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Andechs

30.07.2020

Orff-Festival in Andechs: Die Kunst will wiederkommen

Lioba Braun und Margarita Oganesjan interpretierten in einer Uraufführung Lieder des jungen Carl Orff sowie Ludwig van Beethovens Gellert-Lieder
Bild: Minka Ruile

Wegen Corona gibt es das Orff-Festival nur im Miniaturformat. Dabei treffen Carl Orff, Ludwig van Beethoven und ein Kabarettist zusammen.

Die Vorbereitungen waren abgeschlossen, das Programm zur Feier des Doppeljubiläums 125. Geburtstag von Carl Orff und 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven stand, als im Mai endgültig klar war: Corona macht dem Orff Festival 2020 einen dicken Strich durch die Rechnung. Doch „Die Kunst will, dass wir nicht stehen bleiben!“ hielten es die Veranstalter dann ganz mit dem „Titan“. Sie milderten die drohende Komplettabsage in eine Verschiebung der szenischen Produktion auf das kommende und Durchführung der geplanten Konzerte in diesem Jahr. Knapp 400 Zuhörer kamen im Andechser Florian-Stadl bei fünf Konzerten in zwei Tagen so doch noch in den Genuss zumindest eines Mini-Festivals.

Knapp 600 hätten es gemäß der geltenden Bestimmungen sein können: Anlass für Veranstalter Florian Zwipf-Zaharia, sich mit einer Bitte ans Publikum zu wenden: „Gehen Sie raus und erzählen allen: Die Kunst kommt wieder. Denn es gibt noch immer diejenigen, die Angst haben und, ich fürchte, auch diejenigen, die anfangen, die Kunst zu vergessen.“ Zwipf-Zaharia war im Mai einer der ersten Veranstalter, der ein nach ersten Corona-Lockerungen wieder aktiv wurde.

Handwerk und Mundwerk

Zum Abschluss des kleinen Festivals kam es zu einer inspirierenden Verabredung von „Handwerk“, ausgeführt von den Musikern des Henschel-Quartetts und den Pianistinnen Margarita Oganesjan und Lika Bibileishvili, und „Mundwerk“ des Kabarettisten Andreas Rebers. Vorangegangen war tags zuvor ein Doppelkonzert „Der Titan & der Altbayer“ mit Margarita Oganesjan und dem Cellisten Hendrik Blumenroth. Den Auftakt zum Sonntagsprogramm unter dem Titel „Ein Tag mit Carl O. & Ludwig van B.“ machten dann Lika Bibileishvili und das Henschel-Quartett unter anderem mit Gassenhauern nach Hans Neusiedler von Carl Orff und Gunild Keetman sowie Beethovens Streichquartett op. 95.

Im zweiten Konzert folgte mit der Uraufführung einiger noch ganz der Romantik verhafteter Lieder aus Carl Orffs op. 9 und 13 eine kleine Sensation. Die von Margarita Oganesjan am Flügel begleitete Mezzosopranistin Lioba Braun gestaltete die zart um, meist Heinrich Heines Verse gelegten Melodiebögen des noch jungen Komponisten fein phrasierend, einfühlsam, ohne jedoch zu dramatisieren. Der Besetzung Stimme/Streichquartett entsprechend nahm sich die sonst eher im Opernfach beheimatete Sängerin dann mit intimem Ton auch in Beethovens Gellert-Liedern zurück. Applaus und Bravorufe für einen großen Auftritt der eher leisen Töne.

Die Sache mit dem Mantel

Für das letzte Konzert mussten sich die Zuhörer schnell umstellen. Ein Mantel führte durchs Programm. Was es damit auf sich haben kann, weiß man nicht erst seit Nikolaj Gogols Novelle. Auch der Kabarettist Andreas Rebers hatte über seinen „guten schwarzen Mantel“ einiges zu berichten. War es bei Gogol ein kleiner Amtsschreiber, dessen Leben sich durch einen maßgeschneiderten Mantel auf tragische Weise änderte, so sah sich Rebers in seiner Geschichte in Gedanken mit seinem seidengefütterten Kaschmirmantel einen anderen werden.

Andreas Rebers mit dem Henschel-Quartett mit (von links) Christoph Henschel, Teresa la Cour, Monika Henschel-Schwind und Mathias Beyer-Karlshøj.
Bild: Minka Ruile

Was aber hat das mit Beethoven zu tun? So viel vielleicht, dass Rebers das Stück in einer der Gassen Wiens fand, durch die auch der Meister täglich spaziert war, den einen oder anderen Gelegenheitskauf im Auge, wenn er nicht gerade dabei war, eine musikalische Idee zu notieren – womöglich eines der Themen, das Margarita Oganesjan und Lika Bibileishvili oder das Henschel-Quartett zwischen Rebers’ Anekdoten anklingen ließen. Und dieser fand zunehmend Gefallen an der anfangs als „zu viel Tamtam“ gescholtenen Musik des Komponisten.

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