Newsticker

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann schließt erneute Grenzkontrollen nicht aus

Rückblick

27.01.2015

Orte des Holocaust

Amerikanische Soldaten am 27. oder 28. April 1945 im Lager Kaufering IV bei Hurlach, das vom Lagerarzt angezündet worden war. Drei Monate zuvor, am 27. Januar, war das Konzentrationslager Auschwitz befreit worden.
3 Bilder
Amerikanische Soldaten am 27. oder 28. April 1945 im Lager Kaufering IV bei Hurlach, das vom Lagerarzt angezündet worden war. Drei Monate zuvor, am 27. Januar, war das Konzentrationslager Auschwitz befreit worden.
Bild: Stadtarchiv

Für ein Rüstungsprojekt mussten Tausende Häftlinge sterben. Es gab auch Hoffnung inmitten des Grauens

Heute vor 70 Jahren, am 27. Januar 1945, befreiten Soldaten der Roten Armee im Konzentrationslager Auschwitz rund 7000 überlebende Gefangene. Nach einem Beschluss der Vereinten Nationen wird an diesem Tag seit 2006 der Opfer des Nationalsozialismus gedacht, in Deutschland seit 1996. Auch in Landsberg findet heute eine Gedenkveranstaltung statt. Denn die Stadt am Lech war ein Ort des Holocaust. Ein Teil ihrer Geschichte, mit dem sich Politik und Bürger lange Zeit schwer taten. Ein Rückblick.

Das Rüstungsprojekt mit dem Tarnnamen „Ringeltaube“ begann im Juni 1944 mit dem Bau von unterirdischen Fabriken im Frauenwald zwischen Landsberg und Igling. Dort sollten Kampfflugzeuge hergestellt werden. Auf der Baustelle musste auch eine große Zahl jüdischer KZ-Häftlinge arbeiten, darunter Frauen und Kinder. Die Häftlinge wurden unter unmenschlichen Bedingungen in Viehwaggons transportiert, anfangs kamen sie vor allem aus Auschwitz und anderen Lagern im Osten. Viele von ihnen überlebten den Transport nicht.

Die jüdischen Häftlinge wurden in elf Lagern in Landsberg und Umgebung untergebracht, die die Namen „ Kaufering I“ bis „Kaufering XI“ trugen. Obwohl die meisten auf Landsberger Flur lagen, erhielten sie den Namen des benachbarten Ortes, weil die Transporte am dortigen Bahnhof endeten. Die Unterkünfte der Häftlinge waren primitiv – Hütten aus Sperrholzplatten, Erdhütten und Tonflaschenbunker, kaum gegen Kälte geschützt. Wie bei den Arbeitseinsätzen in Auschwitz, war in den Lagern in und um Landsberg die „Vernichtung durch Arbeit“ das Ziel der SS.

Auch am Tag der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz starben in den Lagern und auf der Baustelle im Frauenwald Häftlinge. Doch es gab auch Hoffnung inmitten des Grauens. Zwischen Dezember 1944 und Februar 1945 kamen im KZ-Außenlager Kaufering I sieben jüdische Kinder zur Welt. Das „Wunder von Kaufering“ war die Ausnahme im mörderischen System der Konzentrationslager. Ende April 1945, als sich die amerikanische Armee Landsberg näherte, wurden die Lager geräumt. Ein kleiner Teil der Häftlinge blieb zurück, die anderen mussten zu Fuß nach Dachau und Allach und später in Todesmärschen Richtung Alpen. Das Lager IV bei Hurlach wurde nach der Räumung vom Lagerarzt angezündet. Dabei verbrannten nicht nur die Toten, sondern wohl auch viele Schwerkranke. Größere bauliche Überreste haben sich nur in Lager VII zwischen Landsberg und Erpfting erhalten. Ansonsten erinnern heute vor allem die sieben KZ-Friedhöfe an die Opfer.

Der Holocaust in Landsberg war lange Jahre kein Thema in der Stadt. Als der Gymnasiallehrer Anton Posset Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre mit seinen Schülern für Geschichtswettbewerbe Nachforschungen anstellte, waren diese nicht erwünscht. Mit Gleichgesinnten gründete Posset 1983 die „Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert“. Sie erwarb Flächen des ehemaligen Lagers VII und errichtete dort die „Europäische Holocaustgedenkstätte“.

Auch Barbara Fenner legte Spuren eines KZ-Außenlagers mit ihren Schulklassen frei. Das Unterrichtsprojekt „Wir machen ein KZ sichtbar“, führte Fenner 1993 bis 1995 mit Neunt- und Zehntklässlern am Ignaz-Kögler-Gymnasium durch. Die Projektgruppe legte im ehemaligen Lager Kaufering XI Betonfundamente der Baracken frei und kartierte das Gelände.

Das KZ-Außenlager VII wird nun zum Dokumentationszentrum. Viele Jahre lang waren Sicherung und Erhalt Angelegenheit einiger weniger engagierter Bürger. Die Bundesrepublik hat der Europäischen Holocaustgedenkstätte nationale Bedeutung zugesprochen. Eine enge Kooperation gibt es mit der Bundeswehr und deren wehrgeschichtlicher Sammlung in der Untertageanlage der Welfenkaserne – jenem Bunker, für dessen Bau Tausende Häftlinge sterben mussten.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren