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Penzing/Landsberg

10.09.2019

Penzing: Aus der Traum vom Ein-Euro-Flugplatz

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Wie geht es mit dem Fliegerhorst Penzing weiter? Die Gemeinde und die Stadt Landsberg sollen nach dem Truppenabzug das erste Zugriffsrecht bekommen. Derzeit ist noch das Bundeswehrdienstleistungszentrum dort untergebracht.
Bild: Julian Leitenstorfer

Die Verkaufsanzeige für den Penzinger Fliegerhorst im Internet sorgt für Wirbel. Mittlerweile ist sie wieder aus dem Internet verschwunden. Wie die Bundesbehörde ihr Vorgehen erklärt.

Zu schön, um wahr zu sein: Das 270 Hektar große Penzinger Flugplatzgelände wurde seit dem Wochenende von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) auf einem großen Immobilienportal in Internet angeboten (das LT berichtete exklusiv). Als Preis war ein Euro genannt. Am Montagnachmittag war der Traum schon wieder vorbei: Das Online-Inserat wurde zurückgezogen.

Dass das Verkaufsangebot auf diese Weise publik wurde, sorgte im Landkreis auch für gewisse Irritationen, wie die für Bayern und Baden-Württemberg zuständige Verkaufsleiterin bei der Bima, Monika Maucher, einräumt. Denn eigentlich laufen ja bereits Gespräche zwischen den staatlichen Immobilienvermarktern und der Gemeinde Penzing und der Stadt Landsberg. Die beiden Kommunen, auf deren Gebiet der ehemalige Flugplatz liegt, haben ein Erstzugriffsrecht auf die frei werdende Militärliegenschaft. Und in fast allen Fällen machen Kommunen auch von diesem Recht Gebrauch.

So erklärt die zuständige Behörde den Vorgang

Was sollte also das Verkaufsexposé im Internet bezwecken? „Die Absicht ist ganz einfach“, sagt Maucher dazu, „wir stehen vor der Expo Real 2019, da hat die Bima einen Stand. Und da ging es darum, dass man ein Angebot an Immobilien macht.“ Die Veröffentlichung sei – mit Verweis auf das Erstzugriffsrecht der Kommunen und dem Hinweis, dass der besagte Euro nur ein Platzhalter sei – als Hinweis an Investoren zu sehen, dass in Penzing etwas entstehen könne. Zusätzliche Aufmerksamkeit bei Investoren, meint dagegen der Penzinger Bürgermeister Johannes Erhard, brauche der bisherige Flugplatz eigentlich nicht: „Das Thema ist so präsent und wir werden so oft angefragt, dass wir das Gelände schon zwei- oder dreimal hätten verkaufen können.“

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So schnell dürfte sich aber auf dem Fliegerhorstgelände eh nichts tun: Noch befindet sich dort das Bundeswehrdienstleistungszentrum. Dieses soll zwar in die Welfenkaserne umziehen. Bis die dort vorgesehenen Gebäude jedoch bezugsfertig sind, wird es noch etwas dauern, so Maucher: „Das Dienstleistungszentrum wird sicher noch ein Jahr in Penzing bleiben.“ Vom Zeitpunkt des Umzugs an solle dann das Fliegerhorstgelände innerhalb von zwei Jahren vermarktet werden, so die Verkaufsleiterin weiter.

Die Sportflieger haben den Fliegerhorst bereits verlassen

Den Sportfliegern sei zum 30. Juni gekündigt worden, sie hätten das Gelände auch verlassen. Nicht auszuschließen ist Mauchers Worten zufolge jedoch, dass ein Teil des Flugplatzes auch künftig von einer Einrichtung des Bundes genutzt wird. Die Bundespolizei suche nach einer Liegenschaft für Ausbildungs- und Trainingszwecke.

Die Verkaufskonditionen sind noch völlig offen. Wie viel für das 270 Hektar große Gebiet bezahlt werden muss, hänge vom geplanten künftigen „Nutzungsszenario“ ab, erklärt Monika Maucher: Werde eine intensive und hochwertige Nutzung vorgesehen, sei der Preis höher, als wenn wenig gebaut werde oder soziale Nutzungen erfolgen. Die künftig geplante Verwendung fließe dann in ein noch zu erstellendes Wertgutachten ein, aus dem sich ein Verkaufspreis ableiten wird.

Folgt man den Überlegungen von Landrat Thomas Eichinger, könnte es erst einmal darauf hinauslaufen, eher wenig Nutzungen zu planen, um den Kaufpreis niedrig zu halten – auch wenn bei später hinzukommenden Planungen dann Aufpreiszahlungen fällig werden. Dabei ist für Eichinger nicht nur das Geld ein Aspekt, den es zu beachten gelte. Er stelle sich für Penzing eine „langfristige und organische und kein investorengetriebene Entwicklung“ vor, sagt Eichinger. Für die nächsten Monate erwartet er keine „weitreichenden Weichenstellungen“. Die, so meint er, sollten dem neuen Bürgermeister und Gemeinderat überlassen werden, und dabei sollten auch die Penzinger Bürger einbezogen werden. Da hoffe er auf einen entsprechenden „Kommunikationsprozess in der nächsten Wahlperiode“.

Was passiert, wenn der Flugplatz in Besitz der Gemeinden ist?

Sein im vergangenen Jahr gemachtes Angebot, einen kommunalen Zweckverband zu gründen, um die Entwicklungsaufgabe mit mehreren Partnern zu stemmen, stehe weiterhin, sagt Eichinger. Ein solcher Zweckverband wurde beispielsweise gegründet, um das Wohngebiet Freiham im Münchner Westen zu entwickeln, ebenso beim Verkauf des früheren Fliegerhorsts im schwäbischen Leipheim. Dem Landkreis selber habe der Bund zuletzt nur ein paar Wohnungen für Asylbewerber zur Miete angeboten, berichtet Eichinger weiter. Anfragen des Landkreises etwa für Verwaltungszwecke seien zurückgestellt worden. „Da hieß es von der Bima, das gehört uns noch nicht, und von der Bundeswehr, wir können nichts verändern, denn es gehört bald der Bima.“

Und was hält Eichinger von der am Wochenende erschienenen Online-Anzeige für Penzing? „Ich sehe das als Zeichen, dass die Konversion kommt und wir in Penzing weitermachen müssen und weiter für die Gemeinde, dass es in den nächsten Jahren heiß wird.“

Bürgermeister Johannes Erhard hält sich derweil eher bedeckt. Man werde die sich stellenden Aufgaben abarbeiten, sagt er. Und was die künftige Nutzung des Fliegerhorsts anbelangt, nennt er fünf Stichworte: hochwertige Arbeitsplätze, Start-up-Firmen, Handwerksbetriebe, Hochschule, sozialer Wohnungsbau. „Von allem ein bisschen“, fasst er zusammen. Die Internet-Veröffentlichung durch die Bima schätzt Erhard als „Versehen“ ein. Tatsächlich wurde die Verkaufsanzeige wenige Stunden nach der Veröffentlichung eines Berichts im LT darüber am Montagnachmittag wieder aus dem Netz genommen. "

Lesen Sie auch den Kommentar: Fliegerhorst-Verkauf: Fragwürdiger Messe-Schlager

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