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Achselschwang

08.08.2018

Per „Partnerbörse“ an den Rekord-Stier aus Achselschwang

Der in Achselschwang gezüchtete Bulle namens „Weitblick“ wurde beim Zuchtviehmarkt in Weilheim für 151.000 Euro ersteigert.

Der Bulle namens „Weitblick“ geht nach einer Zuchtvieh-Versteigerung für 151.000 Euro von Achselschwang an die Besamungsstation Höchstädt. Warum das Tier so viel wert ist.

Erfolg über eine Partnerbörse für Stiere? Ja, so etwas gibt es tatsächlich. Zwar sind das keine Partnerbörsen, aber spezielle Computerprogramme, die für jede Kuh den entsprechend passenden Bullen ermitteln. Das Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum (LVFZ) für Milchvieh- und Rinderhaltung hat dabei offenbar eine glückliche Hand, denn aktuell wurde ein in Achselschwang gezüchteter Bulle für die sagenhafte Summe von 151 000 Euro verkauft. Wir haben uns mit Georg Hammerl, dem Leiter des LVFZ unterhalten.

Beim Zuchtviehmarkt in Weilheim ist ein in Achselschwang gezüchteter Bulle für 151.000 Euro versteigert worden?

Hammerl: Ja, der Stier „Weitblick“ wurde von der Besamungsstation in Höchstädt ersteigert.

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Haben Sie in Achselschwang jemals so viel für einen Zuchtbullen erzielen können?

Hammerl: Nein, natürlich nicht.

Wie viele Zuchtbullen verkaufen Sie denn pro Jahr?

Hammerl: Etwa einen pro Jahr an eine Station, ein paar gehen auch in den Natursprung (natürliche Paarung, Anmerkung der Redaktion) Wir verkaufen die Zuchttiere als Kälber an für die Aufzucht spezialisierte Betriebe. Diese bringen die Bullen auf den Markt. Der Erlös wird dann geteilt.

Das Geld geht in die LVFZ oder an die Landesanstalt?

Hammerl: Finanzminister Albert Füracker kann sich über den Mehrerlös freuen.

Vielleicht ein kurzer Einblick in das Lehr- und Versuchzentrum Achselschwang, welche Bedeutung spielt die Zucht?

Hammerl: Tierzucht gehört zur normalen Tätigkeit eines jeden Milchviehhalters. Wir vermitteln die wesentlichen Inhalte dazu auch bei unseren Kursen den Auszubildenden im Beruf Landwirt. Zucht heißt, das einzelne Tier (die einzelne Kuh) in seinem Aussehen, seiner Leistungsveranlagung und seiner Fitness zu beurteilen und den passenden Partner dazu zu finden, damit man aus der Paarung wieder gute Kälber bekommt.

Wie läuft so etwas konkret ab? Sie lassen eine gute Fleckvieh-Kuh mit dem Samen eines Spitzenvererbers besamen, dann kommt das Kalb und der genomische Test?

Hammerl: Wir beurteilen die Kuh und stellen zum Beispiel fest, dass die Beine nicht ideal sind, das Euter etwas durchhängt oder die Inhaltsstoffe in der Milch etwas niedrig sind. Dementsprechend suchen wir dann einen Stier, der in diesen Merkmalen besonders unseren Vorstellungen entspricht, und paaren die Kuh damit an.

Video: Besamungsverein Nordschwaben e.V. Höchstädt an der Donau

Woher wissen Sie, welche Merkmale ein Zuchtstier hat?

Hammerl: Die Informationen zu den Bullen gibt´s im Internet, es gibt auch Computerprogramme, die den idealen Partner raussuchen. Das funktioniert in etwa so wie bei den Partnerbörsen beim Menschen. Genomische Tests, also die Analyse der Gene, unterstützen die Suche nach dem idealen Partner. Wenn man heute ein männliches Zuchtkalb verkaufen will, muss dieses Tier genomisch untersucht sein. Durch die Analyse der Gene kann man sagen, welche Eigenschaften das Tier vererben wird.

Wie sieht dies bei Weitblick aus?

Hammerl: Weitblick hat den höchsten genomischen Gesamtzuchtwert aller Fleckviehbullen. Ob sich in fünf Jahren, wenn seine Töchter einmal Milch geben, der Wert bestätigt, muss sich zeigen. Der Zuchtwert ist geschätzt, mit einer Sicherheit von 67 Prozent.

Gibt es neben der Genanalyse weitere Anhaltspunkte für die Qualität eines Tieres in der Zucht?

Hammerl: Der andere, traditionelle Aspekt bei der Zuchtauswahl ist die Abstammung des Bullen. Die Mutter und auch die Großmutter des Tieres wurden von den Kaufinteressenten persönlich in Augenschein genommen.

Worauf wird im Betrieb Achselschwang denn ganz besonders Wert gelegt?

Hammerl: In den Besamungsstationen werden nur Bullen genommen, die gute Leistungen vererben. Von daher ist in unserer Zucht die Milchleistung immer ein präsentes Merkmal. Schwerpunkt im Betrieb Achselschwang sind aber die Eigenschaften „Fundament“, „Euterform“, „stabile Gesundheit“ und damit auch Langlebigkeit. Wir wollen die ideale Kuh züchten, die es wahrscheinlich nicht gibt. Dass dabei auch gute Zuchtbullen abfallen, ist eine erfreuliche Nebenerscheinung.

Wie schaut die Leistung der Achselschwanger Herde aus?

Hammerl: Unsere Kühe der Rassen Fleckvieh und Braunvieh haben eine Jahresdurchschnittsleistung von über 10.000 Kilogramm, haben aber auch eine durchschnittliche Lebensleistung von fast 30 000 Kilogramm und liegen damit 50 Prozent über dem bayerischen Schnitt. Und das alles trotz Schulbetrieb, der für unsere Kühe einen gewissen Zusatzstress verursacht, da die Lehrlinge ja die Arbeiten am Tier nicht immer gleich korrekt machen. Dazu braucht es ruhige und stabile Kühe, die nicht so schnell die Nerven verlieren.

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