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Landsberg

24.02.2018

Parkkontrolleur beleidigt: „Kasperl“ wird richtig teuer

Weil er einen Mitarbeiter der Stadt Landsberg beleidigt haben soll, landete ein 56-Jähriger jetzt vor dem Amtsgericht. Er soll den Mann als „Kasperl“ beschimpft haben.
Bild: Julian Leitenstorfer (Symbolbild)

Zuerst parkt er auf einem Behindertenparkplatz, dann beleidigt er einen Mitarbeiter der Stadt wegen des Strafzettels. Jetzt musste ein 56-Jähriger in Landsberg deshalb vor Gericht.

3000 Euro – 30 Tagessätze zu je 100 Euro – muss ein Industriemeister aus dem Landkreis an den Staat bezahlen. Der 56-Jährige hat im Oktober 2017 einen 34-jährigen Verkehrsüberwacher der Stadt Landsberg beleidigt. Richter Michael Eberle war nach der Beweisaufnahme überzeugt, dass der Mann die ihm zur Last gelegte Tat begangen hat.

Der Richter glaubt dem städtischen Mitarbeiter mehr als dem Falschparker

Der Angeklagte räumte vor dem Landsberger Amtsgericht ein, dass er seinen Pkw auf einem Behindertenparkplatz in Landsberg abgestellt hatte. Dafür bekam er eine Verwarnung in Höhe von 25 Euro, die er auch bezahlte. Dass er den Mitarbeiter der Stadt als „Kasperl“ bezeichnet haben soll, der seine Frau vor einiger Zeit in der Katharinenstraße wegen eines anderen Vorfalls aufgeschrieben hatte, das wies der Mann zurück. Er kenne den Verkehrsüberwacher doch gar nicht, sagte der Angeklagte. Genau das Gegenteil sagte der Verkehrsüberwacher als Zeuge vor Gericht aus. Er nahm den „Kasperl“ nicht einfach kommentarlos hin. Er gab den Vorgang an seinen Dienstherrn, Oberbürgermeister Matthias Neuner, weiter. Der Chef der Stadtverwaltung stellte Strafanzeige wegen Beleidigung.

Richter Michael Eberle hielt dem Angeklagten Verantwortungslosigkeit vor. Denn er habe einen Behindertenparkplatz blockiert: „Leute mit einem Rollstuhl finden dann keinen Platz, weil sie draufstehen“, redete Eberle dem Beschuldigten ins Gewissen. Warum er das gemacht habe, konnte der 56-Jährige nicht sagen: „Ich glaube, da war ein Parkverbot“, meinte er lediglich. Vom Richter wollte er wissen, ob seine Aussage weniger glaubhaft sei als die des Verkehrsüberwachers. Das Echo von Eberle kam postwendend: Ein klares Ja. Begründung: Es gebe keine Vorschrift, wonach fünf, sieben oder elf Zeugen gefragt werden müssten, also nicht unbedingt mehrere. Aussage stehe gegen Aussage, das sei richtig. Er, der Richter, habe seine Einlassung gehört – und auf der Gegenseite die Aussage des Zeugen. Letzterer habe ihn überzeugt, der Angeklagte nicht.

Der ursprüngliche Strafbefehl war deutlich billiger

Dem Falschparker war ursprünglich vom Gericht ein Strafbefehl über 1000 Euro zugeschickt worden. Dies basierte auf der Annahme, dass von einem Geständnis ausgegangen werden könne. Doch der 56-jährige Mann legte Widerspruch ein. Deswegen wurde jetzt vor Gericht verhandelt. Mit dem Ergebnis, dass ihm nun 3000 Euro aufgebrummt wurden, da er die Straftat nach wie vor bestritt. Staatsanwältin Julia Ehlert hatte sogar noch 300 Euro mehr beantragt.

Möglicherweise kann der Fall noch nicht zu den Akten gelegt werden. Der Angeklagte, der ohne Rechtsbeistand erschienen war, ließ offen, ob er das Urteil annehmen oder die nächsthöhere Instanz anrufen will. Den Gerichtssaal verließ der Mann nicht lautlos: Für jedermann deutlich zu hören, kritisierte er das Urteil mit den Worten „Ein lustiger Rechtsstaat“. (eh)

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