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Landsberg

12.07.2020

Ohne regelmäßige Treffen ist Selbsthilfe kaum möglich

Kritik an der evangelischen Kirchengemeinde in Landsberg äußert eine Selbsthilfegruppe.
Bild: Thorsten Jordan

Die Selbsthilfegruppe Sepro in Landsberg gibt es nicht mehr. Jürgen Karres hat das Handtuch geworfen. Er erhebt schwere Vorwürfe und ist besonders vom Verhalten der Pfarrerin Jutta Krimm enttäuscht

Selbsthilfegruppen (SHG) sind auf Gruppenräume angewiesen. Viele sind aber coronabedingt geschlossen – mit Folgen. „Nach mehr als drei Monaten im Corona-Modus geht uns die Luft aus“, urteilt Jürgen Karres, der die Selbsthilfegruppe Sepro-Landsberg leitete. Jetzt hat er die Auflösung der SHG, der Menschen mit seelischen Problemen angehören, bekanntgegeben.

Kritik am Vorgehen der Verantwortlichen

Treffen in der seit 2008 bestehenden Gruppe seien essenziell notwendig. Karres war einer der ersten in der bis zu 23 Personen starken Gruppe, die zwischenzeitlich sogar gesplittet werden musste. Meist kämen rund zehn Personen, so Karres. Der 62-Jährige erhebt schwere Vorwürfe gegen die Evangelische Kirche in Landsberg. In deren Gemeindehaus traf man sich, letztmals am 12. März. Seitdem sind die Türen verschlossen, obwohl, wie Karres sagt, er mehrfach nachgefragt und inzwischen auch ein vom Gesundheitsamt genehmigtes Hygienekonzept vorgelegt habe. „Der Stuhlkreis im Gemeindehaus war ein Segen für uns. Sieben Teilnehmer könnten sich mit dem notwendigen Abstand von 1,5 Metern jetzt auch dort treffen“, sagt Karres. Bereits am 5. Juni habe er erstmals nachgefragt, ob Gruppentreffen wieder möglich seien. Doch der Kontakt sei schwierig, man erhalte selten Antwort, bedauert er. Immer wieder habe er sich an die Kirche gewandt und auf die neuen Lockerungen aufmerksam gemacht.

Kein persönlicher Kontakt

Besonders kränkt ihn, dass Pfarrerin Jutta Krimm nie persönlich Kontakt zu ihm aufgenommen habe. Nach ihrem Schreiben von Mitte Juni, das besagt, dass die Evangelische Landeskirche die Empfehlung gebe, die Gemeindehäuser erst wieder nach den Sommerferien mit Gruppen zu belegen und in dem von ihr nur vage signalisiert wurde, dass eventuell ab Mitte Juli kleine Treffen möglich seien, hat Karres das Handtuch geworfen.

War die Zeit für Entscheidungen zu kurz?

Krimm begründet ihre Entscheidung damit, dass es zwischen den Gruppen keine Überschneidungen geben dürfe und dass zuerst ein Schutz- und Hygienekonzept erarbeitet werden müsse. Nach Ansicht von Karres wäre dazu längst Zeit gewesen. „Wenn im Herbst eine zweite Coronawelle kommt, wird wieder geschlossen. Jetzt wäre die Zeit gewesen, sich wieder zu treffen, aber die Kirche verschließt die Türen vor uns“, beklagt er. Auch auf ein Schreiben des Selbsthilfezentrums München (SHZ) vom 19. Juni, das Karres um Unterstützung gebeten hatte, habe die Kirche nicht reagiert. Darin teilt das SHZ unter anderem mit, dass es im Rahmen einer Sondergenehmigung möglich sei, dass sich Gruppen aus den Bereichen Sucht oder seelische Gesundheit wieder träfen. Auf diese Lösungsmöglichkeit sei die Kirche nicht eingegangen, bedauert Karres, der sich auch an das Dekanat Weilheim gewandt hat.

Geordnet und sicher wieder öffnen

Was sagt die Evangelische Kirche zu dem Vorgang? Pfarrer Siegfried Martin bedauert die Selbstauflösung der Sepro. „Das Gemeindehaus steht der Gruppe natürlich weiterhin offen“, so Martin. „Die Kirchengemeinde hat unter den schwierigen Bedingungen zeitnah alles in Bewegung gesetzt, um das Gemeindehaus für erste Gruppen möglichst rasch, gleichzeitig aber auch geordnet und sicher wieder zu öffnen.“ Martin verweist auf Vorgaben der Landeskirche. Neu ist darin, dass mit außerkirchlichen Gruppen ein Miet- oder Leihvertrag abzuschließen sei. „Bisher gab es in unserer Kirchengemeinde solche Verträge nicht. Auch hier ist eine neue Praxis umzusetzen“, erklärt Martin. Am 16. Juni wurde ein Hygieneschutzteam gebildet. Dieses habe ein Konzept erarbeitet, dessen Beschluss jedoch aufgrund der Erkrankung von Pfarrerin Krimm noch aussteht. Zu diesem Zeitpunkt sei von Sepro noch kein Hygieneschutzkonzept vorgelegen, welches beschlussreif gewesen wäre. „Der Gruppe Sepro wurde explizit höchste Wichtigkeit beigemessen. Wert und Dringlichkeit der Arbeit der Gruppe war allen Teilnehmenden bewusst“, sagt Martin.

Das entscheidet der Kirchenvorstand

Auf Anfrage des LT teilt der Pressesprecher der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern, Johannes Minkus, mit, dass „nach unserem Verständnis Gruppentreffen mit zehn Personen wieder möglich sind. Auch Gastgruppen können Gemeindehäuser nutzen, wenn sie sich auf das Sicherheitskonzept für die Räumlichkeiten erklärtermaßen einlassen und ein eigenes Sicherheitskonzept für ihre Gruppe dem Pfarramt vorlegen können. Die Letztentscheidung liegt allerdings beim Kirchenvorstand, der die Verantwortung für die Nutzung der Gemeinderäume trägt.“ „Wenn uns Treffen ab Mitte Juli sicher zugesagt worden wären, hätten wir durchgehalten“, sagt Karres. Er hofft, dass die Idee von Sepro, dass Menschen in seelischen Notlagen sich gegenseitig unterstützen, bestehen bleibt.

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