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Landsberg

30.06.2017

Notfälle statt Blutwäsche

Hier geht es im Landsberger Klinikum zur Dialyse – aber nur noch bis Ende September. Dann wird diese Abteilung geschlossen. Die frei werdenden Kapazitäten werden der Notfallversorgung zugeschlagen.
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Hier geht es im Landsberger Klinikum zur Dialyse – aber nur noch bis Ende September. Dann wird diese Abteilung geschlossen. Die frei werdenden Kapazitäten werden der Notfallversorgung zugeschlagen.
Bild: Thorsten Jordan

Die Dialyse-Abteilung des Klinikums schließt Ende September. Solche Angebote verlagern sich immer mehr auf Spezialanbieter. Die neun frei werdenden Betten sollen die Akut- und Intensivmedizin erweitern.

Das Landsberger Klinikum will ab Ende des Jahres besser für die Behandlung von Notfällen gerüstet sein: Notaufnahme und Intensivstation sollen zu diesem Zweck erweitert werden – und zwar um die Räume der bisherigen Dialyse-Abteilung. Diese wird Ende September geschlossen. Patienten, die eine künstliche Blutwäsche benötigen, werden auf die Niederlassungen der Firma Nephrocare in Kaufering und Schongau verwiesen, informierte das Klinikum jetzt in einer Pressemitteilung.

Die Notaufnahmen in den Krankenhäusern werden immer häufiger aufgesucht: Am Landsberger Klinikum, sagt der Chefarzt der Inneren Medizin, Dr. Ingo Mecklenburg, nehme die Zahl der Patienten jährlich um rund fünf Prozent zu. Zuletzt hätten dort im Jahr 12500 Personen ärztliche Hilfe gesucht. Das heißt, statistisch wird die Notaufnahme von jedem Landkreisbürger einmal in zehn Jahren in Anspruch genommen – und das beileibe nicht nur im Notfall, sondern auch bei Beschwerden, die die Leute schon wochenlang haben, sagt Mecklenburg: „Nur bei einem Drittel gibt es einen stationären Belegungsbedarf.“ Immer begäben Patienten direkt in die Notaufnahme eines Krankenhauses, als dass sie einen Termin bei einem niedergelassenen Arzt zu vereinbaren. Aufgrund des wachsenden Andrangs sei es dringend nötig, die Notfallversorgung zu verbessern, „wir sind räumlich am Anschlag“, sagt Mecklenburg. Die Kapazität der Intensivbetten sei oft völlig ausgelastet.

Mit dem Wegfall der Dialyse besteht nun die Möglichkeit, die räumliche Situation der Notfall- und Intensivversorgung zu verbessern. Fünf der neun Blutwäsche-Betten sollen zu sogenannten „Intermediate Care“-Betten, zu einer Überwachungsstation, umgewandelt werden, erklärt Mecklenburg. Die anderen vier Einheiten seien als Aufnahmestation für Notfallpatienten vorgesehen, die nur ein paar Stunden im Krankenhaus verbringen müssen. Diese benötigten dann künftig kein Bett auf der Station.

Mit der Stärkung der Grundversorgungsleistung des Landsberger Klinikums geht der Verzicht auf die Dialyse-Abteilung einher. Die Aufgabe der teilstationären Dialyse – eine der letzten in einem Krankenhaus unter kommunaler Trägerschaft in der Region – begründet das Klinikum in seiner Pressemitteilung mit „strukturellen Änderungen“ und „veränderten politischen Rahmenbedingungen“.

Was damit gemeint ist, deutet Mecklenburg an: Diese Rahmenbedingungen, die unter anderem von den Kostenträgern, den Krankenkassen, mitgestaltet werden, gingen in Richtung größerer Dialyse-Einheiten mit entsprechend mehr medizinischem Personal. Diese Vorgaben könnten künftig in einem auf eine medizinische Grundversorgung mit Akut- und Intensivmedizin ausgerichteten Klinikum immer schwerer abgebildet werden, erklärt Mecklenburg.

Im Landsberger Klinikum sind momentan lediglich neun Dialyse-Betten vorhanden. In diesen werden im Drei-Schicht-Betrieb montags, mittwochs, freitags sowie dienstags- und donnerstagsmorgens die Blutwäsche-Patienten behandelt. Wirtschaftliche Gründe hätten nicht den Ausschlag gegeben, die Abteilung zu schließen, im Gegenteil, erklärt Mecklenburg: Die Dialyse gehöre momentan zu den Bereichen, die schwarze Zahlen schrieben und das Defizit, das am Landkreis hängen bleibt, verringerten.

25 Personen, die bislang ins Klinikum kamen, müssen sich ab 1. Oktober ein neues Angebot suchen. Ihre Versorgung könne künftig in den Dialysezentren von Nephrocare in Kaufering und Schongau gewährleistet werden, versichert das Klinikum und verweist dabei auch auf eine Personalie: Der bisherige Leiter der Dialyseabteilung im Klinikum, Dr. Sven Vogel, werde ab 1. Oktober die beiden Nephrocare-Standorte leiten.

Nephrocare ist ein international tätiges Tochterunternehmen des Dialyseprodukte-Herstellers Fresenius Medical Care, das allein in Deutschland 56 Dialysezentren betreibt. In Kaufering sei das Unternehmen durch den Kauf der Nierenheilkunde-Praxis Dr. Haag ansässig geworden, berichtet Mecklenburg. Haags Nachfolger als Leiter der Nephrocare-Niederlassung sei nun Sven Vogel. Das Klinikum selbst werde aber auch künftig Notfalldialysen anbieten und ansonsten mit Nephrocare kooperieren. Weitere Dialyse-Anbieter finden sich in internistischen Fachpraxen und -zentren in Bad Wörishofen, Kaufbeuren, Mindelheim und Weilheim sowie in der privaten Schindlbeck-Klinik in Herrsching.

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