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Utting

27.08.2018

Nichts als Tomaten vor den Augen und natürlich im Mund

60 Tomatensorten gab es auf dem Uttinger Wochenmarkt zu verkosten und zu bewerten.
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60 Tomatensorten gab es auf dem Uttinger Wochenmarkt zu verkosten und zu bewerten.
Bild: Jutta Bäzner

Rot, Gelb, Grün: Bei der Tomaten-Verkostung auf dem Uttinger Wochenmarkt ist für jeden Geschmack etwas dabei. Wer die erste Veranstaltung verpasst hat, hat Glück.

Schon von Weitem fällt der große Tisch auf dem Uttinger Wochenmarkt mit seinen roten und gelben Farbschattierungen auf. Ein Tomatenparadies. Die langjährige Fierantin Anneliese Weber, eine der ersten Beschickerinnen bei der Gründung des Marktesen, hat es geschaffen und lädt zur Verkostung von 65 verschiedenen Sorten ein. „Warum nur immer Weinverkostung? Das Geschmackserlebnis von Tomaten kann genauso spannend sein“, sagt die Tomatenzüchterin aus Dettenschwang.

Unendlich viel Mühe hat sie sich gemacht: für jede Tomatensorte ein Kästchen, an jedem der 65 Kästchen eine Zahl. Dazu nummerierte Zettel und Bleistifte, Tellerchen, Messerchen und Servietten. Denn die Kunden sollen ihre Lieblingssorten erschmecken und aufschreiben. Wenn sie an der Verlosung teilnehmen wollen, werfen sie einen Zettel mit ihrer Nummer in die leere Milchkanne, die als Lostrommel dient.

Die teuerste Tomate kostet 20 Dollar pro Kilo

Neugierig gehen die Marktbesucher um den Tisch, schauen von einem Tomatenkästchen zum anderen. Zögerlich der erste Griff zu den kleinsten, den Cocktailtomaten. Dann wird man mutiger, schneidet sich ein Stück aus einer großen Frucht heraus. Da: Diese grün-rot Gestreifte, die sieht interessant aus. Man schließt die Augen, schmeckt mit Zunge und Gaumen („Verkostung“!) und entscheidet: sehr fest, dicke Schale, würzig. Aber die Nummer 50, die ist toll – knackig und süß. Aufschreiben. Und ankreuzen: würzig, saftig, fruchtig, fleischig, mehlig. Man kommt ins Gespräch, tauscht sich aus, probiert, was die Nachbarin gerade so gelobt hat, schreibt.

Nichts als Tomaten vor den Augen und natürlich im Mund

Stimmt – die 50 mundet. Dazwischen Anneliese Weber. Sie sagt Namen „Rote Urtomate“, „Gestreifte Helsinki“, „Kleiner schwarzer Tiger, „Rote Zora“ oder „Mariana’s Peace“. Und gibt Informationen: „Das ist die teuerste, eine große Fleischtomate aus den USA, da kostet das Kilo schon mal 20 Dollar.“ Entsprechend teuer ist auch der Samen.

Die Gewinner-Tomaten werden angepflanzt

Anneliese Weber züchtet nur mit samenfesten Sorten. Die kauft sie bei vertrauenswürdigen Bio-Saatgutbetrieben. Oder sie nimmt eigenes Saatgut. Das heißt, dass sie im Herbst Kerne ihrer Tomaten trocknet, mit Sortennamen versehen in einem Briefkuvert aufbewahrt und im nächsten Jahr aussät. „Darum werde ich auch die Zettel, die heute ausgefüllt wurden, auswerten. Und die Tomaten, die die meisten Stimmen bekommen haben, werde ich im Frühjahr säen.“

Die Dettenschwanger Bäuerin hat schon immer alles an sich gezogen, was Arbeit macht. Früher hatte sie Ziegen und war mit dem Käse auf dem Uttinger Wochenmarkt. Aus dem gesamten Landkreis kamen die Kunden. Das Geschäft hat sie nun in jüngere Hände gegeben. Und die Kunden kommen immer noch. „Der Wochenmarkt ohne Ziegenkäse – das geht gar nicht“, sagt sie.

Am Wochenende wird verkündet, welche Sorten am beliebtesten sind

Anneliese Weber war eine der ersten bei der Gründung des Marktes vor einem Vierteljahrhundert. Und sie ist heute die einzige Verbliebene aus der alten Garde von damals. Darum liegt ihr das Wohl und Wehe des Wochenmarktes so sehr am Herzen, er ist „ihr Kind“. Deshalb fällt ihr immer wieder etwas ein, um den Markt am alten Feuerwehrhaus im Gespräch zu halten. Ob das nun eine Honig-Aktion mit eigenem Honig ist oder eben die aktuelle Tomatenverkostung. Zusammen mit Renate Wecker (die mit ihren Feldblumensträußen auch schon lange dabei ist) bietet sie auch mal Kürbissuppe an.

Als „treusorgende Mutter“ macht sie sich auch immer wieder Gedanken über ihr „Kind“. Sie möchte, dass mehr gekauft wird. „Viele kommen nur zum Ratschen“, sagt sie in ihrer direkten Art, „Das ist nett, und das wollen wir ja auch mit dem Kaffee-Tisch und den Kostproben.“ Aber Anbieter sollen ja auch mit ihrem Geschäft zufrieden sein. Sonst springen sie ab. Dann ginge der Markt kaputt.

Nicht nur ratschen, sondern auch kaufen

Heute freut sie sich über den Andrang an ihrem Tomatentisch. Der dreijährige Linus darf den Gewinner der Verlosung aus der Milchkanne grabbeln. „The winner is“ Harry Sternberg, einer der längsten und treuesten Marktkunden. Er nimmt ein Körbchen voller Tomaten, Gurken, Honig und Blumen entgegen.

Übrigens: Am Samstag, 1.September, gibt es ab 10 Uhr eine weitere Verkostung. Und Anneliese Weber gibt dann auch bekannt, welche Tomatensorten beim ersten Mal die meisten Stimmen bekommen haben.

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