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Obermeitingen
17.07.2021

Tödlicher Familienstreit: Angst und Entsetzen in Obermeitingen

In diesem Gebäude in Obermeitingen hat sich die Gewalttat ereignet.
Foto: Thorsten Jordan

In Obermeitingen endet ein Streit zwischen Vater und Sohn tödlich. Während nach dem Täter gesucht wird, geht im Ort die Angst um.

Diese Tat hat in Obermeitingen für Angst und Entsetzen gesorgt. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei hat ein 25-Jähriger am Freitagabend seinen Vater in einer Wohnung tödlich verletzt. Im Ort war die Verunsicherung groß, weil der Täter fünf Stunden auf der Flucht war, ehe er festgenommen wurde. Unsere Zeitung hat sich umgehört und mehr über die Gewalttat und die Sorgen der Anwohner erfahren.

Eine Anwohnerin hatte sich kurz vor 19 Uhr bei der Polizei gemeldet, weil es in dem Gemeindehaus eine Auseinandersetzung gegeben haben soll. Rettungsdienst und Polizei fanden in der Wohnung die Leiche eines 62-Jährigen. Laut Polizei war es zwischen dem Opfer und seinem 25-jährigen Sohn zu einer tätlichen Auseinandersetzung gekommen, in deren Verlauf der Sohn auf den Vater mit einem spitzen Gegenstand mehrfach einschlug und ihm dabei tödliche Verletzungen zufügte.

Der Tatverdächtige, der sich laut Polizei offensichtlich in einer psychischen Ausnahmesituation befand, flüchtete nach der Tat aus der Wohnung. Starke Polizeikräfte, ein Polizeihubschrauber und Polizeisuchhunde fahndeten nach dem Mann. Gegen Mitternacht nahm eine Zivilstreife der Augsburger Polizei den 25-Jährigen in Schwabmünchen fest.

Obermeitingens Bürgermeister Erwin Losert.
Foto: Losert (Archivfoto)

Obermeitingens Bürgermeister Erwin Losert wohnt zwei Häuser vom Tatort entfernt. Er kennt das Opfer und seinen Sohn. Die Familie, es gibt noch eine Mutter und Geschwister, lebe schon lange in der Gemeindewohnung mit vier Parteien. Losert war in der Arbeit als er gegen 20 Uhr von der Tat erfuhr. Als er nach Hause kam, sei eine große Verunsicherung bei den Nachbarn zu spüren gewesen. "Der Täter war ja noch flüchtig", sagt Losert. Etliche Bürger des 1700-Einwohner-Ortes hätten Angst gehabt, dass sich der 25-Jährige im Ort versteckt. Die Gewalttat hat Erwin Losert "total überrascht".

Der Bürgermeister bietet seine Hilfe an

Der Bürgermeister denkt jetzt nicht nur an die betroffene Familie, sondern auch an die anderen Bewohner des Hauses. "Ich habe der Polizei meine Hilfe angeboten", sagt der Bürgermeister. Laut Polizei sei es aber derzeit nicht notwendig, die Nachbarn an einem anderen Ort unterzubringen. Losert selbst erlebte am Samstag ein Kontrastprogramm. Gegen Mittag stand für ihn eine Trauung im nahe gelegenen Rathaus an.

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Im Einsatz war auch die Feuerwehr des Ortes. Kommandant Stephan Sperl und seine Kollegen mussten den Leichnam am Samstag gegen 5 Uhr aus der Wohnung bergen. Wie Sperl sagt, lag der 62-Jährige in der Badewanne. Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord wollte dies auf Nachfrage unserer Zeit aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bestätigen. Da das Opfer sehr korpulent gewesen sei, war die Bergung laut Stephan Sperl sehr kompliziert. Ein Spineboard, eine Art schmales Rettungsbrett, konnte nicht verwendet werden, so dass der Leichnam mit Bandschlingen aus dem Haus gebracht und dem Bestatter übergeben wurde.

Im Feuerwehrhaus in Obermeitingen fand am Abend der Tat eine Übung statt.
Foto: Anja Ringel (Archivfoto)

Die Gewalttat hat auch Stephan Sperl schockiert. Im unweit des Tatorts gelegenen Feuerwehrhaus hatte am Freitagabend eine Übung stattgefunden. Zwei Kinder, die laut Sperl das blutverschmierte Badfenster und den flüchtenden Täter gesehen hatten, seien zur Feuerwehr gekommen und hätten ihm und seinen Kollegen darüber berichtet. "Ich mache mir große Sorgen um die Kinder", sagt der Kommandant. Sie bräuchten seelische Betreuung, am besten durch das Kriseninterventionsteam.

Der 25-jährige mutmaßliche Täter machte bisher noch keine verwertbaren Angaben, teilt die Polizei mit. Er wird auf Antrag der Staatsanwaltschaft Augsburg am heutigen Samstag dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Im Laufe des Tages findet eine Obduktion des Getöteten statt. Die näheren Hintergründe und das Motiv des Tatverdächtigen sind bisher noch unklar. Die weiteren Ermittlungen werden von der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck mit der Staatsanwaltschaft Augsburg geführt.

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