.03.2020

Neue Corona-Fälle: So reagieren Klinikum und Gesundheitsamt

Sechs Personen im Landkreis Landsberg wurden positiv auf den Coronavirus getestet.
Bild: Hans Klaus (dpa, Symbol)

Im Landkreis Landsberg haben sich sechs weitere Personen mit dem Coronavirus infiziert. Ein Betroffener ist schwer erkrankt. Was der Landkreis und das Klinikum planen, um auf weitere Fälle vorbereitet zu sein.

Die Zahl der Coronafälle im Landkreis Landsberg steigt: Der Pressesprecher des Landratsamts, Wolfgang Müller, sagte dem LT, dass am Montag und am Dienstag Tests auf das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) bei sechs Personen an verschiedenen Orten im Landkreis positiv ausgefallen seien. Und: „Nur die zwei Infizierten, die im Klinikum sind, stehen in einem Zusammenhang.“ Im Gesundheitsamt und im Klinikum Landsberg bereitet man sich auf eine steigende Anzahl von Coronakranken vor.

Bei einer Person zeigt sich ein schwerer Verlauf der Krankheit, bei den anderen fünf treten laut Müller nur leichte Symptome aus. Vier befänden sich in häuslicher Isolation. Im Gesundheitsamtsei das übliche Verfahren angelaufen: Dabei würden Kontaktpersonen ermittelt, Abstriche gemacht und häusliche Isolationen angeordnet. Laut Müller rechnet man beim Gesundheitsamt mit rund 50 Kontaktpersonen. Müller geht aber auch davon aus, dass es immer schwieriger werden wird, die Übertragungswege nachzuvollziehen.

Ein Arzt mit Husten wird nach Hause geschickt

Das Gerücht, bei einer der Erkrankten handle es sich um eine Krankenschwester, bestätigen weder Müller noch die Pressesprecherin des Klinikums, Regina Miller. Wie Miller erläutert, gelte am Klinikum, dass Ärzte, Pfleger oder Krankenschwestern mit grippalen Symptomen sofort nach Hause geschickt werden. Ob ein Abstrich und ein Test gemacht werde, werde in Abhängigkeit davon entschieden, ob derjenige Kontakt zu einem Infizierten hatte.

Neue Corona-Fälle: So reagieren Klinikum und Gesundheitsamt

Einmal wöchentlich trifft sich laut Regina Miller der Krisenstab, in der verschiedene Verantwortungsträger zusammengeschlossen sind. Am Klinikum gibt es tägliche Konferenzen. Beschlossen wurde laut Miller, dass weitere Beatmungsgeräte gekauft werden. Derzeit besitzt das Klinikum zehn Beatmungsgeräte. Am Klinikum gibt es seit dem ersten Corona-Fall im Landkreis Ende Januar eine Isolationsstation mit acht Betten. Diese Station werde, sobald der Bedarf besteht, ausgedehnt, sagt Miller. Operationen, die nicht lebensnotwendig sind, würden nicht mehr durchgeführt. „Darüber entscheidet der behandelnde Arzt, die Patienten werden von uns darüber informiert.“

Aus dem Klinikum wird Desinfektionsmittel gestohlen

Das Klinikum hat auch noch ganz andere Sorgen: Die Bestände an Desinfektionsmitteln und Mundschutz schwinden stark, wie Regina Miller berichtet. Seit Montag gibt es deshalb Taschenkontrollen am Eingang des Krankenhauses. „Jeder Diebstahl wird angezeigt“, sagt die Pressesprecherin. Wer einen Diebstahl beobachte, solle ihn melden.

Im Klinikum werden Taschen kontrolliert, weil Desinfektionsmittel gestohlen wird. 
Bild: Regina Miller

Miller weist auch noch einmal auf die gesetzlichen Beschränkungen für Besuche hin, die seit Kurzem gelten: Jeder Patient darf nur maximal von einem Besucher pro Tag für je eine Stunde besucht werden. Am Eingang gebe es seit Montag auch eine Zugangskontrolle. Personen, die aus einem Risikogebiete kommen, dürfen 14 Tage nach ihrer Rückkehr Krankenhäuser nicht betreten. Besucher, die Kontakt zu einem bestätigten Fall hatten, dürften die Einrichtung nicht betreten. Die meisten Besucher und Patienten hätten Verständnis für diese Maßnahme, so Miller.

Die Verunsicherung, wie mit der Situation umzugehen ist, ist groß. Das Landratsamt hat laut Pressesprecher Wolfgang Müller eine Hotline eingerichtet, unter der Rufnummer 08191/129-1608. Dort werden von Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr Fragen zum Coronavirus beantwortet, sofern es sich nicht um Fragen zur Wirtschaft und Unternehmen handelt.

Eine der wichtigsten Fragen für viele: Wann kann ich mich wo testen? „Wir konzentrieren uns auf die Personen, bei denen ein Abstrich wirklich Sinn macht“, sagt Müller. Das heißt, untersucht werde nur, wer Kontakt zu einer infizierten Person hatte oder aus einem Risikogebiet kommt und gleichzeitig Symptome hat. Denn die Labore hätte eine beschränkte Kapazität, um die Abstriche zu analysieren.

Die Auswertung dauert ein bis zwei Tage

Wie Wolfgang Müller sagt, habe man anfangs noch alle direkten Personen, die einem Infizierten nahe waren, im sogenannten Face-to-Face-Kontakt, getestet. Jetzt werde unterschieden: Bei einem Familienmitglied, das im gleichen Haushalt wohne wie der Infizierte, werde ein Abstrich gemacht, ein Arbeitskollege werde dagegen in 14-tägige Quarantäne geschickt. Mitarbeiter des Gesundheitsamts machen laut Müller nur bei Menschen ohne Symptome einen Abstrich. Wer aus einem Risikogebiet kommt, hustet oder Grippesymptome habe, der wird auf seinen Hausarzt oder den Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung unter der Telefonnummer 116117 verwiesen, an die er sich umgehend wenden muss. In der Regel dauere die Auswertung des Tests zwei bis drei Tage, so Müller. Eine Drive-in-Station ist derzeit noch nicht geplant.

Auch Hausärzte führen Tests durch: Der ehemalige Vorsitzende der kassenärztlichen Vereinigung im Landkreis, Albert Joas, sagte dem LT, dass neben seiner Praxis ein Zelt aufgestellt sei für den Abstrich. Untersucht würden nur eigene Patienten, die Symptome zeigten und aus Risikogebieten kämen, beziehungsweise Kontakt zu einem Infizierten hätten.

Im Landkreis Landsberg hatten sich Ende Januar zwei Männer infiziert, die bereits wieder gesund sind. Hier konnte die Übertragung gestoppt werden. Vergangene Woche erkrankte eine Frau, die aus Italien zurückkam, sie wird laut Wolfgang Müller noch eine Woche in häuslicher Isolation sein.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Coronavirus: Besonnenes Handeln ist jetzt wichtig

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren