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Soziale Landwirtschaft

10.10.2018

Ochse Nini ist ein Typ zum Streicheln

Christine Festner aus Wolfgrub und der Ochse Nini. Die 36-Jährige bietet auf der Festner-Ranch unter dem Stichwort „Soziale Landwirtschaft“ seit Kurzem auch Therapien mit Tieren an.
Bild: Stephanie Millonig

Auf der Festner-Ranch in Wolfgrub wird heilpädagogisches Reiten angeboten. Auch Rinder, von denen eine besondere Ruhe ausgeht, eignen sich für tiergestützte Therapien

Nini ist ein hübsches Kerlchen mit schokoladebraunem Fell und einer kleinen Blesse an der Stirn. Er hat eine ganz besondere Aufgabe: Nini ist ein Ochse zum Streicheln, denn auf der Festner-Ranch in Wolfgrub bei Dettenschwang werden unter dem Stichwort „Soziale Landwirtschaft“ seit Kurzem tiergestützte Therapien angeboten. Und dabei kommen auch Ochse und Kuh zum Einsatz, denn Christine Festner kennt die beruhigende Wirkung der Wiederkäuer auf Menschen.

Während der Ochse noch ein wenig scheu den Besuch samt Fotoapparat beäugt, springt der Große Schweizer Sennenhund Seppi begeistert auf die neue Gestalt zu und lässt sich sofort kraulen. Der zweijährige Rüde ist noch jugendlich-ungestüm, die Ausbildung zum Therapiehund muss er noch absolvieren.

Einst stand im bestehenden Hof der Familie Milchvieh im Stall. Heute werden von Christine und Manfred Festner, die nebenan gebaut haben, 15 Plätze für Pensionspferde angeboten und es steht eine kleine Herde mit acht Mutterkühen – Fleckvieh, Limousin und Galloways – auf der Weide.

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Für den Nachwuchs sorgt Limousin-Stier Moritz, ein imposanter 1000-Kilo-Kerl, der einigen seiner Kinder das schokobraune Fell vererbt hat. Außerdem ist noch ein Galloway-Ochse eingestellt, der bei den Festners sein Gnadenbrot bekommt. Und es grasen neun eigene Pferde – vom Shetland- bis zum Polopony – auf der Weide.

Christine Festner stammt aus Schwifting und kennt den Umgang mit der Natur vor allem auch von Oma und Opa, die ihr unter anderem die Ameisenhügel im Wald zeigten. Und da in der Verwandtschaft Jäger waren, konnte es schon mal vorkommen, dass ein verwaistes Rehkitz in einer Kiste in der Küche untergebracht war, solange es die Flasche bekam. „Die hießen alle Hansi oder Gretl.“

Der Bezug zur Natur fehlt ihrer Meinung nach heutzutage, und Christine Festner ist es wichtig, gerade Kindern dies wieder nahezubringen. Aber auch Erwachsene sind willkommen. Die 36-Jährige hat im nahen Umfeld erfahren, wie positiv sich der Umgang mit Tieren gerade auf Menschen auswirkt, denen das soziale Miteinander schwerfällt. Und sie wollte selbst etwas mit Kindern machen, „Kindern begreiflich machen, was Natur ist, wie schön es in der Natur ist und wie man mit der Natur leben kann“. Außerdem sei wegen der Pferdehaltung immer wieder nach Reitkursen gefragt worden.

Also absolvierte sie eine Ausbildung zur reitpädagogischen Betreuerin nach Dell’Mour. FEBS nennt sich dazu das Programm, die vier Buchstaben stehen, wie Christine Fechtner erzählt, für Fantasie, Erlebnis, Bewegung und Spiel. Die Kurse richteten sich an alle, nicht nur an Menschen mit Beeinträchtigung, erzählt sie.

Sie mache Kurse für drei- bis achtjährige Kinder: Diese lernten den Umgang mit Tieren, den Umgang mit Pferden. Jede Gruppenstunde habe ein eigenes Thema, es gehe um die Tiere, um den Wald und die Jahreszeiten, die spielerisch erfahren würden. Ein Pony stehe vier Kindern zur Verfügung. Auch heilpädagogisches Reiten wird angeboten, hier arbeiten die Festners mit Kathrin Schlichter, die Pferdewirtin und in therapeutischem Reiten ausgebildet ist. Das Pferd wird hier als Sozialpartner gesehen.

Das Ganze läuft unter der Überschrift „soziale Landwirtschaft“. Das Bayerische Landwirtschaftsministerium bezeichnete so Betriebe, „die eine Wertschöpfung (auch im Sinne einer erbrachten Arbeitsleistung) im Bereich Landwirtschaft, in der bäuerlichen Hauswirtschaft, im Forst oder/und Gartenbau erzielen und diese mit einem sozialen Angebot verbinden“.

Kirchliche und soziale Einrichtungen nutzten schon länger ihre landwirtschaftlichen Flächen für die Betreuung, Versorgung und sinnvolle Beschäftigung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen wie Senioren, Menschen mit Behinderungen, ehemaligen Drogenabhängigen oder Strafgefangenen. Neu sei, dass seit rund fünf Jahren auch immer mehr Landwirte als soziale Unternehmer tätig würden. In der Landesanstalt für Landwirtschaft wurde eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich unter anderem mit rechtlichen Rahmenbedingungen oder Finanzierungsmöglichkeiten beschäftigt.

„Soziale Landwirtschaft, das hat uns zugesagt“, erzählt Christine Festner: „die Leute a bisserl runter und zu sich und zur Natur bringen.“

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