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Landsberg

27.06.2020

Neuer Kulturbau in Landsberg: Die Höhe schockt so manchen Stadtrat

Auf dem Gelände der ehemaligen Pflugfabrik in Landsberg entsteht das neue Stadtviertel „Urbanes Leben am Papierbach“. Dort wird es auch eine Kulturhalle geben.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Wie hoch soll der Kulturbau im neuen Landsberger Stadtviertel am Papierbach werden? Im Bauantrag steht eine Gesamthöhe von 21 Metern. Darüber wollen Stadt und Investor noch einmal sprechen.

Manch ein Stadtrat war angesichts der geplanten Höhe der Kulturhalle im neuen Landsberger Baugebiet „Urbanes Leben am Papierbach“ sehr wohl überrascht. Wie berichtet, liegt jetzt der Bauantrag vor, den Stadtbaudirektorin Birgit Weber vorstellte. Demnach soll das Gebäude bis zu 20,95 Meter hoch werden Zwar ist schon länger klar, dass das Gebäude höher wird als anfangs geplant, konkretes Zahlenmaterial liegt aber jetzt erst vor. Und dennoch könnte sich die Höhe der Kulturhalle noch mal ändern.

„Von der Gesamthöhe waren wir schon geschockt“, sagt UBV-Fraktionsvorsitzender Christoph Jell auf Nachfrage unserer Zeitung. Er ist nicht der einzige Kommunalpolitiker, der die Planungen hinterfragt. Dass es höher werde als die bereits im vergangenen Herbst diskutierten 18 Meter sei klar gewesen. „Dass es nahezu 21 Meter werden, war nicht klar“, so Jell. Auch für die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ulrike Gömmer, war der Bauantrag „ein Schock“ – vor allem wegen der Höhenentwicklung.

In der Sitzung hatte Stadtbaudirektorin Birgit Weber die Chronologie des Projekts präsentiert: Im Bebauungsplan ist für die Kulturhalle eine Höhe von 14,5 Metern vorgesehen, im Siegerentwurf des Realisierungswettbewerbs lag die Höhe bereits bei 16,5 Metern. Zuletzt war die Höhe der Kulturhalle im vergangenen Herbst Thema. Damals wechselte die „Am Papierbach Entwicklungsgesellschaft“ (APE) vom Siegerentwurf aus dem Wettbewerb zum Zweitplatzierten, in dessen Entwurf die Kulturhalle eine Höhe von 18 Metern hat. Dass man sich auf diese Höhenentwicklung eingelassen hat, ist für Ulrike Gömmer fragwürdig. Sie fürchtet um die Aufenthaltsqualität auf dem Europaplatz durch die Höhe des Kulturzentrums. „Es ist das Entree von der Brücke her.“

Neuer Kulturbau in Landsberg: Die Höhe schockt so manchen Stadtrat

Der Kulturreferent fordert eine Sondersitzung

Auch Kulturreferent Axel Flörke (Landsberger Mitte) spricht davon, dass es Vermutungen gab, die Halle werde höher. Gleichzeitig habe es auch Spekulationen gegeben, dass die Veränderung der Saalhöhe der Veranstaltungshalle bei einem anderen Gebäude kompensiert werden könnte. „Ich war erstaunt über die Höhe“, sagt Axel Flörke, der eine Sondersitzung zum Thema will.

Moritz Hartmann (Grüne) wusste als Zweiter Bürgermeister schon vor der Sitzung von der geplanten Höhe. Der Bauantrag liege seit März vor. Er erinnert sich, dass im vergangenen Herbst, im Zusammenhang mit einer Raumhöhe von 8,5 statt 4,5 Metern für einen Veranstaltungssaal, die Vermutung geäußert worden sei, dass es nicht bei den 18 Metern Gesamthöhe bleiben könnte. Für Hartmann ist die Planung auf jeden Fall zu massiv. Auch SPD-Fraktionsvorsitzendem Dieter Völkel ist klar, dass die Gebäudehöhe reduziert werden muss. CSU-Fraktionsvorsitzender Harry Reitmeir hat die konkrete Höhenangabe in der Sitzung erfahren:. „Dass es groß wird, war aber klar.“ Konkrete Zahlen liegen für Dritten Bürgermeister Felix Bredschneijder ( SPD) seit Einreichung des Bauantrags vor. Für ihn ist er die Basis für weitere Gespräche: „Wir sind noch auf dem Weg und noch nicht im Ziel.“

So sollte das Kulturzentrum im Landsberger Baugebiet am Papierbach vom künftigen Lady-Herkomer-Steg aus betrachtet, ursprünglich aussehen.
Bild: Auer Weber Architekten BDA

