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Dießen

02.05.2016

Nikos dreht keine Amphoren mehr

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2 Bilder
Niko Kavgalakis ist verstorben. Lange gehörte er zum Erscheinungsbild des Dießener Töpfermarkts. Man wird ihn in Dießen vermissen.
Bild: Thorsten Jordan

Töpfermarkt Kretischer Töpfer war mit seiner lebenden Werkstatt eine Attraktion

Mit seiner „lebenden Werkstatt“ war Nikos Kavgalakis 15 Jahre lang ein Symbol und eine Hauptattraktion des Dießener Töpfermarktes. Heuer ist er nicht mehr da, um seine großen Gefäße zu fertigen: Im Januar 2016 starb der Amphorenmeister 78-jährig auf Kreta, wie aus einer Pressemitteilung der Veranstalter hervorgeht.

Als der Töpfermarkt mit neuem Konzept 2001 in die Seeanlage verlegt wurde, entschied die Marktleitung auch, eine lebende Werkstatt zu integrieren. Die Wahl fiel damals auf den in Margarites lebenden kretischen Töpfer Nikos Kavgalakis. Er war einer der letzten großen Meister, der in traditioneller Technik die Herstellung, der für Kreta seit Jahrtausenden berühmten Vorratsgefäße ausführen konnte. Mit seinem Handwerk begeisterte er Organisatoren, Töpfer und tausende von Besuchern von Anfang an. Eine eigens gebaute Bühne am Rande der Mühlbachmündung in den Ammersee bot die perfekte Kulisse.

Jährlich entstanden während des Töpfermarktes vor den Augen der Besucher die großen Pithoi, traditionelle Vorratsgefäße, wie sie auf Kreta seit der minoischen Zeit verwendet worden sind. Die Zusammenarbeit zwischen Kavgalakis und dem Dießener Töpfermarkt hatte Steffen Jacobs aus Wegscheid ermöglicht. Er kannte Nikos Kavgalakis seit mehr als 30 Jahren, ist mit ihm und seiner Familie befreundet und verkauft die Kreta-Keramik in Deutschland. Die jährliche Reise an den Ammersee war fester Bestandteil des Jahresrhythmus von Nikos und seiner Frau Irini, die ihn stets begleitete. Sein erster und für ihn sehr wichtiger Auftrag in Diessen war immer der Besuch der Kirche und das Aufstellen von Kerzen zum Gelingen des Marktes.

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Nikos Kavgalakis kam über seine Frau Irini zur Keramik. Ihr Vater war der Töpfermeister bei dem Nikos lernte und dessen Werkstatt er übernahm. Damals waren die traditionellen Keramikgefäße als Vorratsbehälter für Getreide, Oliven, Öl und Käse, oder als Waschschüsseln und Pflanzgefäße zum Teil noch von der ländlichen Bevölkerung Kretas benutzt worden. In den 1970-er Jahren wurden sie mehr und mehr abgelöst von modernen Gerätschaften aus Kunststoff.

Das traditionelle Keramikhandwerk war kurz vor dem Aussterben, hätte nicht ein kultureller Wandel, vor allem im westlichen Mitteleuropa zu neuen Funktionen der Keramiken geführt. Sie wurden als Gartenkeramik und als dekorative Schmuckstücke erkannt. In den 1980-er Jahren begann die Produktion wieder Bedeutung zu gewinnen. Die Werkstatt Kavgalakis produzierte bald für den deutschen, den niederländischen, belgischen oder den englischen Markt. Ein großer moderner Gasofen löste die traditionellen Holzbrandöfen ab.

Wer die Werkstatt von Nikos Kavgalakis mit der beeindruckenden Fülle an großen Gefäßen einmal vor Ort besichtigte, hat einen Eindruck von der Leistung dieses Mannes gewonnen, der alleine für die Produktion der Großgefäße zuständig war. Die eigene Tongrube in direkter Nachbarschaft zur Werkstatt, die selbstgebauten Maschinen und die Schlämmanlagen zur Tonaufbereitung bezeugen die lebenslange Auseinandersetzung mit der kretischen Keramik. Beeindruckend war sein Formgefühl für Proportionen, für einfache Verzierungen, die so gut wie kein Werkzeug außer den Händen verlangten.

Wichtig war es ihm stets den Ton aus der eigenen Grube mit nach Dießen zu bringen, nur mit ihm konnte er die Gefäße in dieser Größe anfertigen. Wer heute durch die Ammerseegemeinde spaziert, sieht in vielen Gärten und vor Häusern Gefäße des Kreters. So hinterließ er seine Spuren am Ammersee, von einem Handwerk das in dieser Ausprägung nur noch selten zu finden ist. (lt)

Töpfermarkt: Nikos Enkel Georgos kommt heuer mit seiner Mutter nach Dießen. Auf den Spuren des Großvater demonstriert er das kretische Handwerk, zusammen erinnern die beiden noch einmal, wie es 15 Jahre lang war.

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