Wie geht es jetzt weiter? So wie der Bauantrag jetzt eingereicht ist, müsste der Bebauungsplan geändert werden, was eine Zeitverzögerung nach sich zieht und so für Investor ehret+klein beziehungsweise APE keine Option ist, wie Gesamtprojektleiter Benjamin Johansson sagt. Seitens APE war man laut Johansson bei dem jetzigen Bauantrag davon ausgegangen, dass man noch mit einer sogenannten Befreiung zurecht kommt und keine Änderung des Bebauungsplanes nötig ist. Im aktuellen Bauantrag ist der Kultursaal an der höchsten Stelle auf 8,50 Meter geplant, neben diesem Veranstaltungsraum im Erdgeschoss befinden sich laut Johansson noch ein museumspädagogischer Raum mit 70 Quadratmetern und ein Workshopraum mit 30 Quadratmetern. Über dem Kultursaal sind drei Vollgeschosse und ein Dachgeschoss vorgesehen. Der Veranstaltungsraum selbst hat eine Größe von 450 Quadratmetern.

Wie Kulturschaffende aus Landsberg die Kulturhalle sehen: Kulturhalle: Eine flachgequetschte Bausünde?

Bei APE präferiert man laut Johansson einen multifunktionalen Raum mit Aufhängepunkten für Traversen, Bühnentechnik, Lautsprecher und Licht zur variablen Nutzung des Saals. Nebenräume für Umkleide, Garderoben und Sanitärbereiche seien vorgesehen. Vertraglich steht der Stadt eine kostenfreie Nutzung an 30 Tagen im Jahr zu. „Ein Betreibermodell muss noch entwickelt werden“, sagt Johansson. Mögliche Szenarien wären, dass das Hotel den Betrieb übernimmt, eine extra für den Betrieb gegründete Betriebsgesellschaft oder aber auch die Stadt selbst als Betreiber auftritt.

Jetzt wird ein überarbeiteter Bauantrag entwickelt

Aus den Erkenntnissen eines fiktiven Jahresplans von Wolfgang Hauck, der – wie berichtet – bei Kulturschaffenden abgefragt hat, welche Bedarfe es für den Veranstaltungsraum gibt, und aus Gesprächen und Vorstellungen der Stadt wird nun laut Johansson ein überarbeiteter Bauantrag entwickelt. Daraus soll sich auch die Raumhöhe für den Saal entwickeln. Die Höhe des Konzertsaals könne sich wieder ändern, je nach Art- und Umfang der Veranstaltungen und deren Nutzungsanforderungen. Der erste Entwurf mit den 8,5 Metern sei ein Vorschlag der APE nach ersten Gesprächen mit den Kulturschaffenden und Analyse des Bedarfs. „Die Entwicklung eines 8,5 Meter hohen Raumes war ein Entgegenkommen der APE gegenüber den Bürgern der Stadt Landsberg.“

Die finale Entscheidung über die Höhe obliegt laut Benjamin Johansson der APE, vertraglich verpflichtend sei lediglich eine Höhe von 4,5 Metern. Das Einbeziehen von den Kulturschaffenden, der Bevölkerung und sonstigen Beteiligten sei durchaus kein Selbstverständnis von Projektentwicklern. Der Projektleiter geht davon aus, dass ein überarbeiteter Bauantrag bis spätestens nach der Sommerpause vorliegt. Dann kommt das Thema wieder in den Stadtrat.

Mehr über das neue Landsberger Stadtviertel lesen Sie hier: Am Papierbach wird trotz Corona-Zeiten gebaut

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Die Diskussion ist geschlossen.

28.06.2020

Die Höhenentwicklung im gesamten Gebiet ging doch immer "noch eins drauf" , zwar kaum unterschiedlich zu anderen Projekten, aber jetzt ein Schock? Woher kommt der wenn man fragen darf?
Regelmäßig wurde erklärt das zurückweichende Geschosse doch gar keine "richtigen" Geschoße seien, regelmäßig ging es darum das per Flachdach gegenüber dem klassischen Dachstuhl ja noch eins draufpasse weil die Firsthöhe doch ähnlich wär. Was wir hier sehen ist kein Einzelfall. Die Verantwortung dafür liegt bei den Verdichtungsbefürwortern, jenen die weder allzu sehr beim Einfügen auf den Durchschnitt im jeweiligen Gebiet schauen wollten sondern sich am höchsten orientierten. Jenen die scheinbar keine Vorstellung von der Masse haben die entsteht wenn 20 Meter vor einem Menschen stehen der wohl eher kleiner als 2 Meter sein wird. Schade das wir so viele "blitzmerker" haben.

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